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Kambodschanische Textilarbeiter protestieren gegen Entlassungen

Phnom Penh (afp) – Tausende Arbeiter der Textilindustrie in Kambodscha haben erfolgreich gegen Massenentlassungen in ihrer Branche protestiert. Rund 4.000 Menschen marschierten am Donnerstag von der Fabrik SL Garment Processing zum Rathaus der Hauptstadt Phnom Penh und forderten die Regierung auf, in dem Fall einzuschreiten. Am Vortag waren rund 720 ihrer Kollegen entlassen sowie etwa 5000 weitere suspendiert worden, nachdem sie zwei Wochen lang gestreikt hatten. SL Garment Processing habe die Entlassung der Arbeiter inzwischen annulliert, teilten Geschäftsführung und Gewerkschaft am Freitag mit.

Der Streik richtete sich gegen regelmäßige Inspektionen in Gegenwart der Militärpolizei, die von den Gewerkschaften als Einschüchterung kritisiert wurden. Sie forderten am Donnerstag, dass die Angestellten wieder an die Arbeit gehen dürften. Gewerkschaftschef Ath Thorn fügte hinzu, sollte die Fabrik geschlossen werden, müssten die Arbeiter Entschädigungen erhalten. Thorn bat die Vertreter von rund zwei Dutzend weltweit aktiven Textilunternehmen um Unterstützung, die derzeit zu Branchenberatungen in Phnom Penh versammelt sind.

SL Garment Processing beliefert unter anderem große Marken wie H&M und Gap. Ein kambodschanischer Investor bestätigte die Massenentlassungen. „Ihr Streik war illegal“, sagte Meas Sotha der Nachrichtenagentur AFP. Zugleich bestritt er, dass die Arbeiter durch die Inspektionen eingeschüchtert werden sollten. Er kündigte an, die Firma werde den Entlassenen Abfindungen zahlen, die anderen könnten ab Montag wieder arbeiten.

In der Textilindustrie Kambodschas sind rund 650.000 Menschen tätig. Der Multimilliarden-Sektor ist eine wichtige Devisenquelle für das verarmte asiatische Königreich. In letzter Zeit haben sich Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und Löhne gehäuft.