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Zwei hartnäckige Frauen erhalten Deutschen Umweltpreis

Osnabrück (afp) – Mit dem Deutschen Umweltpreis werden in diesem Jahr zwei Frauen für ihre Hartnäckigkeit in Sachen Umweltschutz ausgezeichnet. Die Unternehmensgründerin Carmen Hock-Heyl und die als „Stromrebellin“ bekannte Ursula Sladek werden mit dem auf 500.000 Euro dotierten Preis geehrt, wie die Deutsche Bundesstiftung-Umwelt (DBU) am Freitag in Osnabrück mitteilte. Beide hätten „in Zeiten, in denen sie nur belächelt wurden, mit Überzeugungskraft, Kompetenz und Hartnäckigkeit gegen massive Widerstände zukunftsweisende Aufbauarbeit“ geleistet, erklärte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde.

Hock-Heyl sei es gelungen, Dämmmatten für den Hausbau aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf am Markt durchzusetzen, erklärte die Stiftung. Als Produkterfinderin, Unternehmensgründerin und Geschäftsführerin sei es ihr gelungen, Öko-Dämmstoffe „hoffähig“ zu machen. Dabei habe sie gegen Widerstände und Desinteresse ankämpfen müssen und viel Geld investiert.

Mit ihrem Mut sei es aber gelungen, „aus Visionen Realität zu formen“, betonte Brickwedde. Daher sei sie auch ein Vorbild für anderen Unternehmen, weil sie Ökologie und Ökonomie mit Erfolg in Einklang gebracht habe, gesundes Bauen fördere und regionale Wirtschaftskreisläufe wiederbelebt habe.

Die als „Stromrebellin“ bekannte Sladek habe mit ihrem Mut, ihrer Tatkraft und ihrem jahrzehntelangem Engagement gezeigt, „dass die Beteiligung der Bürger ein maßgeblicher Faktor für ein Umsteuern in der Energiepolitik und den Klimaschutz sei“, erklärte die Stiftung. Die Bedeutung von Sladeks energiewirtschaftlichem Engagement für eine nachhaltige Energieversorgung in Deutschland sei herausragend.

Sladek hatte als Reaktion auf die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 in dem Schwarzwald-Ort Schönau eine Bürgerinitiative mit anderen Anti-Atom-Aktivisten gegründet, 1994 den Ökostromanbieter EWS gegründet und 1997 das Stromnetz des Ortes mit 2500 Einwohnern gekauft. Seitdem baute sie es zu einem führenden Ökostrom-Anbieter aus. Sladek habe mit ihren Mitstreitern und EWS viele Hürden gemeistert, die der damalige Stromanbieter für die Netz-Übernahme aufgebaut habe, erklärte die Stiftung. Sie habe sich auch nicht von überhöhten Verkaufspreisen einschüchtern lassen.

Die „Stromrebellin“ sei ein gesellschaftliches Vorbild, weil sie sich zusammen mit ihren Mitbürgern gegen ein großes Energieversorgungsunternehmen durchgesetzt und damit einen ökologischen Wandel bewirkt habe. Die 67-Jährige war 2011 bereits in den USA mit einem der wichtigsten Preise für Umweltschutz, dem Goldman Environmental Prize, ausgezeichnet worden. Der Deutsche Umweltpreis wird am 27. Oktober von Bundespräsident Joachim Guck übergeben.