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Deutsche Medien zeichnen den Schwarzen Kontinent Afrika

Deutschsprachige Medien zeichnen in ihrer Afrikaberichterstattung ein einseitig negatives Bild des Kontinents. Das kritisierten Redner und Teilnehmer einer Tagung der Stiftung Partnerschaft mit Afrika am Dienstag in Köln. Insbesondere Sendungen wie „Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika“ von RTL oder „Reality Queens am Kilimandscharo“ von Pro7 böten ein verzerrtes Bild Afrikas.

Köln (csr-news) – Deutschsprachige Medien zeichnen in ihrer Afrikaberichterstattung ein einseitig negatives Bild des Kontinents. Das kritisierten Redner und Teilnehmer einer Tagung der Stiftung Partnerschaft mit Afrika am Dienstag in Köln. Insbesondere Sendungen wie „Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika“ von RTL oder „Reality Queens am Kilimandscharo“ von Pro7 böten ein verzerrtes Bild Afrikas.

Die Berichterstattung in Deutschland werde von Medien dominiert, die Afrika nicht auf der Agenda haben, kritisierte die Vorsitzende der Stiftung Partnerschaft mit Afrika, Katja Böhler. Die meisten Artikel seien zudem negativ und viele mit Archivbildern statt mit aktuellen Fotos illustriert. Zudem seinen nur sehr wenige deutsche Korrespondenten auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs. Angesichts „exotisierender“ Sendungen wie „Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika“ gelte es, Sensibilität für die Lebenswirklichkeit in Afrika zu schaffen, damit solche Formate in Zukunft nicht mehr erscheinen, so Böhler.

Der nigerianische Journalist und Medienberater Japheth Omojuwa plädierte dafür, afrikanische Journalisten in deutschen Medien zu Wort kommen zu lassen. „Am besten kann ein in Afrika lebender Afrikaner die Geschichte von Afrika erklären“, sagte Omojuwa. Das unterstützte der auf die Afrikaberichterstattung spezialisierte österreichische Journalist Martin Sturmer. Afrikanische Kollegen seien gut vernetzt, kritisch gegenüber der Staatsmacht eingestellt, hinterfragten auch Hilfsorganisationen und seinen durch die digitalen Kanäle in Minuten erreichbar, so Sturmer. Redakteure deutschsprachiger Medien schätzten Meldungen aus Afrika jedoch häufig falsch ein und ließen bevorzugt Flüchtlingsthemen zu Wort kommen. Über Erfolgsgeschichten afrikanischer Unternehmer werde selten berichtet, so Sturmer.

Die zweitägige Veranstaltung in Köln stand unter dem Thema „Neue Standards setzen. Perspektiven wechseln. Medienpartnerschaften aufbauen.“ Sie wurde von dem aus der Bundeszentrale für politische Bildung hervorgegangenen Verein Stiftung Partnerschaft mit Afrika und der Afrikainitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) veranstaltet und von etwa 60 Teilnehmern aus deutschsprachigen und afrikanischen Medien besucht. Wie BMZ-Referatsleiter Holger Ehmke sagte, will die Afrikainitiative auf ein differenzierteres Afrikabild in Deutschland hinarbeiten und ein neues Engagement im Kontext Afrika in Deutschland anstoßen. Ehmke kritisierte einseitige Afrikadarstellungen in Kinder- und Schulbüchern: „Da werden Folien gebildet, die nachher wieder abgearbeitet werden müssen.“

Foto: Ein Zeitungsstand in Nairobi