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DGB beklagt zunehmende "Zweiklassengesellschaft" bei der Ausbildung

Berlin (afp) – Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine zunehmende „Zweiklassengesellschaft“ auf dem Ausbildungsmarkt beklagt. Während Jugendliche insbesondere mit einem guten Schulabschluss vom demografischen Wandel profitieren könnten, steige für andere junge Leute das Risiko eines dauerhaften Lehrstellen-Ausschlusses, teilte der DGB am Donnerstag bei der Vorstellung seines jährlichen Ausbildungsreports in Berlin mit. Deutliches Anzeichen dafür sei der hohe Anteil von Jugendlichen ohne einen qualifizierenden Berufsabschluss.

Annähernd jeder zweite Ausbildungsberuf sei für Menschen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss inzwischen „faktisch abgeschottet“, erklärte der DGB. Junge Menschen mit Hauptschulabschluss zögen bestimmte Berufe schon gar nicht mehr in Betracht. „Dieses Problem wird uns in einigen Jahren in einer immer älter werdenden Gesellschaft einholen“, betonte DGB-Jugendsekretär Florian Haggenmiller.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kritisierte, dass 2012 lediglich Zweidrittel der Ausbildungsinteressierten eine Lehrstelle erhalten hätten. „Die anderen werden mit Alternativen und Abstellgleisen abgespeist, zum Beispiel den Maßnahmen im Übergangsbereich.“ Davon seien 2012 rund 266.000 junge Menschen betroffen gewesen. Insgesamt hätten in Deutschland heute bereits 1,4 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren weder Ausbildung noch berufsqualifizierenden Abschluss.

Große Unterschiede gibt es nach Angaben des Gewerkschaftsbundes weiterhin bei der Bezahlung von Männern und Frauen. Während junge Männer in den von ihnen bevorzugten Berufen im dritten Lehrjahr im Schnitt 716 Euro im Monat verdienten, seien es bei ihren Altersgenossinnen und ihren Berufen im Durchschnitt nur 628 Euro. In weiblich dominierten Berufen müssten zudem öfter Überstunden geleistet werden.

Für seinen jährlichen Ausbildungsreport befragte die DGB-Gewerkschaftsjugend nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 18.600 Auszubildende. Diese stammten aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen.

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