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Ein Jahr Heilbronner Erklärung – ein Zwischenfazit

Am 15. September 2012 haben acht Unternehmen und die German Graduate School of Management and Law (GGS) die sogenannte Heilbronner Erklärung unterzeichnet und sich damit zur Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, über den gesetzlichen Rahmen hinaus, verpflichtet. In dieser Woche haben sich die Unternehmen zu einem Zwischenfazit getroffen. CSR-NEWS sprach mit Projektleiter Prof. Christopher Stehr über die Ergebnisse.

Heilbronn (csr-news) > Am 15. September 2012 haben acht Unternehmen und die German Graduate School of Management and Law (GGS) die sogenannte Heilbronner Erklärung unterzeichnet und sich damit zur Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, über den gesetzlichen Rahmen hinaus, verpflichtet. In dieser Woche haben sich die Unternehmen zu einem Zwischenfazit getroffen. CSR-NEWS sprach mit Projektleiter Prof. Christopher Stehr über die Ergebnisse.

Auf welche Resonanz ist die Heilbronner Erklärung gestoßen?

Stehr: Aus den ursprünglich neun sind letztlich elf Erstunterzeichner aus zehn Branchen geworden. Darüber hinaus haben weitere 16 Unternehmen ihr Interesse bekundet. Am laufenden Prozess, der voraussichtlich im Frühjahr 2014 beendet sein wird, nehmen allerdings nur die Erstunterzeichner teil.

Was ist das Fazit nach 12 Monaten?

Stehr: Wir haben uns ja in dieser Woche mit Vertretern der elf teilnehmenden Unternehmen getroffen. Dabei haben wir über die Inhalte, das weitere Vorgehen und die Vision der Heilbronner Erklärung gesprochen. Für die Unternehmen ist die Heilbronner Erklärung eine große Herausforderung, obwohl praktisch in allen Betrieben CSR-Maßnahmen seit längerer Zeit durchgeführt werden. Wir haben ja der Erklärung den holistischen CSR-Ansatz der EU-Kommission zugrunde gelegt. In diesem Sinne sind bereits alle elf Unternehmen verantwortlich tätig und gehen aus meiner Sicht sehr professionell mit dem Thema CSR um.

Was sind die Herausforderungen im Tagesgeschäft?

Stehr: Zum einen ist es die interne Erfassung sämtlicher CSR-Aktivitäten. Die Herausforderung ist aber vor allem diese Maßnahmen in die unternehmerische Gesamtstrategie zu integrieren und damit den unternehmerischen Mehrwert zu erhöhen. Dass Ganze allerdings ohne dabei in den Verdacht des Green- oder Socialwashing zu geraten. Wir beabsichtigen ja mit der Heilbronner Erklärung eine ganz klare Vorgehensweise für die Betriebe. Das bedeutet zunächst alle beabsichtigten CSR-Maßnahmen und vorhandenen Aktivitäten auszulisten, diese dann zu qualifizieren, zu quantifizieren und messbar zu machen. Eine schwere Aufgabe, die ich gerne an einem Beispiel erläutere. Drei der teilnehmenden Unternehmen haben sich an einem Kindergarten beteiligt, um ihren Mitarbeitern entsprechende Betreuungsangebote zu machen. Wie soll eine solche Maßnahme bewertet werden? Hat sie einen Mehrwert für das Unternehmen oder die Gesellschaft? Natürlich hat es einen Mehrwert, aber wie können wir den quantifizieren bzw. müssen wir das überhaupt? Das sind Fragen, die nicht einfach zu lösen sind.

Wie erleben die Unternehmen diesen Prozess?

Stehr: Die Unternehmen sind in ihrem CSR-Denken noch sehr unterschiedlich aufgestellt. Aber sie profitieren voneinander und empfinden den transparenten Austausch untereinander als sehr vorteilhaft. Vor allem weil wir zehn unterschiedliche Branchen vereinen mit teilweise sehr unterschiedlichen Herausforderungen, ist der Austausch sehr lehrreich und spannend. Die Unternehmen merken aber das CSR ein wichtiges Thema ist, mit dem sie sowohl intern als auch extern konfrontiert werden. Im Laufe der Zeit wurde aber auch immer deutlich, dass alle Aspekte der Nachhaltigkeit, also Ökologie, Soziales aber auch Ökonomie immer gleichbedeutend betrachtet werden. Natürlich gibt es in den Unternehmen, je nach Branchenzugehörigkeit, unterschiedliche Schwerpunkte, also der Dienstleister, der primär soziale Themen im Fokus hat oder der Produktionsbetrieb, der zunächst seine Energieeffizienz verbessern will. Die Heilbronner Erklärung hat aber auch dazu geführt, dass Unternehmen ihre gesamte Wertschöpfungskette betrachten und auch mal bei Lieferanten nachfragen wie es dort um die CSR bestellt ist. Die Auseinandersetzung mit der Unternehmensverantwortung reicht also tief in die Unternehmen hinein, gleichwohl stehen alle teilnehmenden Betriebe noch vor mehr oder weniger großen operativen Herausforderungen.

Der Prozess der Heilbronner Erklärung sollte wissenschaftlich begleitet werden. Wie sieht es damit aus?

Stehr: In diesem Monat beginnt diese wissenschaftliche Begleitung durch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und einen Master-Studierenden. Dazu gibt es auch in den Unternehmen Studierende, die den dortigen Prozess im Rahmen von Abschlussarbeiten begleiten. Im nächsten Jahr wird es dazu dann auch Veröffentlichungen geben.

Wie sieht ihr persönliches Fazit als Initiator der Heilbronner Erklärung aus?

Stehr: Es war und ist sehr viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt. Immer wenn ich in den Unternehmen sehe, wie wichtig dort das Thema CSR genommen wird, dann bin ich froh, dass ich es angestoßen habe. Jetzt bleibt es spannend zu sehen, wie es weitergeht. Es gibt verschiedene Szenarien für die Zeit nach Ablauf des Prozesses, wohin die Reise geht, ist aber noch offen.

 

 

Foto: Prof. Christopher Stehr vor einem Jahr bei der Präsentation der Heilbronner Erklärung.

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