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Netzbetreiber Tennet verlängert Zeichnungsfrist für Bürgeranleihe

Berlin (afp) – Für die sogenannte Bürgeranleihe zum Ausbau des Stromnetzes ist die Zeichnungsfrist um einen Monat verlängert worden. Der Netzbetreiber Tennet teilte am Mittwoch mit, die Bürger in den schleswig-holsteinischen Landkreisen Dithmarschen und Nordfriesland könnten nun bis zum 30. September bei dem Pilotprojekt einsteigen. Tennet werde die zusätzliche Zeit nutzen, um die Reaktionen der Bevölkerung auf die Bürgeranleihe umfassend auszuwerten. Offenbar stößt die Anleihe auf nur geringes Interesse.

Tennet erklärte, das Pilotprojekt der finanziellen Beteiligung am Netzausbau sei für das Unternehmen sehr wichtig, um festzustellen, ob es von der Bevölkerung angenommen werde. So solle geprüft werden, ob die Bürgeranleihe auch bei anderen Stromleitungs-Projekten genutzt werden könne. Bei der Westküstenleitung, einem der wichtigsten Leitungsprojekte der Energiewende, solle die Bürgeranleihe zusammen mit einer größeren Transparenz und einem engen Dialog die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen.

Die „Welt am Sonntag“ hatte Anfang August berichtet, bislang hätten erst 250 Interessenten die Anleihe gezeichnet. Die Zeichnungssumme bewege sich im einstelligen Millionenbereich. Angestrebt war eine Beteiligung der Bürger in Höhe von 40 Millionen Euro.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatten sich Anfang Juli mit den vier Netzbetreibern auf ein Konzept für Bürgeranleihen geeinigt. Sie hoffen, dass sie damit den Netzausbau beschleunigen und die Akzeptanz für neue Leitungen erhöhen können.

Verbraucherschützer allerdings warnen vor Bürgeranleihen nach dem Modell, das Tennet in Schleswig-Holstein anbietet. Wer investiert, trägt demnach das Risiko eines Totalverlustes und kann den Kredit, den er dem Konzern mit der Anleihe gibt, nie kündigen. Die Laufzeit ist unbefristet, so dass die Anleihe nur an der Börse verkauft werden kann. Den angekündigten Zins von fünf Prozent gibt es für Anleger demnach frühstens nach Baubeginn. Der könne sich durch Gerichtsverfahren verzögern, da es Widerstände in der Region und bei Umweltschützern gibt.