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Braune Brühe verschont den Spreewald: Eisen-Belastung im UNESCO-Reservat trotz Flut kaum gestiegen

Zunächst die gute Nachricht: Das jüngste Hochwasser hat dem Spreewald nicht geschadet. Das zeigen aktuelle Messungen der Brandenburger Landesbehörden und von Greenpeace. Die Befürchtung, dass mit der Juni-Flut massenhaft rotbrauner Eisenschlamm in die beliebte Tourismusregion geschwemmt wird, hat sich nicht bestätigt. Dennoch bleibt die braune Brühe ein Problem. Grund ist eisenhaltiges Wasser aus den ehemaligen Braunkohletagebauen, das in die Spree und umliegende Fließgewässer gelangt.

Von Andrea Hentschel

Leipzig (afp) – Zunächst die gute Nachricht: Das jüngste Hochwasser hat dem Spreewald nicht geschadet. Das zeigen aktuelle Messungen der Brandenburger Landesbehörden und von Greenpeace. Die Befürchtung, dass mit der Juni-Flut massenhaft rotbrauner Eisenschlamm in die beliebte Tourismusregion geschwemmt wird, hat sich nicht bestätigt. Dennoch bleibt die braune Brühe ein Problem. Grund ist eisenhaltiges Wasser aus den ehemaligen Braunkohletagebauen, das in die Spree und umliegende Fließgewässer gelangt.

Seit Jahren schon steigt die Eisenbelastung der Spree. 2010 und 2012 legten Experten dazu alarmierende Studien vor. Die sogenannte Verockerung der Flüsse habe sich seit 2009 „zu einem Dauerzustand entwickelt“, heißt es in einer Analyse des Dresdner Instituts für Wasser und Boden (IWB). Allein an der Talsperre Spremberg kommen mit der Spree jeden Tag tausende Kilogramm Eisenfracht an; dabei wirkt die Talsperre wie eine Barriere. Doch auch an anderer Stelle, im Oberspreewald, wird das braune Wasser nach Angaben des Aktionsbündnisses „Klare Spree“ zunehmend zum Problem.

Quelle der Braunfärbung sind die stillgelegten DDR-Braunkohletagebaue in Sachsen und Brandenburg. Um Bergbau zu betreiben, wurde der Grundwasserspiegel großräumig abgesenkt. Durch den Kontakt mit Sauerstoff verwitterte das natürlich vorkommende Eisensulfid zu Sulfat und Eisenhydroxid, im Volksmund auch Eisenocker genannt. Nach der Stilllegung der Tagebaue stieg das Grundwasser wieder, mit ihm gelangt das Eisen in Flüsse und Seen. Befördert wurde dies noch durch zwei regenreiche Jahre.

Während des jüngsten Hochwassers stieg auch die Eisenbelastung im Spreewald kurzzeitig auf bis zu zwei Milligramm pro Liter. Ab 1,7 Milligramm wird das Eisen als braune Brühe sichtbar. „Das Eisenocker ging aber in der allgemeinen Trübung unter“, sagt Matthias Freude, Präsident des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) in Brandenburg. Der Spreewald sei nach wie vor nicht von der Eisenmasse betroffen.

Das bestätigen auch Messungen von Greenpeace in diesen Tagen. Im Zentrum des Spreewaldes gebe es „weder Spuren des jüngsten Hochwassers noch von der Verockerung“, betont Umweltexperte Niklas Schinerl in einem ersten Fazit.

Entwarnung gibt es allerdings nicht. Besonders am südwestlichen Rand des Spreewaldes bleibt die Lage problematisch. Die südlichen Zuflüsse der Spree seien „richtig stark belastet“ und zwar unabhängig vom Hochwasser, betont Freude. Die Wudritz etwa, ein kleines Fließ, ist wegen des eisenhaltigen Schlamms „knallrot“.

Der Bergbausanierer LMBV hat deshalb gemeinsam mit den Behörden in Sachsen und Brandenburg einen Aktionsplan für eine „saubere Spree“ gestartet. Neun Millionen Euro stehen dafür bereit. Seit Anfang April wird beispielsweise aus der Wudritz in großem Stil belasteter Schlamm abgebaggert, damit das Eisen nicht weiter Richtung Spreewald fließt. Auch frühere Wasserreinigungsanlagen werden wieder aktiviert und Seen bekalkt, um Eisen zu binden.

Denn für die Spreewaldregion ist der Tourismus ein großer Wirtschaftsfaktor. Rund 1,6 Millionen Übernachtungen werden pro Jahr im Land der Gurken und Kähne gezählt.

Als UNESCO Biosphärenreservat ist der Spreewald zudem Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Eisenockerfracht jedoch verschlammt den Gewässerboden, der dann für Krebstiere oder Libellen-Larven nicht mehr besiedelbar ist. Damit fehlt auch die Nahrungsgrundlage für viele Fischarten, warnt der Förderverein für Naturschutz im Spreewald (FÖNAS). Auch fischfressende Tiere wie Eisvogel und Fischotter bleiben dann den betroffenen Gewässern fern.

Eines indes ist sicher: Die Eisenbelastung als Spätfolge des Kohlebergbaus, so die Einschätzung von Experten, wird noch Jahrzehnte bestehen bleiben.