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Branchenspezifische CR-Initiativen: Erfolgsfaktoren der Kooperation von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

Komplexe Herausforderungen bedürfen pragmatischer und innovativer Lösungsansätze. Branchenspezifische Initiativen sind ein Beispiel für solche Ansätze, weil sie die Ressourcen und Kompetenzen von Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sinnvoll bündeln. Doch was zeichnet solche Initiativen aus und trägt zu Ihrem Erfolg bei? Eine europaweite Studie gibt erstmals Antwort auf diese Fragen.

Gütersloh/St.Gallen (csr-service) – Komplexe Herausforderungen bedürfen pragmatischer und innovativer Lösungsansätze. Branchenspezifische Initiativen sind ein Beispiel für solche Ansätze, weil sie die Ressourcen und Kompetenzen von Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sinnvoll bündeln. Doch was zeichnet solche Initiativen aus und trägt zu Ihrem Erfolg bei? Eine europaweite Studie gibt erstmals Antwort auf diese Fragen.

Von Thomas Hajduk und Samuil Simeonov

Komplexe Herausforderungen wie Globalisierung, technologischer Fortschritt, demographischer Wandel, Klimawandel und Ressourcenknappheit beeinflussen die gesellschaftliche Entwicklung. Um diese nachhaltig zu gestalten, braucht es pragmatische und innovative Lösungsansätze als Ergänzung zu herkömmlichen Steuerungsformen.

Für die Umsetzung solcher Ansätze ist die Kooperation zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft besonders wichtig. Dabei stellen insbesondere branchenspezifische Initiativen mit Beteiligung öffentlicher Akteure geeignete Mittel zur Lösung von Nachhaltigkeitsherausforderungen dar.

Bei branchenspezifischen Initiativen handelt es sich um verschiedene Arten von Multistakeholder-Initiativen oder branchenweiten Aktivitäten. Dabei bündeln öffentliche und private Akteure ihre Kompetenzen und Ressourcen, um gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen – Herausforderungen, die einerseits das geschäftliche Umfeld der Unternehmen einer bestimmten Branche betreffen (z. B. Lieferkettenmanagementoder steigende Energiekosten), die andrerseits mit gesellschaftlichen Problemen zusammenhängen (z.B. Menschenrechte oder Treibhausgasemissionen).

Zentrale Erkenntnisse

Basierend auf einer umfassenden Studie in acht europäischen Ländern und fünf Branchen, wurden vier Typen branchenspezifischen Initiativen gemäß ihren jeweiligen Zielen und Zwecke identifiziert: bewusstseinsbildende Initiativen („awareness-raising“), Partnerschaften („partnering“), Soft-Law-Initiativen („soft law“) und Initiativen, die einen verbindlichen Rahmen setzen („mandating“). Aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit weisen diese vier Typen unterschiedliche Stärken und Schwächen auf.

Allgemein lässt sich der Erfolg einer Initiative anhand von fünf Faktoren bestimmen: Gute Initiativen (1) schaffen eine gemeinsame Basis für öffentliche und private Akteuren im Sinne eines gemeinsamen Problemverständnisses und gemeinsamer Zielen, (2) erzielen eine hohe Beteiligung öffentlicher wie privater Akteure erzielen, (3) beweisen ihre Verlässlichkeit mittels realisierbarer und messbarer Ziele, (4) fördern die Transparenz, indem sie Informationen zur Verfügung stellen und Evaluierungen zulassen, und (5) sind im Hinblick auf die Ressourcen und die Dauer der benötigten Unterstützung nachhaltig angelegt.

Bertelsmann Stiftung

Drei gute Beispiele

Forum Waschen (Bewusstseinsbildung, Deutschland, Chemiebranche)
Das Forum wurde vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) als offene Dialogplattform für alle interessierten Stakeholder der Branche gegründet. Gemeinsam erarbeiten sie praktische und neutrale Verbraucherinformationen zu nachhaltigem Wäschewachen, Abwaschen und Reinigen, mit denen Geld gespart und die Umwelt geschont werden kann. Ferner organisiert das Forum Informationsveranstaltungen, insbesondere den Aktionstag für Nachhaltiges (Ab-)Waschen. Öffentliche Akteure wie Behörden und Ministerien nehmen ebenfalls am Forum teil und tragen zu dessen Neutralität bei, die oberste Priorität unter allen beteiligten Stakeholdern hat.

Actionsanté – besser essen, mehr bewegen (Partnerschaft, Schweiz, Einzelhandelsbranche)
Die Initiative des Bundesamtes für Gesundheut fördert die öffentliche Gesundheit und eine gesunde Ernährung, indem sie mit Unternehmen kooperiert, um Bürgern gesündere Alternativen im Alltag anzubieten – von der Zusammensetzung einzelner Lebensmittel über deren Vermarktung und Werbung bis zu adäquaten Verbraucherinformationen. Unternehmen, die der Initiative beitreten, unterzeichnen eine „Charta zur Förderung der individuellen Gesundheit“, verpflichten sich freiwillig zum Handeln in einer der genannten Bereiche und können ihr Engagement durch das Actionsanté-Logo demonstrieren.

Effinergie (Soft Law, Frankreich, Baubranche)
Effinergie ist ein Zertifikat für Gebäude mit einem geringen Energieverbrauch und wurde 2006 von einem gleichnamigen Verband initiiert. Die erste Version des Zertifikats für Neubauten wurde 2007 eingeführt und 2012 durch eine anspruchsvollere Fassung ersetzt. 2009 wurde das Zertifikat auch für Gebäuderenovierungen eingeführt. Um die Verbreitung des Standards weiter zu fördern, haben Effinergie und das Französische Umweltamt ADEME das „Observatoire BBC“ gegründet, welches Informationen zu nachhaltigen Gebäuden anbietet. Vergleichbare Initiativen gibt es auch in Deutschland (Passivhaus) und der Schweiz (Minergie).

Diese drei guten Beispiele gehören zu insgesamt 65 branchenspezifischen CR-Initiativen, die in der neuen Studie der Bertelsmann Stiftung und der Universität St.Gallen untersucht wurden. Die vollständigen Ergebnisse und ausführliche Länderprofile sind in dem Buch „Corporate Responsibility in Europe“ dokumentiert, das bei dem Verlag und im Buchhandel erhältlich ist. Auf Basis dieser Publikation wurde die Studie „Fostering Corporate Responsibility through Self- and Co-regulation“ verfasst, die separat veröffentlicht wurde und als Broschüre sowie als PDF-Version verfügbar ist. Einen längeren Beitrag zu den Ergebnissen der Studie finden Sie zusätzlich in der aktuellen Ausgabe des CSR MAGAZIN.

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