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Halberstädter Würstchen: Fleischindustrie nicht pauschal verurteilen

„Diese Zustände sind besorgniserregend“, hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zu den Berichten über die schlechte Unterbringung und minimale Entlohnung von Werkvertragsmitarbeitern in der Fleischindustrie erklärt. Auf die Äußerungen der Ministerin in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung der vergangenen Woche reagierte die Geschäftsführerin der Halberstädter Würstchen, Silke Erdmann-Nitsch, mit einem offenen Brief. „Es gibt Unternehmen, die vernünftig arbeiten, und mit Sicherheit nicht zu wenige“, sagte Erdmann-Nitsch dazu gegenüber CSR NEWS.

Halberstadt (csr-news) – „Diese Zustände sind besorgniserregend“, hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zu den Berichten über die schlechte Unterbringung und minimale Entlohnung von Werkvertragsmitarbeitern in der Fleischindustrie erklärt. Auf die Äußerungen der Ministerin in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung der vergangenen Woche reagierte die Geschäftsführerin der Halberstädter Würstchen, Silke Erdmann-Nitsch, mit einem offenen Brief. „Es gibt Unternehmen, die vernünftig arbeiten, und mit Sicherheit nicht zu wenige“, sagte Erdmann-Nitsch dazu gegenüber CSR NEWS.

Mit dem offenen Brief wolle sie sich gegen die verallgemeinernden Vorwürfe gegen die Fleischindustrie wenden, so Erdmann-Nitsch, die dabei auch die andere Seite nicht verschweigt: „Es gibt diese schwarzen Schafe, mit Sicherheit auch mehr, als man gedacht hat.“ Die Fleischwarenhersteller bildeten keine geschlossene Branche. „Da krempelt jeder vor sich hin.“ Neben ihrem Widerspruch gegen eine verallgemeinernde Verurteilung der Fleischindustrie fordert die Geschäftsführerin des Wurstproduzenten, dass Politik und Verwaltung ihre eigene Verantwortung wahrnehmen. „Wir erwarten von Ihnen, Ihrer Politik und den Überwachungsbehörden, dass derartige Situationen nicht entstehen“, heißt es in dem Brief an Ministerin von der Leyen. Und: „Sorgen Sie bitte dafür, dass wieder klare Rahmenbedingungen für den Wettbewerb existieren und es sich wieder lohnt, langjährige Mitarbeiter zu beschäftigen.“

Denn die Personalkosten machen in der Branche bis zu 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Halberstädter Würstchen bezahlt seine 159 meist langjährigen Mitarbeiter nach einem mit der Gewerkschaft ausgehandelten Haustarif. Dass sich Mitbewerber durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen, liegt nach Überzeugung von Silke Erdmann-Nitsch insbesondere an dem enormen Preisdruck durch den Handel. Bei Verhandlungen über Preiserhöhungen macht sie die Erfahrung: „Uns wird gesagt, ihr seid zu teuer.“

Hinter dem Preisdruck stehen Verbraucher, die den Wert von Fleischwaren nicht mehr zu schätzen wissen. „Lebensmittel werden in Massen gekauft und dann weggeschmissen“, sagt Erdmann-Nitsch. Der notwendige Umdenkprozess könne mehr als zehn Jahre dauern. Kinder sollten bereits in der Schule erfahren, wie man mit Lebensmittel umgeht und dass sich durch einen sorgfältigen Einsatz hochwertiger Nahrung Spareffekte erzielen lassen. „Helfen Sie uns, unsere Wert- und Qualitätsvorstellungen im Markt durchzusetzen“, heißt es dazu in dem Schreiben an die Bundesarbeitsministerin.