Nachrichten

Corporate Citizenship: Lokales Engagement mit klarem Fokus

Wenn Unternehmen „gute Nachbarn“ sein und sich an ihrem Standort engagieren wollen, was heißt das dann konkret? CSR NEWS sprach darüber mit Dieter Schöffmann, Geschäftsführer der Kölner Kommunikationsagentur Vis a Vis und Experte auf dem Gebiet des Corporate Citizenship.

Köln (csr-news) – Wenn Unternehmen „gute Nachbarn“ sein und sich an ihrem Standort engagieren wollen, was heißt das dann konkret? CSR NEWS sprach darüber mit Dieter Schöffmann, Geschäftsführer der Kölner Kommunikationsagentur Vis a Vis und Experte auf dem Gebiet des Corporate Citizenship. Die Fragen stellte Achim Halfmann.

CSR NEWS: Kleine Unternehmen werden heute schon mit Spendenanfragen lokaler Vereine und Aktionen überhäuft. Heißt ein gut Nachbar zu sein, da überall Ja zu sagen?

Dieter Schöffmann: Nein. Aber es hilfreich, wenn das Nein überzeugend begründet werden kann: Das Unternehmen engagiert sich mit einem klaren Fokus und setzt hierfür seine Mittel ein. Dies ist wohl meist für die Anfragenden nachvollziehbar, wie das Beispiel von Henkel zeigt. Henkel war Ende der 90er Jahre mit jährlich weiter über 10.000 Spendenanfragen konfrontiert, die auch ein solch großes Unternehmen nicht alle bedienen konnte. Daraufhin wurde die MIT-Initiative gegründet – „Miteinander im Team“: Henkel spendet an ihren Standorten nur noch dahin, wo Mitarbeiter sich engagieren, und in dem Maße, wie umfangreich sie sich engagieren. Dass nur dorthin gespendet wird, wo sich Henkel-Mitarbeiter selbst engagieren, hat sich als ein produktiver und auch bei den gemeinnützigen Organisationen akzeptierter Filter erwiesen.

Die möglichen Themen eines lokalen Engagements sind vielseitig. Welche Themen sind wichtig? Wie findet ein Unternehmen die ihm passenden Themen?

Welche Themen wichtig sind, lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven beantworten: Was ist dem Unternehmen wichtig? Fachkräftegewinnung, Zusammenhalt und sozialer Friede im Quartier – statt geschäftsschädigendem Vandalismus z.B., Reputationsgewinn, gute Kontakte zu Kunden, Entscheidern im Gemeinwesen? Was ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig? Wo brennt es ihnen unter den Nägeln? Kinderbetreuung, zu Pflegende Angehörige, Suche nach sinnvollem Ausgleich zur Arbeit und nach Anschluss im sozialen Umfeld? Was ist für die Standortkommune wichtig – angesichts prekärer finanzieller und sozialer Lagen? Was ist für gemeinnützige Organisation, Sozial-, Bildungs-, Kultur und andere Dienstleister am Standort wichtig? Wirksamere Beiträge zur Daseinsvorsorge und Lösung sozialer Probleme, sinnvolle Verbindung gemeinnütziger Perspektive und betriebswirtschaftlichen Handelns?

Das Unternehmen kann und sollte sich und die anderen genannten Akteure befragen, was wirklich wichtig ist. Und es sollte schauen, welche Kompetenzen und Ressourcen es in leistbarem Maße einbringen kann, um Wesentliches beitragen zu können. Geld ist hierbei meines Erachtens nicht die entscheidende Ressource – im Gegensatz zum Engagement und der Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel.

Viele Inhaber und Chefs sind persönlich engagiert – etwa in Vereinsvorständen oder in Wirtschaftsverbänden. Sind Unternehmensengagement und persönlicher Einsatz zwei Paar Schuhe, oder lässt sich das verbinden?

Das persönliche Unternehmerengagement mit seinem oder ihrem persönlichen Zeit- und Finanzbudget ist in der Tat etwas Anderes als das Engagement des Unternehmens mit seinen Ressourcen, seinen Mitarbeitern usw. Aber die zwei Paar Schuhe können gemeinsam auf die Wanderschaft gehen. Die Unternehmerperson kann also das persönliche Engagementanliegen ins Unternehmen tragen und zum Beispiel die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Mitwirkung gewinnen. Sie kann sich aber auch von Unternehmens- und Mitarbeiteranliegen inspirieren lassen und das persönliche Engagement hieran ausrichten.

Wie zahlt ein Engagement als guter Nachbar auf das Unternehmen selbst ein?

Es zahlt umso mehr auf das Unternehmen ein, je mehr es in transparenter Weise mit den Interessen und Kompetenzen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter verbunden ist und je klarer und nachhaltiger es sich tatsächlichen relevanten Herausforderungen in der Nachbarschaft widmet und einen spürbaren Beitrag leistet. Dabei sollte es mit Freude von Dritten ausgesprochene öffentliche Anerkennung annehmen, ohne danach zu gieren.

Vielen Dank!

Wie können Unternehmen Verantwortung für das Umfeld an ihren Produktionsstandorten übernehmen und sich als ‚gute Nachbarn‘ erweisen? Mehr dazu erfahren Sie am Donnerstag, den 4. Juli, von 10.00 h bis 10.45 h im CSR NEWS-Webinar mit Dieter Schöffmann. >> Weitere Informationen dazu erhalten Sie hier.