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Gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmer finden seltener Zugang zu guter Arbeit

In Deutschland leben 17 Millionen Erwachsene mit gesundheitlichen Störungen oder chronischen Krankheiten, die sie im täglichen Leben einschränken. Das betrifft auch ihr Berufsleben: Menschen mit Beeinträchtigungen sind seltener auf dem ersten Arbeitsmarkt erwerbstätig als Menschen ohne Beeinträchtigung, heißt es im „Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen“. Die Studie belegt, dass es bei der Integration beeinträchtigter Menschen am Arbeitsplatz noch einiges zu tun gibt.

Berlin (csr-news) – In Deutschland leben 17 Millionen Erwachsene mit gesundheitlichen Störungen oder chronischen Krankheiten, die sie im täglichen Leben einschränken. Das betrifft auch ihr Berufsleben: Menschen mit Beeinträchtigungen sind seltener auf dem ersten Arbeitsmarkt erwerbstätig als Menschen ohne Beeinträchtigung, heißt es im „Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen“. Die Studie belegt, dass es bei der Integration beeinträchtigter Menschen am Arbeitsplatz noch einiges zu tun gibt. Gleiches gilt für die Situation der etwa sieben Millionen schwerbehinderten Menschen.

So liegt die Erwerbsquote von Männern und Frauen mit Beeinträchtigungen nur bei 58% – bei Männern ohne Beeinträchtigungen sind es 83%, bei Frauen ohne Beeinträchtigungen 75%. Zudem arbeiten Menschen mit Beeinträchtigungen häufiger zu geringeren Stundenlöhnen und unterhalb ihres Qualifikationsniveaus als Erwerbstätige ohne Beeinträchtigungen. Den betroffenen Männern hilft dabei auch ein Hochschulabschluss nicht: Ihr durchschnittlicher Bruttostundenlohn liegt um 2,40 Euro unter dem von Menschen ohne Beeinträchtigungen.

Menschen mit Beeinträchtigungen sind zudem nahezu doppelt so häufig und zudem besonders lang von Arbeitslosigkeit betroffen. Das wirkt sich auf die finanzielle Situation der Haushalte aus, in denen sie leben: Diese verfügen im Durchschnitt über ein geringeres Haushaltseinkommen, niedrigere Renten sowie geringere Vermögensrücklagen und sind häufiger auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen.

Zusätzliche Faktoren können die Situation der Arbeitsuchenden mit Beeinträchtigungen weiter erschweren: So gehen Frauen und Männer mit Migrationshintergrund und Beeinträchtigungen seltener einer Erwerbsarbeit nach als die Vergleichsgruppen ohne Beeinträchtigungen. Und ältere 50- bis 59-jährige Beeinträchtigte finden sich als Arbeitnehmer überdurchschnittlich oft in Zeitarbeit, befristeten Arbeitsverhältnissen und Minijobs. Der erschwerte Zugang auf den Arbeitsmarkt wirkt sich auf die Einstellung der Betroffenen aus: Sie sind hinsichtlich ihrer Berufschancen häufiger pessimistisch.

„Die Chancenungleichheit bezieht sich nicht nur auf den prinzipiellen Zugang zu Erwerbsarbeit, sondern auch auf die Möglichkeiten der Teilhabe an ‚guter Arbeit'“, heißt es im Kommentar des Wissenschaftlichen Beirats der Studie. „Es ist somit Aufgabe der Gesellschaft und der staatlichen Gemeinschaft, im wirtschaftlichen Wettbewerb Bedingungen zu gestalten, die im Idealfall für alle Beteiligten am Markt gleiche Auswirkungen haben“. Unter anderem fordert der Beirat Lohnkostenzuschüsse, die Sanktionierung der Nichtbeschäftigung beeinträchtigter Menschen sowie deren bevorzugte Beschäftigung im öffentlichen Dienst.

Positive Veränderungen lassen sich in der Langzeitbetrachtung der Situation schwerbehinderter Menschen feststellen: Von 2005 bis 2010 stieg die Zahl der Beschäftigten aus dieser Gruppe von rund 916.000 auf über eine Million.

Der „Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen“ >> als PDF zum Download