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Umwelthilfe: Autoindustrie hat bei Kältemitteln ihr Wort gebrochen

Berlin (afp) – Im Streit um Kältemittel für Auto-Klimaanlagen hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) der Industrie Wortbruch vorgeworfen. Die deutschen Hersteller wie Daimler, BMW und Audi hätten 2007 „verbindlich zugesagt“, keine chemischen Kältemittel mehr in Autos einzusetzen, sagte DUH-Verkehrsexperte Patrick Huth am Freitag in Berlin der Nachrichtenagentur AFP. Die Hersteller hätten damals „ein klares Bekenntnis“ zu Kohlenstoffdioxid (CO2) als alternativem und vergleichsweise umweltfreundlichem Kältemittel abgegeben.

Ein Jahr später dann aber habe die Autobranche eine „Kehrtwende“ eingeleitet, sagte Huth. Es sei eine Diskussion darüber entbrannt, die seit langem genutzte, umweltschädliche Substanz Tetrafluorethan (R134a) anstatt durch CO2 durch die chemische Alternative Tetrafluorpropen (R1234yf) zu ersetzen. Diese Diskussion sei den Herstellern gelegen gekommen, da für diese Chemikalie die Klimaanlagen nicht neu hätten konstruiert werden müssen – anders als bei Anlagen mit Kohlenstoffdioxid, dessen Einsatz deshalb als teuer gilt.

„Die deutsche Autoindustrie hat ihr Wort gebrochen und nicht – wie zugesagt – auf Kohlendioxid umgestellt“, kritisierte DUH-Experte Huth. „Wir wollen jetzt konkrete Schritte der Hersteller sehen. Es muss eine zeitnahe Einführung der CO2-Technik erfolgen.“

Daimler kämpft derzeit in Frankreich gegen einen Zulassungsstopp für mehrere Mercedes-Modelle, in deren Klimaanlagen noch immer das alte, besonders umweltschädliche Tetrafluorethan zum Einsatz kommt. Der Hersteller verweigert sich nun doch der chemischen Alternative Tetrafluorpropen, die in der EU für neue Autos quasi verbindlich ist. Laut Daimler besteht bei der Substanz bei schweren Unfällen Brandgefahr.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gab Daimler neulich in dieser Auffassung Rückendeckung. Bei einem Extremtest hatte es in einem Fall einen Brand gegeben. Das oberste französische Verwaltungsgericht will am Dienstag seine Entscheidung in der Angelegenheit verkünden.