Nachrichten

Wittener ZNU veröffentlicht Nachhaltigkeitsstandard für die Lebensmittelbranche

Wissenschaftler und Unternehmen der Lebensmittelbranche bringt das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) zusammen. „Unser Ziel am ZNU ist es, die Ernährungsbranche anzuschieben zu mehr Nachhaltigkeit“, sagt ZNU-Leiter Axel Kölle. Dazu sollen ein Nachhaltigkeitscheck, die Ausbildung von Nachhaltigkeitsmanagern und ein eigener Standard beitragen.

Witten (csr-news) – Wissenschaftler und Unternehmen der Lebensmittelbranche bringt das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) zusammen. „Unser Ziel am ZNU ist es, die Ernährungsbranche anzuschieben zu mehr Nachhaltigkeit“, sagt ZNU-Leiter Axel Kölle. Dazu sollen ein Nachhaltigkeitscheck, die Ausbildung von Nachhaltigkeitsmanagern und ein eigener Standard beitragen.

Seit 2008 besteht das ZNU als ein anwendungsorientiertes Forschungsinstitut in der Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke. Das 13-köpfige Team leitet Axel Kölle gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Geßner. Um das Institut herum besteht ein Partnernetzwerk aus Unternehmen der Lebensmittelbranche nach dem „Exklusivitätsprinzip“: Aus jeder Teilbranche kann nur ein Unternehmen zum Partnernetzwerk gehören. Um den offenen Austausch zwischen den Produzenten zu erleichtern, sitzt hier der Handel nicht mit am Tisch, ist aber dennoch in einen konstruktiven Dialog mit dem ZNU eingebunden. Zu den bekannten Partnerunternehmen, die mitunter kritisch in den Blick der Öffentlichkeit geraten, zählen Vion und Wiesenhof. Kölle zu den Aufnahmekriterien: „Alle, die sich glaubhaft auf den Weg machen, können zu uns ins Netzwerk kommen.“ Sechs Vertreter von Partnerunternehmen begleiten das Zentrum als Beirat.

Das ZNU will „Nachhaltigkeit greifbar und messbar machen“, so Kölle. Ein erstes wichtiges Instrument dazu ist der ZNU-NachhaltigkeitsCheck, den bereits über 80 Unternehmen durchlaufen haben. Dabei werden 19 Themenkomplexe aus einer internen und externen Perspektive beleuchtet, um Zielkonflikte bewusst zu machen. Der Check beginnt mit einem eintägigen Workshop für Geschäftsführer und Abteilungsleiter, an dessen Ende jeder Teilnehmer einen eigenen Fragenbogen zu den Nachhaltigkeitsthemen des Unternehmens ausfüllt. Der Abgleich der Befragungsergebnisse in der Gesamtgruppe verläuft häufig hochspannend und regt zu einer verstärkten internen Kommunikation an.

Der Nachhaltigkeitscheck ermöglicht darüber hinaus einen Vergleich der verschiedenen Unternehmensstandorte sowie ein Spiegeln der eigenen Nachhaltigkeitsleistungen an Branchenbenchmarks – wenn Kölle auch bei letzterem zur Vorsicht rät: Ein Bierbrauer lasse sich schlecht mit einem Kuchenhersteller vergleichen. Der Wirtschaftswissenschaftler beobachtet, dass die Branche insgesamt deutlich stärker zu ökologischen Verantwortungsthemen kommuniziert als zu sozialen und ökonomischen, wobei sie sich in keinem Themenbereich im Rückstand sieht.

Als zweites Instrument zur Verankerung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen der Nahrungsbranche initiierte das ZNU den Zertifikatslehrgang „Nachhaltigkeitsmanager Food“. Ein dreitägiges Seminar wird dabei um eine Fallstudie und ein persönliches Abschlussgespräch ergänzt, sodass sich die Teilnehmer insgesamt rund 100 Stunden mit Nachhaltigkeitsherausforderungen ihrer Branche beschäftigen. Über 200 Fach- und Führungskräfte aus Industrie und Handel durchliefen den Lehrgang bereits.

Und schließlich haben die Wittener Wirtschaftswissenschaftler in den zurückliegenden drei Jahren den „ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften Food“ entwickelt. Dabei seien auch NGO-Erwartungen eingeflossen, berichtet Kölle, der noch das Gespräch mit NGOs wie Greenpeace, WWF oder Foodwatch suchen will. Der Standard soll insbesondere im B2B-Bereich der Lebensmittelbranche Anwendung finden und keine bestehenden Zertifizierungssysteme wie Utz Certified oder EMAS ersetzen. Kölle: „Der Standard hat den Anspruche, eine Klammer zu anderen bestehenden Systemen auf Unternehmens- und Produktebene zu bilden.“ Zudem soll er einen Beitrag dazu leisten, die Mitarbeiter in das unternehmerische Nachhaltigkeitsengagement einzubinden. „Man muss die Leute begeistern, dann werden Dinge umgesetzt“, so Kölle weiter. Entwickelt wurde der Standard mit den ZNU-Partnerunternehmen und dem TÜV Rheinland als Zertifizierer. Im September soll er veröffentlicht werden und steht dann allen interessierten Unternehmen zur Verfügung. Akkreditierte Zertifizierungsgesellschaften können den Standard ab Januar 2014 nutzen.

Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche ist längst mehr als ein Alleinstellungsmerkmal für besonders verantwortungsvolle Marken. „Das wird zunehmend zum Hygienefaktor“, sagt Kölle, nicht-nachhaltige Anbieter scheiden also aus. Und: „Das Thema Nachhaltigkeit bietet sich ideal für Kooperationsprojekte zur Verbraucheraufklärung an.“ Gemeinsam könnte die Branche einiges mehr für die Kundeninformation am Point of Sales leisten. Zum Beispiel durch eine bessere Ausbildung der Fachverkäufer an den Fleisch, Fisch- und Käsetheken in Sachen Nachhaltigkeit.

Das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) im Internet:
www.mehrwert-nachhaltigkeit.de