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Forum Nachhaltiger Kakao: Das geschieht 2013 und 2014

Europäische Süßwarenhersteller streben einen wachsenden Anteil nachhaltig hergestellten Kakaos in ihren Produkten an: 50% sollen es bis zum Jahr 2020 sein. Das Forum Nachhaltiger Kakao arbeitet daran, dass dann auch eine ausreichende Menge nachhaltig produzierter Rohmaterialien zur Verfügung steht. Wie dieses Multi-Stakeholder-Forum mit seinen 75 Mitgliedern den Kakao-Anbau verbessern will, darüber sprach CSR NEWS mit Beteiligten.

Eschborn (csr-news) – Europäische Süßwarenhersteller streben einen wachsenden Anteil nachhaltig hergestellten Kakaos in ihren Produkten an: 50% sollen es bis zum Jahr 2020 sein. Das Forum Nachhaltiger Kakao arbeitet daran, dass dann auch eine ausreichende Menge nachhaltig produzierter Rohmaterialien zur Verfügung steht. Wie dieses Multi-Stakeholder-Forum mit seinen 75 Mitgliedern den Kakao-Anbau verbessern will, darüber sprach CSR NEWS mit Beteiligten.

Es sind rund 5,5 Millionen Kleinbauern, die – vorwiegend in Westafrika – 90% der weltweiten Kakaoernte erzeugen. Nun wenige von ihnen – rund 10% – sind genossenschaftlich organisiert. Veränderungen am Weltmarkt betreffen diese Menschen unmittelbar, denn ihr Einkommen hängt fast ausschließlich am Kakao. Als in den 90er Jahren dessen Preis massiv einbrach, nahm die Kinderarbeit in Ländern wie der Elfenbeinküste und Ghana deutlich zu. Vielen Bauern fehlen zudem landwirtschaftliche Kenntnisse, sie könnten ihre Erträge damit deutlich steigern.

Training für Kleinbauern

Darauf zielt eine erste Initiative des Forums, bei dem Industrie, Handel, Politik und Zivilgesellschaft gleichberechtigt an einem Tisch sitzen, das Certification Capacity Enhancement (CCE). Es entwickelt mit den standardsetzenden Organisationen Rainforest Alliance, UTZ Certified und Fairtrade sowie mit Unternehmen und NGOS gemeinsam Trainings für die Kakaobauern, damit diese den Nachhaltigkeitsstandards entsprechen und ihre Produktion steigern können.

Die Verfügbarkeit von nachhaltig produziertem Kakaos zu erhöhen, könnte sich als große Herausforderung erweisen: Zwar seien bereits über 10% der Erntemenge zertifiziert, aber das seien die „low hanging fruits“, sagt der Kakaoexperte Friedel Hütz-Adams vom Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene. Die wenigen Großerzeuger zu zertifizieren erwies sich als nicht zu schwierig. Nun aber geht es darum, die Millionen Kleinbauern für eine nachhaltige Produktion zu gewinnen. Dazu soll das in den zurückliegenden drei Jahren von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelte Programm CCE beitragen. Dessen Trägerschaft war ab 2013 ungesichert, nun führt und entwickelt es das Forum Nachhaltiger Kakao weiter.

Projekte und Vereinsgründung

Zudem wollen die Mitglieder des Forums ein „Leuchtturmprojekt“ an der Elfenbeinküste starten; derzeit wird dazu über Kriterien und Kooperationspartner beraten. Dort soll vor Ort auch ein Mitarbeiter des Forums beschäftigt werden, der dessen Aktivitäten koordiniert. Auch die Regierung der Elfenbeinküste arbeitet an der Gründung eines Multi-Stakeholder-Forums, die Aktivitäten sollen miteinander koordiniert werden.

Im kommenden Jahr soll das Forum Nachhaltiger Kakao in einen eingetragenen Verein umgewandelt werden und so Kontinuität und verbindliche Strukturen erhalten. Die Juristen der Forumsmitglieder arbeiten derzeit an einem Satzungsentwurf.

Die Industrie braucht Partner

„Für uns ist es ein ganz wichtiger Baustein, alle Stakeholder in der Kakao-Lieferkette an einen Tisch und in Verantwortung zu bekommen“, sagt Torben Erbrath, Geschäftsführer der Fachsparte Schokoladewaren im Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Der Verband will seine Mitglieder für die Verwendung nachhaltig erzeugten Kakaos gewinnen: Der soll in allen in Deutschland verkauften Süßwaren bis zum Jahre 2020 einen Anteil von 50 Prozent erreichen; bis 2025 sollen es bereits 70 Prozent sein. Derzeit liegt er allerdings noch bei 7%, so eine aktuelle Umfrage des Verbandes unter seinen Mitgliedern. Die nachhaltige Umgestaltung der Kakaoproduktion ist für Erbrath ein „Prozess, der über eine Generation mindestens geht“.

Für den Schokoladenhersteller Mars leistet das Forum einen Beitrag dazu, die Grundlage seines Geschäftes zu erhalten: nämlich die Verfügbarkeit von Kakao in guter Qualität und ausreichender Menge. „Ich glaube nicht, dass ein Unternehmen oder eine Organisation alleine das Problem nachhaltiger Kakao lösen kann“, sagt Jutta Reitmeier, Sprecherin von Mars Deutschland. Der Schokoladenkonzern hat sich dazu verpflichtet, ab dem Jahr 2020 nur noch Kakao aus nachhaltiger Produktion zu beziehen. In die Arbeit des Forums bringt sich Mars aktiv ein und steuert beispielsweise Kommunikationswissen bei.

Der Handel braucht nachhaltige Produkte

Die Rewe Group gehört zu den Initiatoren und Treibern des Forums Nachhaltiger Kakao. Sie will einen wachsenden Anteil ihrer Eigenmarken mit dem Nachhaltigkeitslabel Pro Planet branden. Der in diesen Prozess eingebundene Beirat verlangte dafür nicht nur eine Nachhaltigkeitszertifizierung dieser Produkte, sondern einen weiteren Zusatznutzen für Gesellschaft und Umwelt in den Erzeugerländern. „Durch das Forum ist dieser Zusatznutzen geschaffen, unsere nachhaltig zertifizierten Kakao-Eigenmarken tragen deshalb auch das Pro Planet-Label“, so der Landwirtschaftsexperte Ludger Breloh von der Rewe Group.

Koordiniert wird die Arbeit des Forums Nachhaltiger Kakao von der GIZ. Die Geschäftsstelle dort ist mit zwei Personen besetzt und ein weiterer Berater stellt einen Teil seiner Zeit der Arbeit zur Verfügung. Die GIZ-Expertise soll auch zu mehr Transparenz bei den Projekten und zu deren Ergebnissen beitragen. „Jeder macht da was“, sagt GIZ-Berater Daniel May. Aber es gebe Qualitätsunterschiede: „Manchmal lernt man aus Misserfolgen mehr als aus Erfolgen.“ Dass es an Evaluierungen und deren Veröffentlichung fehlt, beklagten auch andere Mitglieder des Forums.

Spätestens im September will das Forum Nachhaltiger Kakao seine Aktivitäten auf einer eigenen Website präsentieren: www.kakaoforum.de