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OECD-Konferenz zu Konsequenzen aus Fabrikeinsturz in Bangladesch

Paris (afp) – Zwei Monate nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch setzen die führenden Industrie- und Schwellenländer auf eine Wende in der Geschäftspraxis multinationaler Firmen. „Wir können nicht erlauben, dass sich solche Tragödien wiederholen“, sagte der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Angel Gurría, am Donnerstag bei einer Konferenz über verantwortliche Unternehmensführung in Paris. Er räumte dabei ein, dass die OECD-Länder bisher nicht genug unternommen hätten.

In Bangladesch war am 24. April ein Fabrikgebäude eingestürzt, in dem auch Textilien für westliche Firmen genäht wurden. Mehr als 1100 Menschen kamen dabei ums Leben. In der Fabrik hatten sich zuvor Risse gezeigt, die Eigentümer hatten ihre Angestellten dennoch aufgefordert, zur Arbeit zu kommen. Seither unterzeichneten mehr als 30 westliche Modeunternehmen ein Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit für Bangladesch.

Frankreichs Ministerin für Außenhandel, Nicole Bricq, forderte bei der OECD-Konferenz, in künftigen internationalen Handelsabkommen auch Sozial- und Umweltstandards festzuschreiben. Sie erinnerte zudem daran, dass die Internationale Organisation für Normung (ISO) eine neue Norm über „verantwortungsvollen Kauf“ einführen wolle, um Unternehmen auszuzeichnen, die OECD-Prinzipien einhalten. Bricq hob hervor, dass es ein „Vorher und ein Nachher“ infolge des Fabrikeinsturzes in Bangladesch im internationalen Handel gebe.

Die Außenministerin von Bangladesch, Dipu Moni, sprach von einem „Wettlauf gegen die Zeit“, den ihr Land seit dem Fabrikeinsturz führe. Etwa 20 Fabriken seien seither geschlossen, 200 Kontrolleure sollten in sechs Monaten eingestellt werden gegenüber 30 vor dem Unglück. Sie hob hervor, dass auch die Käufer eine „große Verantwortung“ hätten.

Die Unternehmen sprächen zwar von der Einhaltung von Normen, würden in Bangladesch ihren Auftrag aber an den billigsten Anbieter vergeben, sagte Moni. Selbst wenn die Einhaltung bestimmter Standards freiwillig sei, so könne dies doch vor Ort etwas ändern. Bangladesch mit seinen niedrigen Löhnen ist weltweit der zweitgrößte Exporteur von Kleidung.

An der ersten OECD-Konferenz zu diesem Thema nahmen neben Ministern aus mehreren Ländern auch Firmenchefs, Experten und Gewerkschaftsvertreter teil.