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Kleine Arbeitssklaven: Kinder aus Westafrika werden zum Arbeiten nach Gabun verschleppt

Auf dem Mont-Bouet-Markt in Libreville schleppen Dutzende Kinder schwere Zementsäcke. Andere versuchen verzweifelt, Trockenfisch oder Kuchen zu verkaufen. Ihre Eltern sind nirgends zu sehen. Diese Kinder sind Arbeitssklaven, die jährlich zu hunderten aus westafrikanischen Staaten in das ölreiche Gabun verschleppt werden.

Von Celia Lebur

Libreville (afp) – Auf dem Mont-Bouet-Markt in Libreville schleppen Dutzende Kinder schwere Zementsäcke. Andere versuchen verzweifelt, Trockenfisch oder Kuchen zu verkaufen. Ihre Eltern sind nirgends zu sehen. Diese Kinder sind Arbeitssklaven, die jährlich zu hunderten aus westafrikanischen Staaten in das ölreiche Gabun verschleppt werden. Mehr als 700 von ihnen wurden nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks in zehn Jahren aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen in dem 1,6-Millionen-Einwohner-Land gerettet und in die Heimat zurückgebracht.

Die heute 22-jährige Lari war gerade elf, als sie in ihrem Heimatland Togo von einem Fremden mitgenommen wurde. Er bringe sie zu ihrer Mutter, die sie bei der Geburt ausgesetzt hatte, sagte der Mann. Dann ging er mit ihr an Bord eines Schiffes und brachte sie in Gabun zu einer reichen Familie aus Togo, für die sie arbeiten musste. Als Hausmädchen stand sie bei Tagesanbruch auf, bereitete die Mahlzeiten zu, passte auf das Baby auf und kaufte abends Lebensmittel ein.

„Ich verdiente nie auch nur einen Cent“, sagt Lari. Das steckte der „Vormund“ ein, der „am Ende jeden Monats zum Geldholen kam. Es war überall das Gleiche, egal wo ich arbeitete.“

„Wie viele Kinder tatsächlich ausgebeutet werden, weiß niemand, weil sie keine Reisedokumente und keine richtigen Arbeitsverhältnisse haben“, sagt der UNICEF-Vertreter in Gabun, Michel Ikamba. Die Kinderschlepper nutzen ihm zufolge „die Kanäle illegaler Einwanderung“, um die Kinder nach Gabun zu bringen, das in anderen Teilen Afrikas als El Dorado gilt.

Überfüllte Schiffe voller Westafrikaner, die vor der Armut in Benin, Togo, Nigeria oder Mali flüchten, legen nach Einbruch der Dunkelheit an den Stränden nahe der Hauptstadt Libreville an. 2009 fing die gabunische Marine ein solches Schiff ab: Unter den 300 illegalen Einwanderern waren 34 Kinder, die als Arbeitssklaven ins Land gebracht werden sollten.

Die Kinder haben bei ihrer Ankunft in Gabun keine Ahnung von dem, was sie erwartet. Mädchen enden oft als Hausmädchen oder Prostituierte, die Jungen als Hilfsarbeiter, die von morgens bis abends in der brütenden Hitze schuften müssen. Viele Eltern werden mit falschen Versprechen überredet, die Kinder in die Obhut der Schlepper zu geben.

„Sie sagen ihnen, dass ihre Kinder zur Schule gehen werden – und dann geben sie ihnen 20.000 CFA“, umgerechnet 30 Euro, erzählt die Nonne Marguerite Bwandala, die in Libreville zwei Caritas-Zentren leitet. „Die Netzwerke sind gut organisiert. Der Schlepper bringt sie zu ihren Jobs, oft bei Leuten aus der Heimat, wo sie Gummi bearbeiten oder Erdnüsse verkaufen, und er sammelt ihren Lohn ein.“ Oft werden die Jungen und Mädchen Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch.

Für die Teenagerin Sonia, die mit nur sechs Jahren aus Benin nach Gabun kam, war Gewalt an der Tagesordnung. Nach der täglichen Arbeit bekam sie Prügel: „Die alte Frau schlug mich heftig. Sie sagten, ich sei ihre Tochter, doch das stimmte nicht“, erzählt sie.

Nur wenige Kinder wagen die Flucht, schließlich sind die neuen „Familien“ der einzige Fixpunkt, den sie im Ausland haben. Gabun will jetzt zusammen mit UNICEF gegen den Kinderhandel vorgehen. In fünf Städten werden Beamte, Armeeangehörige, Polizisten und Sozialarbeiter im Kampf gegen die Kinder-Sklaverei ausgebildet.