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Nachholbedarf – Geringe Akzeptanz des Öko-Labels für Pkw

2011 wurde das Pkw-Öko-Label nach langer politischer Diskussion eingeführt. Gebracht hat es wenig wie aktuelle Studien belegen. Zwar hat die Bekanntheit im Laufe der Zeit zugenommen, Auswirkungen auf die Kaufentscheidung hat das Label allerdings eher selten. Ein Grund für die geringe Akzeptanz, der Autohandel zieht nicht mit.

Bergisch Gladbach/Stuttgart (csr-news) > 2011 wurde das Pkw-Öko-Label nach langer politischer Diskussion eingeführt. Gebracht hat es wenig wie aktuelle Studien belegen. Zwar hat die Bekanntheit im Laufe der Zeit zugenommen, Auswirkungen auf die Kaufentscheidung hat das Label allerdings eher selten. Ein Grund für die geringe Akzeptanz, der Autohandel zieht nicht mit.

Nur 31 Prozent der Autoverkäufer kommen im Verlauf eines Verkaufsgesprächs aktiv auf das Thema Öko-Label zu sprechen, fast sechzig Prozent erläutern die Effizienz-Kennzeichnung nur auf Nachfrage und einige wenige Autoverkäufern wollen gar nicht darüber aufklären. Ergebnisse einer Umfrage des „Center of Automotive“ der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Befragt wurden 507 Autokäufer und Interessenten sowie 119 Geschäftsführer bzw. Verkaufsleiter von Autohäusern. Dabei zeigte sich auch, dass rund zwei Drittel der Autokäufer das Öko-Label noch nicht im Zusammenhang mit einem Pkw wahrgenommen haben. Zwar ist der Mehrheit der Befragten das Label und seine Funktion, beispielsweise vom Kauf eines Kühlschranks, bekannt, allerdings nur wenigen im Zusammenhang mit Autos. In der aktuellen Aral-Studie zu den Trends beim Autokauf war sogar nur einem Viertel der Befragten das Label bekannt. In beiden Studien wird allerdings auch das Potenzial deutlich, denn eine Mehrheit kann sich vorstellen, die Angaben beim Fahrzeugkauf zu berücksichtigen. Aufgrund des Labels wären sogar 30 Prozent der Befragten zu einer Abänderung ihrer Kaufentscheidung bereit, hat die Studie aus Bergisch Gladbach ergeben. Voraussetzung dafür ist jedoch die aktive Ansprache beim Verkaufsgespräch, und da hapert es. Denn die Verkäufer scheinen sich auch nicht in der Verpflichtung zu sehen, sondern sehen den Fehler beim Gesetzgeber. So zeigten sich 57 Prozent der befragten Autohäuser mit der Einführung des Labels durch den Gesetzgeber unzufrieden. Zudem würden die Kunden auch nicht danach fragen, heißt es weiter. Die Einschätzung von Konsumenten und Handel ist in diesem Punkt wenig übereinstimmend. „Damit geben viele Autohäuser wichtige Kundenargumente im Verkaufsprozess leichtfertig auf“, so das Urteil der Studie. Dazu Prof. Stefan Bratzel vom „Center of Automotive“: „Die Studie zeigt, dass es dem Öko-Label aufgrund inhaltlicher Konstruktionsschwächen und Einführungsproblemen zwar noch an Akzeptanz fehlt. Allerdings suchen viele Konsumenten verlässliche Orientierungshilfen bei der Kaufentscheidung gerade auch in puncto Energie & Umwelt. Weder Hersteller noch Handel sollten die Wirkung solcher verpflichtender grafischer Kennzeichnungen auf den Autokauf unterschätzen“. Zum gleichen Ergebnis kommt der Automobilclub ACE in einer aktuellen Untersuchung. Dort hat man nicht die Käufer gefragt, sondern die Zulassungsdaten beim Kraftfahrtbundesamt analysiert. Im Beobachtungszeitraum 2012 wurden mehr als 3 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Davon entsprachen lediglich 1.161.938 oder 37,7 Prozent den als günstig angesehenen Energieeffizienzklassen A+, A oder B. Mit der besten Effizienzklasse A+ wurden nur 45.840 (1,5%) neu zugelassene Autos bewertet. Der ACE appellierte in Anbetracht dieser Bilanz an die Politik, sie solle das schon bei seiner Einführung umstrittene Label-Konzept grundsätzlich überdenken. „Die grüne Konsumpädagogik funktioniert bei Autos einfach nicht“, zeigt sich der Club überzeugt und fügte hinzu: „Den Käufern kann man das wohl am wenigsten ankreiden“.

Das gleiche Bild zeigt sich auch bei gewerblichen Neuwagenkäufern. Auch dort hat das Label wenig Bekanntheit und die Kaufentscheidung orientiert sich eher selten an Effizienz-Kennzahlen. Im Frühjahr hat die Deutsche Energieagentur Dena gewerbliche Neuwagenkäufer zum Thema befragt. Nur rund ein Drittel konnte etwas mit dem Öko-Label anfangen, von denen wusste allerdings die Mehrheit die Daten richtig zu deuten. „Die Umfrage zeigt: Obwohl das Pkw-Label eine wichtige Entscheidungshilfe für den Neuwagenkauf bietet, machen bisher noch nicht viele Unternehmer davon Gebrauch.“, kommentierte Stefan Haendschke von der dena. „Anstatt alte Fahrzeuge einfach durch Nachfolgemodelle zu ersetzen, sollten Unternehmer das Label nutzen und einen kritischen Blick auf die Effizienz der Fahrzeuge werfen“.

ACE