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Unternehmen oder Regierungen verantwortlich? Ein Widerspruch gegen die Christlichen Initiative Romero

Weil die Regierung von Bangladesch nichts unternimmt, um internationale Arbeiterrechte in ihrem Land umzusetzen, strich US-Präsident Barack Obama am Donnerstag Handelsvorteile für das südasiatische Niedriglohnland. Das kritisiert die Clean Clothes Campaign: Die Bestrafung sei „verlogen“, sagte Maik Pflaum. Die wichtigsten Akteure, um Arbeiterrechte vor Ort durchzusetzen, seien nicht Staaten, sondern Auftraggeber wie Adidas oder H&M. „Sie bestellen und bezahlen, und sie können gute Arbeitsbedingungen durchsetzen.“ Ein Kommentar von Achim Halfmann

Washington (csr-news) – Weil die Regierung von Bangladesch nichts unternimmt, um internationale Arbeiterrechte in ihrem Land umzusetzen, strich US-Präsident Barack Obama am Donnerstag Handelsvorteile für das südasiatische Niedriglohnland. Viele Unternehmen aus Bangladesch müssen beim Import ihrer Waren in die Vereinigten Staaten nun Zölle zahlen. Das kritisiert die Christliche Initiative Romero (CIR): Die Bestrafung sei „verlogen“, sagte Maik Pflaum (der im nebenstehenden Kommentar Stellung nimmt) der Nachrichtenagentur AFP. Die wichtigsten Akteure, um Arbeiterrechte vor Ort durchzusetzen, seien nicht Staaten, sondern Auftraggeber wie Adidas oder H&M. „Sie bestellen und bezahlen, und sie können gute Arbeitsbedingungen durchsetzen.“ Mit dieser Auffassung erweist die CIR den Arbeitern in Bangladesch keinen guten Dienst. Ein Kommentar von Achim Halfmann.

Global einkaufende Unternehmen müssen sich nach der Durchsetzung von Menschen- und Arbeitsrechten bei ihren Zulieferern fragen lassen, wenn Staaten wie Bangladesch diese Rechte nicht durchsetzen. Aber natürlich tritt die Verantwortung der Wirtschaft nicht an die Stelle staatlicher und lokaler Verantwortung. Wer wollte schon in einem Land leben, in dem die Rechtsdurchsetzung einflussreichen privaten Organisationen überlassen bleibt? Ich jedenfalls nicht.

Es ist richtig, dass die USA unmissverständlich auf die Verantwortung der Regierung von Bangladesch verweisen. Denn die muss schärfere Kontrollen in den Fabriken ihres Landes und eine eindeutigere Gesetzgebung nicht nur ankündigen, sondern auch umsetzen. Dazu können lokale Textilunternehmer beitragen, die offensichtlich einen großen Einfluss auf die Politik ihres Landes besitzen. Solange wir im Westen Textilien aus einer Region beziehen, in der die Achtung von Menschenrechten nicht sichergestellt ist, werden wir unsere Handelsmarken nach den Arbeitsbedingungen in ihrer Zulieferkette fragen – als Teil unserer eigenen Verantwortung. Das aber hebt die primäre Verantwortung der Menschen in Bangladesch für ihr eigenes Land und für die Gestaltung der Lebensbedingungen dort nicht auf. Und deshalb muss der CIR widersprochen werden.

Anmerkung: In der Agenturmeldung war Maik Pflaum irrtümlich als Sprecher der Clean Clothes Campaign zitiert worden.

Kommentar

  • Sehr geehrter Herr Halfmann,
    das Zitat von mir bei AFP ist sehr verkürzt dargestellt. Ich hatte AFP gegenüber gesagt, dass ich es für verlogen halte, den primären Fokus darauf zu legen. Als erstes sollten Regierungen die Konzerne in den Griff bekommen, die in ihrem Land ihre Ware verkaufen. Bei einem Produktionsland wie Bangladesch könne die Maßnahme aber trotzdem Sinn machen, auch weil dort die Politik oftmals stark mit den Betreibern der Fabriken verflochten ist. Insofern kann es als 2. Schritt Sinn machen, vorgeschaltet sehe ich aber als 1. Schritt den Umgang mit den Unternehmen.

    UND: Da diese Position nicht innerhalb der Clean Clothes Campaign abgestimmt ist, habe ich betont, dass ich bei der Christlichen Initiative Romero (CIR) arbeite, nicht bei der CCC, und wir nur eine Trägerorganisation der CCC sind.
    Dies zur Erläuterung.
    MfG
    Maik Pflaum, CIR

  • Hallo Herr Halfmann,

    vielen Dank für diesen Kommentar. Ich teile Ihre Einschätzung und kann diese nur unterstreichen. Die nationalen Regierungen müssen Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und einen regulativen Rahmen schaffen der zumindest den internationalen Standards wie den ILO Kernarbeitsnormen entspricht. Selbstverständlich obliegt allen in diesen Ländern operierenden Unternehmen die Verantwortung, ebenfalls diese Standards durchzusetzen. Dies hat aber keineswegs nur moralische Gründe. Von genügend Nationalstaaten ist beispielsweise die UN Menschenrechtskonvention ratifiziert worden, wird aber national nicht umgesetzt. Unternehmen, die in diesen Ländern unter nicht der UNMenschenrechtskonvention entsprechenden Bedingungen produzieren bzw. produzieren lassen, bewegen sich aus meiner Sicht im Raum der Illegalität.

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