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TourCert: Nachhaltiges Wirtschaften ist kooperatives Wirtschaften

TourCert vergibt an Reiseveranstalter, Reisebüros und Unterkünfte das CSR-Siegel für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung im Tourismus. Die gemeinnützige Zertifizierungsgesellschaft fordert von den Unternehmen dazu die Einführung eines CSR-Managementsystems. TourCert-Geschäftsführer Günter Koschwitz berichtete CSR NEWS im Partnernetzwerk-Interview über die Herausforderungen des nachhaltigen Tourismus und die Entwicklung des CSR Siegels. Die Fragen stellte Achim Halfmann.

Stuttgart (csr-news) – TourCert vergibt an Reiseveranstalter, Reisebüros und Unterkünfte das CSR-Siegel für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung im Tourismus. Die gemeinnützige Zertifizierungsgesellschaft fordert von den Unternehmen dazu die Einführung eines CSR-Managementsystems. TourCert-Geschäftsführer Günter Koschwitz berichtete CSR NEWS im Partnernetzwerk-Interview über die Herausforderungen des nachhaltigen Tourismus und die Entwicklung des CSR Siegels. Die Fragen stellte Achim Halfmann.

CSR NEWS: Welche CSR-Herausforderungen haben Sie und Ihre Kollegen in den zurückliegenden Wochen besonders beschäftigt?

Günter Koschwitz: Im Auftrag des baden-württembergischen Ministeriums für ländlichen Raum entwickelt TourCert eine Zertifizierung für Tourismusdestinationen. Derzeit schließen wir die Pretestphase ab, in der wir zunächst die Anforderungen in vier Tourismuszielen erprobt haben. Und wir erarbeiten in einer Projektgruppe unter Leitung des zuständigen grünen Landesministeriums zusammen mit Vertretern der Testdestinationen und aus der Wissenschaft ein anspruchsvolles Zertifizierungskonzept, das eine nachhaltige Entwicklung der gesamten Destination bewirken soll. Weiterhin begleiteten wir in den letzten Wochen neben Reiseveranstaltern und Reisebüros intensiv mehrere Hotels im Endspurt zur CSR-Zertifizierung, nachdem wir dieses System erst letztes Jahr entwickelt haben und die drei Geisel Privathotels in München als erste zertifizierte Hotels auf der ITB im März ausgezeichnet wurden.

Welche Meilensteine haben Sie in den zurückliegenden Wochen in Sachen CSR erreicht?

Im letzten Jahr hatten wir einen Roundtable zu Menschenrechten im Tourismus initiiert, an dem sich neben zivilgesellschaftlichen Organisationen namhafte Unternehmen wie Studiosus, Kuoni, Gebeco und Unternehmen des forum anders reisen engagiert beteiligen. Auch mit den großen Tourismuskonzernen und den Branchenverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien sind wir im guten Dialog. Diese Multistakeholder-Initiative versteht sich als offene Plattform zur Förderung der Menschenrechte im Tourismus. In den letzten Wochen wurde im Roundtable ein Modell für eine Selbstverpflichtung der Unternehmen (‚Commitment‘) final vereinbart; weiterhin befinden sich ein Managementleitfaden dazu und ein Bildungsprogramm mit einem kostenlosen Onlinetraining gerade in der Endphase der Herstellung. Am 7. Oktober werden diese Produkte auf einer Fachtagung in München präsentiert und die ersten Unternehmen werden das Commitment öffentlich unterschreiben.

Was sind die „lessons learned“ aus Ihrem eigenen CSR-Engagement?

Wovon wir überzeugt sind, ist, dass man als Einzelkämpfer weit weniger erreichen kann als in Bündnissen und Kooperationen. Nachhaltiges Wirtschaften ist für uns gleichzeitig kooperatives Wirtschaften. TourCert wird daher von mehreren gemeinnützigen Gesellschaftern getragen und ist gut vernetzt. Nur durch diese Netzwerkarbeit konnten wir als kleine Organisation die bisherigen Erfolge erzielen. Zudem braucht es immer auch visionäres Herzblut, Durchhaltevermögen und jede Menge Kommunikation.

Wir erfahren immer wieder, wie wichtig die Branchenorientierung für eine konsequente Umsetzung von CSR im Kerngeschäft von Unternehmen ist. Und wir dachten ursprünglich, ein Ansatz für alle touristischen Unternehmen ist ausreichend konkret. Mittlerweile wissen wir, dass jeweils ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden müssen und es dann richtig spannend wird – auch im Benchmarking. Da haben wir viel Lehrgeld zahlen müssen, sind aber froh, dass es uns mittlerweile gelungen ist, CSR-Kriterien für Akteure entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette zu entwickeln: vom Reiseveranstalter bis zum Reisebüro, von der Unterkunft bis zur Destination. Das von uns vergebene CSR-Siegel steht somit für einheitliche CSR-Standards in jeweils betriebsspezifischer Ausprägung.

Hat Ihr Engagement Auswirkungen auf die Förderung von CSR in kleinen und mittelständischen Unternehmen?

Auf jeden Fall! Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, von denen die gesamte Tourismusbranche geprägt ist. Sie finden auf dem Reiseveranstaltermarkt in Deutschland eine Hand voll Tourismuskonzerne und dann einen sehr großen Mittelstand. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind auf schlanke, effiziente Lösungen und praxisrelevante Kriterien beim Aufbau eines CSR-Managements angewiesen. Wir helfen ihnen dabei, ihre Geschäftstätigkeit auf CSR zu durchleuchten und anschließend zu verbessern. Unsere Stärke, von denen die kleinen und mittleren Unternehmen ganz unmittelbar profitieren, ist dabei die Betriebsspezifität der Kriterien. Zudem bieten wir Schulung und Betreuung in der Phase der Einführung und auch darüber hinaus an. Unsere CSR-Akademie hat Angebote für jeden Bedarf von Onlinetrainings über Fachseminare bis hin zu Managementkursen, für CSR-Managerinnen. Unser Ziel ist es, die Betriebe und die Mitarbeiterinnen für CSR zu begeistern und ihnen die notwendigen Instrumente an die Hand zu geben. Gerade bei den kleinen und mittleren Unternehmen, mit denen wir arbeiten, liegt eine Menge Potential, das wir mit unserem Ansatz fordern und fördern.


Günter Koschwitz

Welche politischen Rahmensetzungen erwarten Sie in Sachen CSR von der nächsten Bundesregierung?

Die Bundesregierung sollte zukünftig auf internationaler Ebene nicht mehr als Blockierer für strengere CSR-Regeln wirken, sondern beispielsweise die von der europäischen Kommission geplante Berichtspflicht der Unternehmen ab 500 Mitarbeiter unterstützen und endlich den fälligen Aktionsplan zu Menschenrechten und Wirtschaft erarbeiten.

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