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Club of Rome: Lobbyinteressen schaden Desertec

Hamburg (afp) – Lobbyinteressen der Energiekonzerne sind nach Einschätzung des Club of Rome Hintergrund des Streits um das Wüstenstromprojekt Desertec. Das Energiekonsortium Dii, das die technische Umsetzung des Projekts realisieren soll, sehe sich verschiedenen Interessen ihrer Gesellschafter ausgesetzt, welche „das Projekt zu ihren Vorteilen verändern“ wollten, erklärte der Club of Rome am Mittwochabend in Hamburg.

Am Montag hatte die Desertec-Stiftung wegen „unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten bezüglich der zukünftigen Strategie“ ihren Ausstieg aus dem Dii-Konsortium erklärt. Einen Richtungsstreit gibt es zwischen den beiden Geschäftsführern des Dii-Konsortiums: Paul van Son will Pläne für einen raschen Export von Wüstenstrom nach Europa vorerst zu den Akten legen, während seine Kollegin Aglaia Wieland dieses Ziel weiter verfolgen will.

„Im Richtungsstreit innerhalb der Dii haben sich offensichtlich kurzfristige Lobbyinteressen der Energiekonzerne durchgesetzt“, erklärte der Club of Rome. „Kräfte gewannen die Oberhand, denen es auch gelungen ist, dass die Energiewende in Deutschland von den Bürgern vor allem mit steigenden Strompreisen verbunden wird.“

Deutschland drohe „aus kurzfristigen Lobbyinteressen heraus einmal mehr eine Zukunftsentwicklung zu verschlafen“, sagte der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, Frithjof Finkbeiner. Deutschland zahle jährlich viele Milliarden Euro für Ölimporte. „Glücklicherweise wollen manche dieser ölexportierenden Länder dieses Geld wiederum in nationale Desertec-Projekte investieren. „Solarenergie gehört die Zukunft“, die Produktionskosten sänken kontinuierlich, sagte die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, die auch Mitglied des Club of Rome ist.

Der Club of Rome ist Mitbegründer der Desertec-Stiftung, die das Wüstenstromprojekt ideell vorantreibt. Die Vereinigung aus namhaften Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur engagiert sich seit Jahrzehnten für eine nachhaltige Entwicklung.