Nachrichten

Kontroverse: Fehlt ein weltweites Siegel für nachhaltige Textilien?

H&M-Geschäftsführer Karl-Johan Persson brachte in einem Spiegel-Interview ein weltweit gültiges Siegel für Bekleidung, ähnlich dem Fair-Trade-Siegel für Kaffee, ins Gespräch. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft hält ein solches Gütesiegel für überflüssig, denn es gebe ja bereits den Global Organic Textile Standard (GOTS). Auch Wissenschaftler lehnen ein weiteres Siegel ab.

Hamburg (csr-news) – H&M-Geschäftsführer Karl-Johan Persson brachte in der vergangenen Woche in einem Spiegel-Interview ein weltweit gültiges Siegel für Bekleidung, ähnlich dem Fair-Trade-Siegel für Kaffee, ins Gespräch. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) hat sich nun dazu zu Wort gemeldet und hält ein solches Gütesiegel für überflüssig, denn es gebe ja bereits den Global Organic Textile Standard (GOTS). Auch Wissenschaftler lehnen ein weiteres Siegel ab.

Persson hatte dem Spiegel gesagt: „Mir schwebt ein weltweit gültiges Siegel für die Branche vor, ähnlich wie das Fair-Trade-Siegel beim Kaffee. Nur wer sich an definierte Standards bei Löhnen, Umwelt und sozialen Aspekten hält, soll es an seine Textilien hängen dürfen. Dann können die Kunden entscheiden, wo und was sie kaufen.“ H&M verfolge das Ziel, komplett faire Mode herzustellen.

Der IVN hält dagegen den Global Organic Textile Standard (GOTS) für ausreichend und verweist auf dessen Wachstum: Im Jahr 2012 wurden weltweit 3.016 Betriebe GOTS-zertifiziert, was einer Steigerung von 11% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Standard steht für eine ökologisch und sozial nachhaltige Herstellung von Textilien und deckt die Produktion, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb ab. Voraussetzung ist, die Textilien bestehen aus mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern. Der IVN gehört der „International Working Group on Global Organic Textile Standard“ an, die GOTS herausgibt.

Auch der Textilexperte Prof. Rudolf Voller von der Hochschule Niederrhein hält einen weiteren Textilstandard nicht für nötig und schlägt die Kombination von GOTS und dem Sozialstandard SA8000 vor. „Verbessert man GOTS mit Blick auf Fair Trade und SA 8000, könnte GOTS 4.0 der weltweite Einheitsstandard für nachhaltige Textilien und Kleidung werden“. Bei der „grünen Mode“ habe sich GOTS bereits als Standard durchgesetzt. Voller weiter: „Wichtiger als ein neuer Standard sind Verbesserungen bei den Audits und unangemeldete Betriebsprüfungen. Dies würde mehr Vertrauen und Transparenz schaffen. Dabei sollte mit lokalen NGOs und Gewerkschaften zusammengearbeitet werden.“

Gegen ein weiteres Siegel spricht sich auch Vollers Kollegin Prof. Monika Eigenstetter aus: „Die Vielfalt der Siegel verwirrt, und die Vertrauenswürdigkeit der Siegel jedes einzelnen Siegels schwindet dadurch. Um Komplexität zu reduzieren, neigt der Kunde dann dazu, entweder keinem oder jedem Siegel zu vertrauen“.

Allerdings: GOTS gilt nur für Naturfasern und deckt Kunststofffasern nicht mit ab.

Brauchen wir einen weltweiten Standard für fair hergestellte Textilien? Diskutieren Sie das Thema mit uns in der >> XING-Gruppe CSR Professional. Den Link zur Diskussion finden Sie auf der Startseite der Gruppe und im Forum CSRNEWSdesk.