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Ex-Daimler-Manager soll Kommission für gute Unternehmensführung leiten

Der ehemalige Finanzvorstand des Autobauers Daimler, Manfred Gentz, soll die Leitung der Regierungskommission für gute Unternehmensführung übernehmen. Der 71-Jährige sei eine „hervorragende Wahl“ für die Kodex-Kommission, erklärte am Donnerstag der Bundesverband der Deutschen Industrie. Er verfüge über eine mehrjährige Erfahrung in der Kommission. Gentz‘ Vorgänger, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, hatte schon vor Monaten seinen Rückzug angekündigt.

Berlin (afp/csr-news) – Der ehemalige Finanzvorstand des Autobauers Daimler, Manfred Gentz, soll die Leitung der Regierungskommission für gute Unternehmensführung übernehmen. Der 71-Jährige sei eine „hervorragende Wahl“ für die Kodex-Kommission, erklärte am Donnerstag der Bundesverband der Deutschen Industrie. Er verfüge über eine mehrjährige Erfahrung in der Kommission. Gentz‘ Vorgänger, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, hatte schon vor Monaten seinen Rückzug angekündigt.

Die „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“, so der offizielle Titel, wurde 2001 von der damaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin eingesetzt. Die Selbstregulierungskommission der Wirtschaft entwickelte den 2002 veröffentlichten Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), der Voraussetzungen einer guten – ethisch verantwortungsvollen – Unternehmensführung beschreibt. Als sogenanntes „Soft Law“ sind die Regelungen des DCGK nicht mit geltendem Recht vergleichbar, jedoch müssen börsennotierte Gesellschaften nach § 161 Aktiengesetz jährlich in einer Entsprechungserklärung angeben, welchen Bestimmungen des Kodex sie entsprechen – und welchen nicht. Aufgabe der Regierungskommission ist es, den DCGK jährlich zu überprüfen und im Grundsatz alle zwei Jahre Anpassungen vorzunehmen.

Gentz war 2004 aus dem Daimler-Vorstand ausgeschieden. Heute ist er Präsident der Internationalen Handelskammer (ICC) in Deutschland. Von 2008 bis Mai 2012 war er Aufsichtsrat-Chef der Deutschen Börse.

Der 71-Jährige bestätigte dem „Manager Magazin“ am Donnerstag, er wolle in der zweiten Hälfte des Septembers seine Zusage geben. Bis dahin müssten aber bestimmte Rahmenbedingungen geklärt sein. Dabei geht es vor allem um die Finanzierung der Kommission. Bislang bezahlte die Arbeit das Unternehmen des Amtsinhabers – bei Müller also die Commerzbank. Laut „Manager Magazin“ handelt es sich um mehr als 500.000 Euro im Jahr.

Künftig soll die Geschäftsstelle der Corporate-Governance-Kommission beim Deutschen Aktieninstitut (DAI) angesiedelt werden; die entsprechenden Beschlüsse seien in Vorbereitung, hatte das DAI am Mittwochabend mitgeteilt. Mitglieder des DAI sind rund 200 Aktiengesellschaften, Banken, Börsen und Investoren – diese breite Mitgliederbasis biete sich als Träger einer auf Selbstregulierung ausgerichteten Institution der Corporate Governance „geradezu an“.

Der künftige Kommissionsleiter Gentz gehört der Kommission seit 2006 an. Im April hatte er gemeinsam mit Müller eine Deckelung der Managergehälter in Deutschland gefordert. In einem Brief an die Aufsichtsrat-Chefs der 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) hieß es, in die Vergütungssysteme der Konzernvorstände müssten „Obergrenzen integriert“ werden. „Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen.“ Zudem wird Genz mit den Forderungen nach mehr Transparenz bei den Vorstandsvergütungen und Managementgehältern großer Aktiengesellschaften konfrontiert werden.