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Halbzeit: Was das ESF-Programm „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ erreicht

Das Programm „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ der Bundesregierung hat Halbzeit. Seit Anfang 2012 sollen 73 Projekte CSR in kleinen und mittleren Unternehmen fördern. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels zeigen diese ein besonderes Interesse, sich als verantwortungsvolle Arbeitgeber aufzustellen. Doch ist es nicht immer leicht, „Kümmerer“ und Budgets für das neue Thema zu gewinnen.

Berlin (csr-news) – Das Programm „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ der Bundesregierung hat Halbzeit. Seit Anfang 2012 sollen 73 Projekte CSR in kleinen und mittleren Unternehmen fördern. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels zeigen diese ein besonderes Interesse, sich als verantwortungsvolle Arbeitgeber aufzustellen. Doch ist es nicht immer leicht, „Kümmerer“ und Budgets für das neue Thema zu gewinnen.

Mit 35,7 Millionen Euro fördern die Bundesregierung und der Europäische Sozialfonds eine systematische Auseinandersetzung mit dem Thema CSR im Mittelstand und vernetzen gesellschaftliche Akteure. In den Handlungsfeldern Arbeitsplatz, Umwelt, Markt und Gemeinwesen bieten die Projektträger Informationsveranstaltungen, Schulungen, Coaching und Netzwerktreffen an. „Wir haben mit dem Projekt Neuland betreten“, sagt Jörg Trautner, Referatsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Das Programm soll auf die Bedürfnisse der Unternehmen ausgerichtet weiterentwickelt werden und seine Ergebnisse werden evaluiert. 75 Bewerber hatten den Zuschlag für das Programm erhalten. Trautner: „Es gibt einen ganz minimalen Schwund.“ Zwei Projektträger sind abgesprungen.

Auf dem Thema Arbeitsplatzgestaltung lag bereits bei den Bewerbungen ein Schwerpunkt. Ansonsten verteilen sich die CSR-Themen gleichmäßig über die Projekte und viele Träger bieten einen integrierten CSR-Ansatz an, sagt Carlo Manuel Drauth, CSR-Referent im BMAS. Zu den Trägern gehören jedoch nur fünf Unternehmen, und eine Erwartung des Ministeriums erfüllte sich nicht: Dass nämlich große Unternehmen das ESF-Programm nutzen würden, um das Thema CSR in ihrer Lieferkette voranzubringen.

Nach anderthalb Jahren ist in den meisten Projekten die – nicht überall einfache – Akquisephase abgeschlossen, „sodass es jetzt in die Phase der Umsetzung geht“, sagt Drauth. Unter den Projektträgern finden sich sowohl solche mit viel CSR-Erfahrung als auch solche mit einer guten Vernetzung unter den KMU. Indem ein Träger andere Akteure mit in die Projektverantwortung holt, können Schwächen ausgeglichen und Kompetenzen ergänzt werden. Und in anderthalb Jahren – am Ende der Förderperiode – soll es mit der CSR-Qualifizierung im Mittelstand weitergehen. Die Langfristigkeit bildete ein Kriterium bei der Auswahl der Akteure, über 80 Prozent der Projekte sind so angelegt, dass die Träger ihre Unternehmen auch nach der Förderperiode weiter begleiten. Das soll die Vernetzung der Akteure unterstützen, die von der Bertelsmann Stiftung koordiniert wird.

Regionen für CSR aufschließen

Die Bertelsmann Stiftung ist nicht nur in der Vernetzung aktiv, sondern auch mit einem eigenen Projekt beteiligt. Sie implementiert bundesweit in 15 Regionen die Verantwortungspartnermethode. „Wir schließen diese Regionen auf für die Themen Corporate Citizenship und gesellschaftliche Verantwortung“, sagt Projektkoordinator Gerd Placke. Eine Herausforderung für KMU sieht Placke darin, sich mit dem Thema CSR strategisch zu befassen. In den Veranstaltungen seien mache teilnehmenden Unternehmer zunächst irritiert, sammelten dann neue Kooperationserfahrungen und öffneten sich danach für einen strategischen Blick auf die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung. „Wir müssen weg von individuellen und hin zu kooperativen Engagements.“ Die Netzwerkentwicklung stehe daher auch beim Verantwortungspartner-Projekt im Mittelpunkt.

Individuelle Beratung besonders erfolgreich

Das Netzwerk UPJ unterstützt mit seinem Projekt CSR Regio.Net mittelständische Unternehmen in acht Bundesländern. „Thematisch ist das bei uns sehr gemischt, vermutlich auf Grund der relativ großen Anzahl Unternehmen sowie unterschiedlichen Größen und Branchen“, so Senior Projektmanager Moritz Blanke. Methodisch sei die Einbindung der Unternehmensmitarbeiter besonders wichtig. Blanke weiter: „Den größten Effekt erzielt man durch die individuelle Beratung, die wiederum aber nur funktioniert, wenn man vorher entsprechend qualifiziert und Raum für Vernetzung lässt.“

Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg bringt mit dem Projekt SyPerB Schüler und Unternehmen in Arbeitsprojekten zusammen und fördert so das gegenseitige Kennenlernen. Unternehmen werden dabei für CSR-Themen mit Arbeitsmarktbezug sensibilisiert. „Wir haben einen Fragebogen entwickelt, der Unternehmen Gewissheit verschaffen kann, ob sie auf dem richtigen Wege sind, ein attraktiver Arbeitgeber zu werden“, berichtet die Projektkoordinatorin Petra Fritz.

Die Gilde Detmold bietet mit ihrem Programm „CSR unternehmen!“ einen niedrigschwelligen Einstieg in Verantwortungsthemen und erarbeitet in ihren Seminaren CSR-SWOT-Analysen (Stärken-Schwächen-Analysen) mit den Teilnehmern. Dabei greift die Gilde auf ihr InnoTrain CSR-Lernmaterial zurück, berichtet Projektleiter Wolfgang Keck

Im Saarland ist die Regierung aktiv

Das Projekt „CSR-Kompetenz für saarländische KMU“ treibt die dortige Staatskanzlei voran. Viele Unternehmer identifizierten CSR mit Sponsoring oder Wohltaten für die Mitarbeiter, Umweltthemen seien selten im Blickfeld, so Projektleiterin Anne Stührenberg. Allerdings würden KMU, die bereits ein Qualitäts- oder Umweltmanagementsystem nutzen, die Ganzheitlichkeit und Querschnittfunktion des CSR-Ansatzes schnell erfassen. Als wichtiges CSR-Thema im Saarland identifiziert Stührenberg die Förderung der eigenen Region und der lokalen Wirtschaft. Mehr erfahren wollen die saarländischen KMU zudem über eine glaubwürdige CSR-Kommunikation – nach innen und nach außen. Dieses Interesse findet sich auf in zahlreichen anderen Projekten.

„Weiterer Aufklärungsbedarf“

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg erlebt in ihrer CSR-Initiative Rheinland: Es ist nicht leicht, in kleinen und mittleren Unternehmen „Kümmerer“ und Budgets für Neues zu gewinnen. Das Thema CSR einem Mitarbeiter „draufzusatteln“, sei keine Alternative. IHK-Pressesprecher Michael Pieck weiter: „Hier sehen wir deshalb in den nächsten Jahren noch weiteren Aufklärungsbedarf, um CSR als Teil der Unternehmensstrategie zu verankern.“