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Woher Lebensmittel kommen: Herkunftskennzeichnungen orientieren Verbraucher oft nur grob

Die Umweltorganisation Greenpeace hat die Kennzeichnungen der Lebensmittel-Industrie zur Herkunft von Fisch als häufig unzureichend kritisiert. Ein Blick auf andere Produktgruppen zeigt, dass Verbraucher auch hier oft weitgehend im Dunklen tappen.

Von Martin Achter

Frankfurt am Main (afp) – Die Umweltorganisation Greenpeace hat die Kennzeichnungen der Lebensmittel-Industrie zur Herkunft von Fisch als häufig unzureichend kritisiert. Ein Blick auf andere Produktgruppen zeigt, dass Verbraucher auch hier oft weitgehend im Dunklen tappen.

OBST UND GEMÜSE: Seit 2008 muss in der EU bei Obst und Gemüse verbindlich angegeben werden, aus welchem Land diese kommen. Diese Herkunftskennzeichnung ist damit vergleichsweise grob. Der Nachweis muss nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit „deutlich sichtbar und leserlich, entweder unverwischbar aufgedruckt oder auf einem Etikett vermerkt“ sein. Bei loser Ware müssen demnach Hinweisschilder angebracht sein. Jedoch gibt es viele Ausnahmen wie für Bananen, Oliven oder Zuckermais. Außerdem gilt die Regelung nur für frische, nicht aber für verarbeitete Produkte wie Fertigsalate oder geschälten Spargel.

TIERPRODUKTE ALLGEMEIN: Ob Fleischerzeugnisse, Fischereiprodukte, Milch oder Milchwaren – oft können Verbraucher die wirkliche Herkunft der Produkte kaum aus Packungsangaben ablesen. In der Regel werden dort nur Verarbeitungsbetriebe oder Vermarkter genannt. Zwar ist für Erzeugnisse tierischen Ursprungs das ovale Identitätskennzeichen auf den Produktpackungen vorgesehen. Dieses verrät jedoch nur, wo ein Produkt zuletzt bearbeitet oder abgepackt wurde; aus den Buchstaben und Ziffern des Kennzeichens lassen sich etwa Betriebsnummer und Bundesland ablesen. Rückschlüsse auf den Erzeugerbetrieb sind damit nicht möglich.

LOSES FLEISCH: Für loses Fleisch an der Supermarkt-Theke besteht derzeit keine Pflicht zur Herkunftskennzeichnung – bis auf eine Ausnahme: Seit der BSE-Krise muss nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums ein entsprechender Nachweis für Rind erfolgen. Angegeben werden müssen laut dem Portal Lebensmittelklarheit.de Geburts- und Mastort, Schlacht- und Zerlegungsbetrieb. Dies gilt auch für Hackfleisch. Wurde das Gehackte allerdings minimal bearbeitet, etwa mit Gewürzen, entfällt diese Vorgabe. Künftig soll in der EU eine solche Kennzeichnung auch für Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege gelten.

EIER: Bei Eiern ist die Transparenz in Sachen Herkunft vergleichsweise hoch. Für Eier, die in EU-Ländern verkauft werden, gilt eine einheitliche Kennzeichnung, mit der die Herkunft bis zum Hühnerkäfig nachvollzogen werden kann: der sogenannte Erzeugercode, der auf rohe Eier als Stempel aufgedruckt ist. Diese Ziffern-Buchstabenfolge verrät Verbrauchern Haltungsform, Herkunftsland, Betriebs- und Stallnummer. Ohne weiteres ist dieser Code aber nicht zu entschlüsseln. Hier hilft der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) auf seiner Internetseite mit einer Datenbank weiter.

FISCH: Bei Fisch – egal ob frisch, tiefgekühlt oder geräuchert – sowie für Weich- und Krebstiere müssen seit Jahren die Fanggebiete angegeben werden. Manche Anbieter begnügen sich mit den relativ weit gefassten 19 Fanggebieten der Welternährungsorganisation (FAO) auf den Weltmeeren. Andere Hersteller und Initiativen gehen weiter, grenzen die Fanggebiete stärker ein und machen zusätzlich Angaben wie beispielsweise zu Verarbeitungsbetrieben. Greenpeace hält für eine vollständige Rückverfolgbarkeit von Fischprodukten folgende Angaben für nötig: Ort und Datum des Fangs und der sogenannten Anlandung sowie sämtliche Verarbeitungsstufen bis hin zum Zentrallager.

VERARBEITETE LEBENSMITTEL: Bei verpackten und verarbeiteten Nahrungsprodukten sind die Informationen in der Regel mager. Die Herkunft der einzelnen Zutaten muss auf den Produktverpackungen nicht angegeben werden. Genannt werden muss nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums lediglich der Hersteller, damit sich Verbraucher bei diesem nach der Herkunft erkundigen können. Angegeben werden kann stattdessen ein Verpackungsbetrieb oder ein in der EU ansässiger Verkäufer; viele Supermarktketten lassen Lebensmittel für ihre eigenen Marken im Auftrag herstellen. Damit wird die Rückverfolgbarkeit noch schwieriger. Für Lebensmittel, in denen Fleisch verarbeitet ist, prüft die EU eine Herkunftskennzeichnung.

Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zur Abfrage des Identitätskennzeichens für Lebensmittel tierischen Ursprungs >> im Internet

Datenbank des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen zur Abfrage des Erzeugercodes auf Eiern >> im Internet

Fisch-Fanggebietskarte des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels >> im Internet