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Indien geht gegen Toilettenentleerung per Hand vor

Neu Delhi (afp) – Das indische Parlament will die noch weit verbreitete Beschäftigung von Arbeitern zur Entleerung von Toiletten per Hand endgültig untersagen. Die Abgeordneten des Unterhauses votierten am späten Freitagabend für ein Gesetz, das die Anstellung von Arbeitern verbietet, die Fäkalien von Hand aus Toiletten holen und entsorgen müssen. Bei Verstößen droht den Arbeitgebern eine Geldstrafe oder sogar Gefängnis von bis zu einem Jahr.

Außerdem ist nach dem Gesetz künftig auch der Bau von Toiletten verboten, die keine Wasserspülung haben. Zudem sind Strafen für Kommunen vorgesehen, die Abwasserkanäle- und anlagen ohne Schutzkleidung reinigen müssen.

Die „unmenschliche Praxis“ der Toilettenreinigung von Hand verstoße gegen das Recht auf ein würdevolles Leben, sagte die Ministerin für soziale Gerechtigkeit, Kumari Selja, nach der Annahme des Gesetzes durch das indische Unterhaus. „Wir möchten dieses Stigma und diesen Schandfleck aus der Gesellschaft verbannen“. Die Maßnahme sieht auch Umschulungen und Unterstützung für Familien vor, in denen Mitglieder solch einen Job haben. Die Arbeiter stehen in Indien am untersten Rand der Gesellschaft und werden oft wie Aussätzige behandelt.

Die Praxis der manuellen Toilettenleerung ist eigentlich bereits seit 1993 verboten. Das Gesetz belegte aber die Arbeiter selbst mit Strafen und erwies sich als nahezu wirkungslos.

Indien hat ein massives Problem mit fehlenden Abwassersystemen und Sanitäranlagen. Mehr als 600 Millionen Inder haben keinen Zugang zu einfachsten Toiletten – sie verrichten ihre Notdurft auf Straßen, Feldern und in Gewässern. Der Minister für ländliche Entwicklung, Jairam Ramesh, sagte im vergangenen Jahr, Indien habe „mehr Tempel als Toiletten“.

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CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

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