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Ritter Sport: Lebens- und Arbeitsbedingungen des Kakaosektors im Fokus

Das Unternehmen Alfred Ritter ist für seine quadratischen Schokoladentafeln der Marke RITTER SPORT bekannt. Seit 25 Jahren engagiert sich der mittelständische Schokoladenhersteller in Nicaragua für einen nachhaltigen Kakaoanbau. CSR NEWS fragte Thomas Seeger, den Leiter Recht und Öffentlichkeitsarbeit, nach den Chancen und Problemen bei der Umsetzung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie. Der Beitrag bildet den Auftakt einer Interviewserie zu den aktuellen Top-CSR-Themen unter Mitgliedern des CSR NEWS-Partnernetzwerks.

Waldenbuch (csr-news) – Das Unternehmen Alfred Ritter ist für seine quadratischen Schokoladentafeln der Marke RITTER SPORT bekannt. Seit 25 Jahren engagiert sich der mittelständische Schokoladenhersteller in Nicaragua für einen nachhaltigen Kakaoanbau. CSR NEWS fragte Thomas Seeger, den Leiter Recht und Öffentlichkeitsarbeit, nach den Chancen und Problemen bei der Umsetzung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie. Der Beitrag bildet den Auftakt einer Interviewserie zu den aktuellen Top-CSR-Themen unter Mitgliedern des CSR NEWS-Partnernetzwerks. Die Fragen stellte Achim Halfmann.

CSR NEWS: Welche CSR-Herausforderungen haben Sie und Ihre Kollegen in den zurückliegenden Wochen besonders beschäftigt?

Thomas Seeger: Das Faktum, dass die bewusste Entscheidung für einen Weg bzw. eine Maßnahme auch stets als Entscheidung gegen einen anderen Weg bzw. eine andere Maßnahme gesehen werden kann und von den hierfür engagierten Protagonisten – um es mal vorsichtig auszudrücken – kritisch gewürdigt wird. Konkret betraf das unsere Investition in eine eigene Kakaoplantage in Nicaragua, die Modellcharakter in Sachen Nachhaltigkeit haben soll: Obwohl wir strikt darauf geachtet haben, ausschließlich ehemaliges Weideland – d.h. Brachland – zu erwerben, damit keinem Einheimischen etwa die Lebensgrundlage entzogen wird und mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen werden, wurden und werden wir von hiesigen Medien vereinzelt des „Landgrabbings“ bezichtigt.

Hinzu trat die Entscheidung, diese Plantage (sobald sie Früchte trägt: wir müssen das ehemalige Weide- bzw. Brachland erst aufforsten und bepflanzen) nach UTZ zertifizieren zu lassen. Womit auch der Wunsch einhergeht, einen Teil des Kakaos, den wir bis dato von nicaraguanischen Kooperativen beziehen, ebenfalls UTZ-zertifiziert zu erhalten. Hintergrund ist der Umstand, dass wir bereits seit Jahren mehr Bio-Kakao aus Nicaragua beziehen, als wir für unsere Bio-Range verarbeiten können. Deren Volumen stagniert leider auf bescheidenem Niveau, weil uns zum einen der Bio-Fachhandel nicht listet – weil wir eben auch bzw. überwiegend konventionelle Schokolade produzieren -, zum anderen speziell die deutschen Verbraucher sehr preissensibel einkaufen.

Dies wurde von einigen Journalisten bzw. Medien als Abkehr vom Bio-Zertifikat gesehen, obgleich wir am Bezug von Bio-Kakao von nicaraguanischen Kooperativen festhalten werden, allerdings in verringertem Umfang – dafür wird eben der Bezug von UTZ-zertifiziertem Kakao signifikant ausgeweitet.

Welche Meilensteine haben Sie in den zurückliegenden Wochen in Sachen CSR erreicht?

Von erreichten Meilensteinen in den letzten Wochen können wir nicht wirklich sprechen, was seine Ursache aber vorwiegend darin hat, als es sich bzgl. CSR bei uns um einen kontinuierlichen Prozess handelt und jüngst eben keine „Groß-Etappen“ absolviert wurden.

Welche internationalen Bezüge sind für Ihr CSR-Engagement besonders wichtig?

Als Lebensmittelhersteller, der natürliche Rohstoffe verarbeitet, die – buchstäblich – aus zahlreichen Ländern rund um den Erdball stammen, stehen für uns alle damit verbundenen Fragen bzw. Probleme besonders im Fokus. Für einen Schokoladenhersteller sind das speziell die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Kakaosektor, insbesondere in Westafrika. Diese Region mit den beiden Haupt-Anbauländern Ghana und der Elfenbeinküste, woher rund zwei Drittel der Welt-Kakaoernte stammen, ist für einen Volumenhersteller einerseits so groß, dass Kakao gleichsam von dort bezogen werden „muss“; andererseits sind wir als Mittelständler zu klein, um einen direkten Lieferbezug von dort aufzubauen. Erschwerend tritt hinzu, dass in der Elfenbeinküste jahrelang Unruhen und Bürgerkrieg vorherrschten. Dieser Umstand stellt entsprechend ein großes Spannungsfeld für uns dar.

Aus diesem Grunde und weil der Kakao historisch gesehen aus Mittelamerika stammt, wo gerade Nicaragua damals wie heute eines der ärmsten Länder weltweit darstellt, haben wir uns bereits vor rund 25 Jahren dazu entschlossen, eben dort tätig zu werden.