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CSR im Handel mit gebrauchten Nutzfahrzeugen: Jürgen Kutsch im Interview

Der Unternehmer Jürgen Kutsch handelt mit gebrauchten Nutzfahrzeugen. Zugleich ist er Stifter und Impulsgeber in der CSR-Diskussion, insbesondere in seiner Region, dem Dreiländereck. So ist er Initiator des 3. Aachener CSR-Forum, das am 17. September unter dem Thema „Werte schöpfen durch nachhaltige Unternehmenskultur“ stattfindet. Achim Halfmann befragte den Partner im CSR NEWS-Netzwerk nach seiner Einschätzung zur aktuellen CSR-Diskussion.

Aachen (csr-news) – Der Unternehmer Jürgen Kutsch handelt mit gebrauchten Nutzfahrzeugen. Zugleich ist er Stifter und Impulsgeber in der CSR-Diskussion, insbesondere in seiner Region, dem Dreiländereck. So ist er Initiator des 3. Aachener CSR-Forum, das am 17. September unter dem Thema „Werte schöpfen durch nachhaltige Unternehmenskultur“ stattfindet. Achim Halfmann befragte den Partner im CSR NEWS-Netzwerk nach seiner Einschätzung zur aktuellen CSR-Diskussion.

CSR NEWS: Welche CSR-Herausforderungen haben Sie in den zurückliegenden Wochen besonders beschäftigt?

Jürgen Kutsch: Für uns als reines Handelsunternehmen ist es zunächst wichtig, ein dauerhaftes Vertrauensverhältnis zu unseren nationalen und internationalen Kunden und Lieferanten zu eröffnen und fortzuführen. Es ermöglicht, verbindliche Geschäfte am Telefon oder per E-Mail abzuwickeln, ohne dass sich unsere Partner, oft mehrere tausend Kilometer entfernt, zu uns bemühen müssen, um sich von der Qualität unserer Handelsware zu überzeugen. Insofern liegt die Betonung unserer CSR-Strategie, auf dem „R“, also der Verantwortung und aus ihrer Wahrnehmung die Verantwortlichkeit unseres „Handelns“ in zweierlei Hinsicht, nämlich als Akteur am Markt und als Händler. Auch aus diesem Grund gehen wir recht offensiv mit unserem Bekenntnis zur CSR um und veröffentlichen dies u.a. auf unserer Homepage. Im Zusammenhang mit unserer Stiftung, über die per Querverweis dort informiert wird, soll dadurch der code of conduct unseres Hauses kommuniziert werden. Die Herausforderung der letzten Wochen und Monate bestand in der Messbarkeit, in wie weit Lieferanten und Kunden sich hierdurch unserem Unternehmen zuwandten.

Welche CSR-relevanten Themen besitzen aus Ihrer Sicht eine besondere Bedeutung?

Um frühzeitig dem Verdacht des Missbrauchs und des Etikettenschwindels zu begegnen, spielt Transparenz in unserem täglichen Handeln eine entscheidende Rolle. Eine offene, auskunftsfreudige Kommunikation gegenüber unseren Geschäftspartnern, sofortige Zahlungen unserer eingegangenen Verpflichtungen sowie Offenheit gegenüber weiteren Stakeholdern, Behörden und Banken beispielsweise, begleiten diesen Prozess. Nach innen führt dies zu einem tieferen Vertrauensverhältnis und damit zu einer überdurchschnittlichen Loyalität unserer Mitarbeiter, unserer Nachbarn und unserer lokalen Zulieferer und Dienstleister.

Welche Meilensteine haben Sie in den zurückliegenden Wochen in Sachen CSR erreicht?

Erfreulicherweise wird unsere Strategie offenbar zunehmend wahrgenommen und anerkannt. Einige Geschäftspartner bekannten offen, uns aufgrund der kommunizierten Ausrichtung unseres Geschäftes den Zuschlag erteilt zu haben, andere erleichterten die Abwicklung, d.h. es wurde auf Bürgschaften bzw. Bestätigungen unserer Zahlungsmittel bei neuen Lieferquellen verzichtet. Kontrollbehörden, wie z.B. das Umwelt- oder Straßenverkehrsamt oder auch die Berufsgenossenschaft, erhalten regelmäßig und detailliert die für sie relevanten Informationen, verzichten aber auf enge und strenge Nachweispflichten.

Was sind die „lessons learned“ aus Ihrem eigenen CSR-Engagement?

Wenn ich „lessons learned“ mit „erteilten Lektionen“ übersetzen darf, mussten wir feststellen, dass der Begriff „CSR“ an mancher Stelle nur sehr schwer vermittelbar ist und in seiner inhaltlich reichen Komplexität oft genug nicht verstanden und daher fehlgedeutet wird. Auch konnte sich CSR als Haltung nicht immer gegen die noch öfter als lieb vorkommende „Geiz ist g…“-Mentalität durchsetzen.

Welche internationalen Bezüge sind für Ihr CSR-Engagement besonders wichtig?

Es war recht früh klar, dass eine CSR-Strategie ohne internationale Bezüge nicht auskommt. Schon der englischer Name und ihre Herkunft aus den angelsächsischen Gesellschaften zeigen ja, dass im Zuge globalisierter Wirtschaftsabläufe nicht nur Produkte, sondern auch Ideen die bekannten Handlungsmuster hierzulande, in Deutschland, beeinflussen und verändern. CSR bietet die Möglichkeit, und dies zeigt ja auch die DIN ISO 26000, weltweit gültige Standards festzulegen und diese gleichzeitig vor Ort anzuwenden. Der Slogan „think global, act local“ unterstreicht das. Es besteht kein Widerspruch zwischen dem Bekenntnis zu und der Identifikation mit regionaler Bodenständigkeit und internationaler Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Im Gegenteil, das eine bedingt das andere, wenn man die zwischenzeitlich anerkannten CSR-Standards zur Anwendung bringt.

Wie beurteilen Sie die gesellschaftliche Wahrnehmung und Einordnung von Themen der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung derzeit?

Weit vor den schrecklichen, im negativen Sinne beeindruckenden Katastrophen in Bangladesch gab es Ereignisse, die von der Öffentlichkeit als rücksichtloses Verhalten der Verursacher gebrandmarkt wurde. Ich denke da an die Versenkung des schwimmenden Öltanks „Brent Spar“ 1995 in der Nordsee. Auch andere Skandale – wie z.B. die Mitarbeiterüberwachung in deutschen Konzernen – haben dazu geführt, dass die Öffentlichkeit in wachsendem Maße eine Grundhaltung einnimmt, die im b2b und b2c-Geschäft quasi automatisch eine Überprüfung seines Gegenübers auf seine Sozialkompetenz hin durchführt. NGOs wie Umwelt- und Verbraucherverbände, die Medien und natürlich das Internet durch freiwillige Beiträge aus den Reihen vorwiegend junger Menschen halten dieses Bewusstsein aufrecht, und zwar bis auf weiteres irreversibel. Insofern ist der Anspruch, über die Verantwortlichkeit unternehmerischen Handelns nachzudenken, ein integraler Bestandteil der Kommunikation und des Dialoges. Eine integre CSR-Strategie führt diese Debatte innerhalb sowie außerhalb des Unternehmens offensiv, um einerseits seinen konstruktiven Gestaltungswillen auszudrücken und so andererseits vorbeugend einem Schadenbegrenzungsmanagement aus dem Weg gehen zu können.

Welche politischen Rahmensetzungen erwarten Sie in Sachen CSR von der nächsten Bundesregierung?

Eine Stärkung bürgerschaftlichen Engagements. Mit dem geschulten Blick vor Ort in Kenntnis der gegebenen Strukturen kann regionalen Herausforderungen weitaus effektiver begegnet werden als durch pauschale Programme und Verordnungen. Bund, Länder und Städte verfügen nicht mehr über die finanziellen Mittel, die zur Modernisierung und Attraktivierung der Lebensräume erforderlich sind. Auch hier sind Unternehmen gefordert, durch Rat und Tat zur Verbesserung der Umstände beizutragen. Das gesellschaftliche Umfeld, in dem sie sich bewegen und aus dem sie ihre Mitarbeiter rekrutieren, verlangt dies. Der Staat, der sich – nicht nur aus finanziellen Gründen – zurückzieht, hinterlässt gerade in Deutschland ein Vakuum, welches erst durch Teilhabe aller gesellschaftlichen Akteure in der Stadt, im Viertel sinnvoll gefüllt werden kann. Der erfreuliche Anstieg der „Bürgerstiftungen“ in unserem Land ist bereits eine Antwort auf die sich verändernden Rahmenbedingungen.

Welche Rahmenbedingungen haben sich in der letzten Zeit positiv entwickelt, wo sehen Sie besonderen Handlungsbedarf?

Viele Dinge sind bereits auf den Weg gebracht worden und wirken. Insbesondere ist die Gründung von Stiftungen durch steuerliche Anreize interessant geworden. Noch nie sind so viele Stiftungen ins Leben gerufen worden wie im 21. Jahrhundert. Diese stehen momentan jedoch vor dem Problem, aufgrund des historisch niedrigen Zinsniveaus ihre satzungsgemäßen Ziele nur sehr mäßig verfolgen zu können. Auch deshalb kommt der angestrebten Honorierung des Ehrenamtes besondere Bedeutung zu. Dies ist nicht nur für eingetragene Vereine, die unter zurückgehender Spendenbereitschaft leiden, wichtig, sondern kann auch auf anderen Feldern, z.B. der Kinderbetreuung, dazu beitragen, dass sich Menschen stärker partnerschaftlich einbringen als bisher.

Welchen Beitrag können Sie und Ihre Kollegen zur qualitativen Weiterentwicklung der CSR-Diskussion leisten?

Eine qualitative Weiterentwicklung der CSR-Diskussion kann nur durch ihre praktische Anwendung im unternehmerischen Alltag erfolgen. Dies ist der Ort, an dem die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf ihre Belastbarkeit überprüft werden. Dort entscheidet sich, in wie weit theoretische Erkenntnisse nennenswert gehandhabt und umgesetzt werden können. Konkret versuchen wir, durch die Initiierung von Gesprächskreisen Aufmerksamkeit für das Thema CSR zu gewinnen und veranstalten dieses Jahr zum 3. Mal das Aachener CSR – Forum. Hier tauschen sich Verantwortung tragende Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus allen gesellschaftlichen Bereichen über ihre Erfahrungen aus und geben bzw. suchen neue Impulse für die Zukunft.

Wo sehen Sie einen offenen Bedarf an Kooperationen unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure?

Ich wünsche mir, besonders für Aachen und die Euregio im Dreiländereck Belgien-Niederlande-Deutschland, dass CSR hier stärker wahrgenommen wird als bisher, nämlich als Teil unternehmerischen Handelns, der einerseits die Folgen der Wirtschaftskrise zu überwinden hilft und gleichzeitig fit für die Zukunft macht. Von der IHK oder der Handwerkskammer, den Unternehmerverbänden und Wirtschaftsförderungsgesellschaften, aber auch von den Banken, die in der Region verankert sind, erhoffe ich wahrnehmbare, aufklärende Initiativen, genauso wie von den großen Unternehmen mit Weltruf, von denen es auch einige bei uns gibt. Schließlich kommen auch die Kirchen ihrer pastoralen Aufgabe in der Gemeinde, gesellschaftlich und wirtschaftlich sich verändernde Rahmenbedingungen angemessen zu begleiten, nur unzureichend nach.

Wo sind Wissenschaft und Lehre stärker gefragt?

Universitäten bieten in wachsendem Maße Studiengänge über Wirtschaftsethik an. Auch in Schulen werden durch die fair-trade-Welle Zusammenhänge zwischen Konsum und Herkunft der Produkte aufgezeigt. Im Gymnasium in unserem Heimatort Kornelimünster beispielsweise ist dies mittlerweile Bestandteil des Religions- bzw. Erdkundeunterrichtes. Vor dem Hintergrund der Globalisierung ist es ohnehin erforderlich, ökonomische Zusammenhänge in Verbindung mit ihrer Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt aufzuzeigen. Zwar gewinnt dieses Thema durch die öffentliche Berichterstattung eine gewisse Eigendynamik, könnte aber natürlich noch vertieft werden, da CSR einen Weg aufzeigt, um die verschiedenen Interessenkonflikte konstruktiv zu lösen. Die Veränderung der Gesprächskultur, die sich nicht aufs Lamentieren über die Probleme beschränkt, sondern deren Überwindung in den Mittelpunkt des Gespräches stellt, wäre ein aktiver Beitrag jener verantwortlich handelnden Personen, die für die Heranwachsenden unserer Gesellschaft Orientierung bieten.

Wie erleben Sie den Umgang der Medien mit dem Thema CSR?

Eine qualifizierte CSR-Berichterstattung kommt aus meiner Sicht bislang nicht über Fachzeitschriften und Fachportale im Internet (CSR Magazin und csr-news.net) hinaus. Sporadisch wird das Thema in Presse, Funk und Fernsehen erörtert. Ich glaube, das liegt an dem sperrigen, techno- bzw. bürokratisch anmutenden Eindruck, den die drei Buchstaben, englisch ausgesprochen, nun einmal hinterlassen.

Vielen Dank!

Die Stiftung Jürgen Kutsch im Internet:
www.stiftung-juergen-kutsch.de