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UN Global Compact: Über 4.000 Unternehmen ausgeschlossen

Seit seiner Gründung im Jahr 2000 hat der UN Global Compact 4.167 Unternehmen ausgeschlossen. Angesichts von derzeit 7.572 Mitgliedsunternehmen ist das eine stattliche Zahl. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es 99 Ausschlüsse. Die Mitglieder Verantwortungsnetzwerks verpflichten sich auf die Einhaltung von zehn Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Wer der Öffentlichkeit über die Umsetzung dieser Prinzipien nicht berichtet, scheidet aus und wird im Internet als ausgeschlossenes Unternehmen verzeichnet.

New York/Berlin (csr-news) – Seit seiner Gründung im Jahr 2000 hat der UN Global Compact 4.167 Unternehmen ausgeschlossen. Angesichts von derzeit 7.572 Mitgliedsunternehmen ist das eine stattliche Zahl. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es 99 Ausschlüsse. Die Mitglieder des vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan initiierten Verantwortungsnetzwerks verpflichten sich auf die Einhaltung von zehn Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Wer der Öffentlichkeit über die Umsetzung dieser Prinzipien nicht berichtet, scheidet aus und wird im Internet als ausgeschlossenes Unternehmen verzeichnet.

Von einem Ausschluss betroffen sind auch deutsche Unternehmen, 53 stehen auf der entsprechenden Liste. Angesichts von 243 deutschen Unternehmen im UN Global Compact wurden hierzulande damit vergleichsweise wenige ausgeschlossen. Und einzelne Unternehmen stehen irrtümlich dort, weil sie nach einer Umstrukturierung in neuer Rechtsform ihrer Berichtspflicht weiter nachkommen.

Auf seiner Website veröffentlicht der UN Global Compact auch, welche Unternehmen aktuell ihrer Berichtspflicht nicht nachkommen – ohne bereits ausgeschlossen zu sein. Es sind 1.748 Unternehmen oder gut 15% aller Unternehmensmitglieder. Hier steht Deutschland mit 14% nicht-berichtender Unternehmen (absolut 34) kaum besser dar. Wer den Status „non-communicating“ erhalten hat, kann den Fortschrittsbericht innerhalb eines Jahres nachholen, um einen Ausschluss zu vermeiden.

Zeitnot, Frust, fehlende Berichtsstandards

CSR NEWS fragte betroffene deutsche Unternehmen nach den Gründen für die Nichtberichterstattung. Häufigstes Argument bei kleinen Mitgliedsunternehmen: Zeitnot. Manchmal ist es der Geschäftsführer selbst, der durch beruflichen oder privaten Stress nicht zur Aufstellung eines Berichtes gekommen ist, und manchmal waren Sachbearbeiter aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage mit anderen Aufgaben überlastet, so die Rückmeldungen. Was der Geschäftsführende Gesellschafter von Primo Espresso, Robert Berner, feststellt, ist kennzeichnend für die Einstellung vieler kleinerer Unternehmen zu den Fortschrittsberichten (COP – Communication on Progress): „Die COP sind sehr aufwendig in der Erstellung, und daher war es primär ein zeitliches Thema, weshalb der COP noch nicht fertig ist.“

Aber es wenden sich auch Unternehmen enttäuscht von Global Compact ab – etwa das ehemalige Mitglied Quick-Line Transport. Er habe festgestellt, dass die Mitgliedschaft „keinerlei verpflichtende Wirkung auf den erlauchten Kreis der Mitmacher hat“, so Hans Jürgen Mosbach für die Kölner Firma. Deren geschäftliche Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitern folgten „nach wie vor ausschließlich dem Gesetz des Profites“.

Unter den ausgeschlossenen sind auch große Unternehmen wie der weltweit tätige Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus. Der Konzern bekenne sich weiterhin zu den im Global Compact verankerten Regeln und Werten. „Allerdings verfügt das Unternehmen derzeit nicht über den Reportingstandard in der Nachhaltigkeitskommunikation, die den Anforderungen des Global Compact oder den Heraeus eigenen Standards für ein öffentliches Reporting genügen“, so ein Sprecher. Einen erneuten Beitritt zu dem Verantwortungsnetzwerk zieht Heraeus in Erwägung – wie auch ein anderes ausgeschlossenes Mitglied, die Münchener Firma ILF Beratende Ingenieure.

Wiederholt wird die Überzeugung geäußert, zur Pflege der UN Global Compact-Mitgliedschaft seien englische Sprachkenntnisse erforderlich, und es fehle halt an entsprechenden Mitarbeitern. Und dann gibt es Unternehmen, die den Kontakt zum Netzwerk völlig verloren haben. So lässt der CEO der Menzolit-Gruppe, Michael Polotzki, wissen: „Die Gründe unseres Beitritts kann ich leider nicht mehr nachvollziehen. Unsere Mitgliedschaft wollen wir aber nicht fortsetzen“.

Nicht nur aufgrund von Kundendruck beitreten

Manches kleinere Unternehmen ist zum UN Global Compact gestoßen, weil ihm der Beitritt von wichtigen Kunden nahegelegt wurde. Der Koordinator des Deutschen Global Compact-Netzwerkes, Jürgen Janssen, will Unternehmen dagegen darauf aufmerksam machen, welchen Mehrwert ihnen selbst die Mitgliedschaft bringt: nämlich eine Anleitung zu einer strukturierten Berichterstattung über ihre Nachhaltigkeitsleistung. Dazu will das deutsche Netzwerk den Mitgliedern helfen: mit Arbeitskreistreffen, Webinaren und einem Online-Tool – und das alles in deutscher Sprache.

Der Aufwand für die Erstellung eines Fortschrittsberichtes variiere stark je nach Größe und internationaler Vernetzung des Unternehmens, so Janssen. Bei manchen Firmen erlebt er allerdings „Respekt und eine Abneigung, Dinge aus dem eigenen Unternehmen öffentlich zu machen.“ Auf nicht-berichtende Unternehmen geht die deutsche Geschäftsstelle zu, um sie auf Hilfen für eine Berichterstattung aufmerksam zu machen. Gelegentlich wird dabei auf die Möglichkeit eines Austritts aus dem Global Compact hingewiesen. Diese Option nutzen nur wenige Unternehmen, die dann aber von dem Vorteil profitieren, auf keiner Liste zu erscheinen.

Dem Global Compact fehlt Öffentlichkeit

Aber vielleicht ist es gar nicht so schlimm, auf der Liste der ausgeschlossenen Mitglieder geführt zu werden. Denn diese liegt an einer Stelle des UN Global Compact-Website, wo sie niemand vermuten würde, und die Suchabfrage der Website führt nicht zu den dort vermerkten Unternehmen. Selbst betroffene Firmen wussten von der Existenz dieser Liste nichts. Und auch sonst scheint der Ansatz des globalen Verantwortungsnetzwerkes, den Verpflichtungserklärungen seiner Mitglieder Öffentlichkeit und damit Verbindlichkeit zu verschaffen, nicht besonders gut zu funktionieren. Die Möglichkeit, sich auf der Global Compact-Website über die Berichterstattung eines Mitglieds zu informieren, wird eher selten genutzt.

Vorteile der Gemeinnützigen in der Diskussion

Übrigens: Zum UN Global Compact bekennen sich auch 3.943 nicht-erwerbswirtschaftliche Organisationen. Diese müssen bisher keinen Bericht über die Umsetzung der zehn Prinzipien erstellen und können folglich auch nicht wegen fehlender Berichterstattung ausgeschlossen werden. Ob das so bleibt, wird derzeit Global Compact-intern diskutiert.

>> Die Liste deutscher Unternehmen mit fehlendem Fortschrittsbericht

>> Die Liste der aus dem UN Global Compact ausgeschlossenen Unternehmen

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