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"Es dauert halt ein bisschen länger": Aus der Förderschule in den Job

„Ich hab‘ zwar eine Lernschwäche, aber das ist keine Behinderung“, sagt Frank R. Mit 17 Jahren verließ er eine Förderschule – mit hohen Erwartungen und geringen Chancen. „Mein Betreuer wollte mich in Projekte stecken“, so der heute 24-Jährige. Dass es anders kam und der junge Mann inzwischen einen unbefristeten Arbeitsplatz besitzt, liegt an seiner Entschlossenheit und an den ihm gebotenen Chancen.

Wuppertal (csr-news) – „Ich hab‘ zwar eine Lernschwäche, aber das ist keine Behinderung“, sagt Frank R.* Im Alter von 17 Jahren verließ er eine Förderschule – mit hohen Erwartungen und geringen Chancen. „Mein Betreuer wollte mich in Projekte stecken“, so der heute 24-Jährige. Dass es anders kam und der junge Mann inzwischen einen unbefristeten Arbeitsplatz besitzt, liegt an seiner Entschlossenheit und an den ihm gebotenen Chancen.

Wer die Lebensgeschichte von Frank kennt, wundert sich nicht über seine Leistungsdefizite. Nach seiner Geburt kam er als erstes auf Entzug: Seine Mutter hatte während der Schwangerschaft so viel Alkohol getrunken, dass der Säugling entgiftet werden musste. Mit elf Jahren wechselte der Junge ins Heim, seine Mutter konnte nicht mehr für ihn sorgen. Sie starb wenig später an den Folgen ihrer Sucht. Auch der Vater trank und wurde dadurch zum Pflegefall, sein Sohn besucht ihn heute regelmäßig in einer Betreuungseinrichtung.

Nach seiner Förderschulzeit wechselte Frank für neun Monate in ein Berufsbildungswerk. Von dort aus arbeitete er als Praktikant bei einem Einzelhändler und gewann seinen Chef dafür, ihm eine Lehre als Verkaufshelfer anzubieten. Dieser zweijährige Ausbildungsberuf steht Menschen mit dauernden Leistungseinschränkungen offen und ist – wie jede andere Lehre – mit dem Besuch einer Berufsschule und der Arbeit im Betrieb dual aufgebaut. „Das war hart, da kam ich an meine Grenzen“, berichtet Frank. Für das Lernen brauchte er mehr Zeit als andere und oft fehlte ihm die Geduld. Aber Frank gab nicht auf: „Wenn ich was schaffen möchte, dauert das halt ein bisschen länger.“ Frank bestand seine Verkaufshelferausbildung und sein Chef sagte ihm eine Weiterbeschäftigung zu. Dann wurde der Laden verkauft, und der junge Mann war seinen Job los.

Auf keinen Fall wollte Frank in eine „Maßnahmekarriere“ geraten. Deshalb lehnte er eine geförderte Tätigkeit auf einer Straußenfarm ab, denn: „Wenn der Zuschuss vom Arbeitsamt wegfällt, stehe ich wieder auf der Straße.“ Durch die Beziehungen einer Betreuerin, die ihn bei seinen Geldgeschäften begleitet, kam er mit einer Weberei in Kontakt. Dort ist er in der Produktion tätig – nach einjähriger befristeter Beschäftigung inzwischen auf einem festen Arbeitsplatz. „Ich bin so glücklich da, auch wenn es nicht mein Traumjob ist“, sagt Frank. Die Festanstellung gibt ihm Sicherheit und Unabhängigkeit.

Noch hat Frank nicht alle Folgen seiner unruhigen Kindheit und Jugend hinter sich gelassen. Jetzt, wo er sich in einer festen Arbeit befindet, setzt er sich in einer Psychotherapie mit seiner Vergangenheit auseinander: „Ich möchte nicht ein Leben lang Psychopharmaka nehmen.“ Im Moment aber ermöglichen es ihm die Medikamente, seinen Alltag zu bewältigen.

Etwa 5 Prozent aller Schüler besuchen aufgrund von Lern- oder Sprachdefiziten, körperlicher oder geistiger Behinderungen eine Förderschule. Ihre Chancen auf Ausbildung und unbefristet Beschäftigung stehen nicht gut. „Ungefähr 50 zu 50“, sagt der Rehabilitationsberater Werner Kemper vom Arbeitsamt Bergisch Gladbach aus seiner Erfahrung. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem Jahr 2010 weist ebenfalls auf ein hohes Arbeitslosigkeitsrisiko für Menschen mit Förderschulabschluss.

Wie Unternehmen Förderschüler in Arbeit und Ausbildung integrieren und welche Rahmenbedingungen dabei zu beachten sind, lesen Sie in der September-Ausgabe des CSR MAGAZIN. Weitere Infos dazu: www.csr-magazin.net

* Name geändert