Nachrichten

USA streichen Handelsvorteile für Bangladesch

Washington (afp) – Die USA strafen Bangladesch wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken des Landes ab: US-Präsident Barack Obama strich Handelsvorteile für das südasiatische Niedriglohnland, so dass sich viele Waren aus Bangladesch in den Vereinigten Staaten künftig verteuern. Die Regierung in Dhaka reagierte am Freitag entsetzt und beteuerte, sie habe „konkrete und sichtbare Schritte“ unternommen, die Lage der Arbeiter zu verbessern.

Es sei „angemessen“, Bangladesch aus dem Präferenzsystem der USA für Entwicklungsländer herauszunehmen, weil die Regierung des Landes „nichts unternommen hat und nichts unternimmt, um internationale Arbeiterrechte in ihrem Land umzusetzen“, erklärte Obama am Donnerstag. Sein Außenhandelsbeauftragter Michael Froman verwies auf den folgenschweren Einsturz des Rana-Plaza-Textilgebäudes im April, bei dem mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen waren. Der Besitzer war Mitglied der Regierungspartei. Arbeiter hatten berichtet, sie seien trotz Rissen im Gebäude gezwungen worden, weiterzuarbeiten.

Das Unglück vom 24. April hatte ein Schlaglicht auf die gefährlichen Arbeitsbedingungen in der für das Land wichtigen Textilindustrie geworfen. Eine Reihe internationaler Unternehmen unterzeichnete daraufhin ein Abkommen zur Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen in den Zulieferfabriken.

Der US-Außenhandelsbeauftragte Froman erklärte, Washington habe in den vergangenen Jahren „eng“ mit der Regierung von Bangladesch zusammengearbeitet, um sie zu Reformen bei der Arbeitssicherheit und bei den Arbeitnehmerrechten zu „ermutigen“. Doch seien hier „keine ausreichenden Fortschritte“ zu erkennen gewesen. Auch die EU-Kommission steht nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums in Gesprächen mit Bangladesch, um die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu verbessern. Wie die USA gewährt auch die EU dem Land Handelsvorteile.

Die Streichung von Handelserleichterungen bedeutet, dass viele Unternehmen in Bangladesch beim Import ihrer Waren in die Vereinigten Staaten Zölle zahlen müssen – das macht die Produkte in den USA teurer. Die Textilindustrie ist aber nicht betroffen.

Das Außenministerium in Bangladesch erklärte, die US-Entscheidung sei „schockierend“ für die Fabrikarbeiter. Sie komme zu einem Zeitpunkt, da die Regierung „konkrete und sichtbare Maßnahmen für die Verbesserung der Sicherheit und des Schutzes der Arbeiterrechte unternommen hat“. Kalpona Akter, Leiterin des Zentrums für Arbeitersolidarität in Dhaka, sagte AFP, diese Maßnahmen seien aber „größtenteils kosmetisch“. Gewerkschaftsarbeit etwa werde immer noch behindert.

Die Kampagne für saubere Kleidung, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken in Entwicklungsländern einsetzt, kritisierte die USA. Die Bestrafung sei „verlogen“, sagte Maik Pflaum von der Clean Clothes Campaign (CCC) der Nachrichtenagentur AFP. Die wichtigsten Akteure, um Arbeiterrechte vor Ort durchzusetzen, seien nicht Staaten, sondern die Auftraggeber wie Adidas oder H&M. „Sie bestellen und bezahlen, und sie können gute Arbeitsbedingungen durchsetzen.“

Große US-Firmen wie Gap und Wal-Mart haben das Abkommen für höhere Sicherheit in den Fabriken bisher nicht unterzeichnet. Die US-Regierung hätte zunächst die US-Unternehmen dazu bringen müssen, so in Bangladesch einzukaufen, dass gute Arbeitsbedingungen in den Zulieferfabriken möglich seien, sagte Pflaum. Handelserleichterungen zu streichen, sei erst der nächste Schritt.

Bangladesch ist nach China zweitgrößter Produzent von Textilien. 80 Prozent der Exporte des Landes im Wert von umgerechnet rund 19 Milliarden Euro im Jahr sind Kleidung und Schuhe. Die Arbeiter bekommen zum Teil nur 29 Euro im Monat.

Hinterlassen Sie einen Kommentar