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Ikea-Ansiedlung in Bremerhaven: Wie lässt sich Landschaft dauerhaft schützen?

Die Handelskette Ikea will in Bremerhaven ein Möbelhaus errichten. Dafür hat die Stadt dem schwedischen Konzern ein Grundstück in einem Landschaftsschutzgebiet angeboten. Um den fortschreitenden Naturverbrauch zu stoppen, fordert die Umweltorganisation NABU die Übertragung neuer und verbleibender Landschaftsschutzflächen an eine Stiftung. Die Bremerhavener Gesellschaft für Stadtentwicklung (BIS) hält das für keine gute Idee.

Bremerhaven (csr-news) – Die Handelskette Ikea will in Bremerhaven ein Möbelhaus errichten. Dafür hat die Stadt dem schwedischen Konzern ein Grundstück in einem Landschaftsschutzgebiet angeboten. Um den fortschreitenden Naturverbrauch zu stoppen, fordert die Umweltorganisation NABU die Übertragung neuer und verbleibender Landschaftsschutzflächen an eine Stiftung. Die Bremerhavener Gesellschaft für Stadtentwicklung (BIS) hält das für keine gute Idee.

Die Stadt Bremerhaven ist an der Ikea-Ansiedlung interessiert. Dadurch sollen 150 Arbeitsplätze entstehen und der Konzern will 35 Millionen Euro in den Bau investieren. Als Standort ist ein Grundstück direkt neben dem Gewerbegebiet „Bohmsiel“ im Gespräch. Das Problem: Dieses Gelände gehört zum Landschaftsschutzgebiet „Rohrniederung“, das erst vor wenigen Jahren als Ausgleichsfläche für den Bau einer Bundesstraße eingerichtet wurde. Dort haben sich seltene Vogelarten angesiedelt: Mindestens vier Kiebitzpaare und die Rohrweide brüten dort und würden durch den Industriebau verdrängt. Naturschützer befürchten, dass durch die Auflösung der Ausgleichsfläche und den schrittweisen Verbrauch der Naturfläche der Landschaftsschutz ausgehöhlt wird.

„Wir haben das Spielchen in Bremerhaven einfach satt“, sagt der Geschäftsführer des NABU-Landesverbandes Bremen, Sönke Hofmann. Zwar sei für das Baugrundstück von Ikea eine Ausgleichsfläche geplant, aber es sei nicht sicher, dass nicht auch diese irgendwann bebaut werde. Hofmann: „Wir wollen dann, dass es unmöglich gemacht wird, die Fläche anders zu nutzen als für den Naturschutz.“ Deshalb fordert der NABU, Landschaftsschutzflächen in das Eigentum einer unabhängigen Stiftung zu übertragen. Eine grundbuchliche Absicherung solcher Gebiete oder deren entsprechende Ausweisung im Flächenplan sei nicht ausreichend, denn beides könne durch zukünftige politische Entscheidungen rückgängig gemacht werden.

In den Verhandlungen besitzt der NABU eine starke Position, denn die Naturschutzorganisation könnte gegen die Umwandlung der Landschaftsschutzflächen klagen. Dass der NABU-Bundesverband den Handelskonzern Ikea berät, wäre für den Landesverband dabei kein Hindernis. Geld für eine Stiftung stehe zur Verfügung, da sich Ikea über die Schaffung von Ausgleichsflächen hinaus für den Naturschutz engagieren wolle. Allerdings sieht Hofmann ein anderes Problem: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümerin der Landschaftsschutzflächen fordere dafür „Mondpreise“. Ein weiteres Problem: Die andere vor Ort aktive große Naturschutzorganisation, der BUND, teilt die Forderung nach einer solchen Stiftung nicht.

Der Geschäftsführer der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS), Nils Schnorrenberger, hält eine Stiftung als Eigentümerin der Landschaftsschutzflächen nicht für sinnvoll. Eine solche Stiftung müsse insolvenzsicher sein, damit die BImA Landschaftsschutzflächen an sie verkaufen könne. Schnorrenberger: „Wie soll sie das machen, wenn sie kein Geld hat?“ Der BIS-Geschäftsführer verweist auf die geplanten zusätzlichen Landschaftsschutzflächen und Ausgleichsmaßnahmen am Flüsschen Rohr – und darauf, dass der Bund als Flächeneigentümer zur Wahrung des Naturschutzes verpflichtet sei.

Ikea ist in den Dialog zwischen Kommune und Umweltverbänden eingebunden, allerdings seien die Stadt und die Verbände hierbei die Verhandlungsführer. Die Ikea-Sprecherin weiter: „Wir unterstützen die Verhandlungen zwischen der Stadt und den Umweltverbänden bestmöglich und sind bereit, uns über das erforderliche Maß hinaus zu engagieren, was beispielsweise das Thema Ausgleichsflächen anbelangt.“ Dem Vernehmen nach hat Ikea eine Million Euro für den Naturschutz in Bremerhaven angeboten.