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Bruch zwischen Desertec und Industriekonsortium Dii

Heidelberg (afp) – Der Streit rund um das Wüstenstromprojekt Desertec eskaliert. Die Desertec-Stiftung in Heidelberg, die das Projekt ideell vorantreibt, erklärte am Montag, sie steige aus dem Industriekonsortium Dii aus, das die technische Umsetzung realisieren soll. Grund seien „unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten bezüglich der zukünftigen Strategie“.

Idee des Wüstenstromprojekts ist, dass bis zum Jahr 2050 in Nordafrika und im Nahen Osten große Solar-Kraftwerke und Windparks gebaut werden, um einen großen Teil des örtlichen und 15 Prozent des europäischen Stromverbrauchs zu decken. Das Konzept wurde unter anderem durch Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt mitentwickelt.

Die Desertec-Stiftung – hervorgegangen aus einem Netzwerk von Wissenschaftlern, Politikern und Wirtschaftsexperten – hatte 2009 die Dii (Desertec Industrial Initiative) mitgegründet. Hinter der Dii stehen Großunternehmen wie die Energiekonzerne Eon und RWE, die Deutsche Bank, der Rückversicherer Münchener Rück und der Schweizer Technologieriese ABB.

Die Desertec-Stiftung richtete nun schwere Vorwürfe an die Führung der Dii. Mit ihrem Ausstieg wolle die Stiftung vermeiden, „unverschuldet in den Sog negativer Berichterstattung über die Führungskrise und Orientierungslosigkeit des Industriekonsortiums gezogen zu werden.

Die Dii-Geschäftsführer Paul van Son und Aglaia Wieland streiten über die künftige Strategie: Van Son will Pläne für einen raschen Export von Wüstenstrom nach Europa vorerst zu den Akten legen. Wieland hingegen verfolgt dieses Ziel weiter.

Desertec-Geschäftsführer Thiemo Gropp erklärte, er habe Verständnis für die „Herausforderungen“, mit denen die Dii zu kämpfen habe. „Es war uns immer klar, dass die Umsetzung der Idee, in den Wüsten dieser Erde Strom zu produzieren, kein leichtes Unterfangen wird.“

Nach „diskussionsreichen Monaten“ müsse die Stiftung aber „leider feststellen“, dass sie ihre Unabhängigkeit nicht gefährden dürfe, erklärte Gropp. „Deshalb werden Dii und die Stiftung fortan getrennte Wege gehen.“ Dies schließe eine künftige Zusammenarbeit aber nicht aus.

Gropp bestätigte, dass die Stiftung dem Dii-Konsortium künftig untersagt, den Begriff Desertec in seinen Konzepten und Veröffentlichungen weiter zu erwähnen. Damit verliert die Dii einen in der Öffentlichkeit bekannten zugkräftigen Namen; die bisherigen Planungen und Berechnungen des Konsortiums zur Umsetzung von Wüstenstrom-Projekten verlieren dadurch allerdings nicht an Wert. Einen Rückschlag hatte die Dii hinnehmen müssen, als die Konzerne Siemens und Bosch der Initiative den Rücken gekehrt hatten.