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"So einen kann man nicht vor die Türe setzen": Edeka-Markt mit außergewöhnlichen Mitarbeitern

Fünf Arbeitnehmer mit unterschiedlichen Problemen beschäftigt Markus Hetzenegger in seinen Edeka-Märkten. Zu viele dürfen es nicht sein, sagt der Kaufmann. Denn es braucht auch Mitarbeiter, die diese Kollegen anleiten können. Mit seiner Personalpolitik wolle er eine Verantwortung wahrnehmen, der sich jedes Unternehmen stellen solle.

Bergisch Gladbach (csr-news) – Fünf Arbeitnehmer mit unterschiedlichen Problemen beschäftigt Markus Hetzenegger in seinen Edeka-Märkten. Zu viele dürfen es nicht sein, sagt der Kaufmann. Denn es braucht auch Mitarbeiter, die diese Kollegen anleiten können. Mit seiner Personalpolitik wolle er eine Verantwortung wahrnehmen, der sich jedes Unternehmen stellen solle.

Dass in den Edeka-Märkten Hetzenegger junge Menschen mit Problemen die Chance auf eine Ausbildung finden, hat sich herumgesprochen. Die Adresse ist inzwischen bei den Sozialarbeitern von Caritas und Diakonie bekannt, die solche jungen Menschen begleiten. Der Urgroßvater Hetzenegger startete das Unternehmen vor 119 Jahren als Kolonialwarenladen im Verbund mit einer Gaststätte. Heute haben die beiden in Außenbezirken von Bergisch Gladbach gelegenen Märkte 120 Mitarbeiter, darunter 50 Festangestellte. Das gesellschaftliche Engagement seiner Familie sieht Hetzenegger ist im christlichen Glauben begründet: „Wir sind alle in der Kirche aktiv gewesen.“

Markus Hetzenegger war in der katholischen Jugendarbeit engagiert. Manche seiner heutigen Mitarbeiter kennt er noch aus dieser Zeit. Die Beziehungen im Ort besitzen für den Familienbetrieb eine hohe Bedeutung. Und manchen seiner „integrationsbedürftigen“ Arbeitnehmer hat der Kaufmann in Kontakt mit Ortsvereinen gebracht.

Paul D. kam durch den katholischen Pfarrer zu Hetzenegger. Aufgrund seiner Krankheit fand er keine Arbeit. Er ist jetzt als Aushilfe in dem Edeka-Markt tätig und „identifiziert sich sehr mit dem Betrieb“, sagt sein Arbeitgeber.

Oliver H. fing mit Unkrautjäten auf dem Marktgelände an und wollte unbedingt im Getränkemarkt arbeiten. Seine Intelligenz liegt im Grenzbereich zur geistigen Behinderung, er brauchte eine lange Anlernphase und geduldige Begleitung. Nachbarn berichteten, dass sich Oliver H. schon auf die Arbeit freut, wenn er morgens die Fenster öffnet. Bei einer lebensrettenden Operation drängte er den Arzt zu einem Anruf in der Firma und der Mitteilung, dass er bald wieder da sein werde. „So einen kann man nicht vor die Türe setzen“, sagt Hetzenegger. Heute ist Oliver H. über 60 Jahre alt, erhält Sozialleistungen und darf 165 Euro hinzuverdienen. Die Arbeit bietet ihm soziale Kontakte und Anerkennung. Hetzenegger: „Die Kunden kennen ihn“. Und wenn Herr H. wieder einmal Angst um seinen Arbeitsplatz hat, lässt der Chef ihn wissen: „Du wirst immer gebraucht.“

Furad U. hat eine Verkäuferausbildung in den Edeka-Märkten durchlaufen, obwohl er nicht an der Kasse eingesetzt werden kann. Er lebt mit sozialen Einschränkungen, eine Kommunikation mit den Kunden gelingt ihm nicht. Dafür pflegt er das Warensortiment vorbildlich und mit großem Interesse. Inzwischen haben sich neben den sozialen auch körperliche Beschränkungen eingestellt und er ist als Aushilfe für seinen früheren Ausbildungsbetrieb tätig.

Das Engagement für Menschen in schwierigen Lebenslagen beinhaltet Herausforderungen, was Markus Hetzenegger nicht verschweigt: Die anderen Mitarbeiter „müssen sich manchmal doppelt schlagen“. Und es gab auch Enttäuschungen: Vor zwei Jahren erzählte ein neu eingestellter junger Mitarbeiter im Dorf: „Da kann man gut klauen, die merken nichts.“ Das berichtete ein Zuhörer einem Edeka-Mitarbeiter und der erzählte es seinem Chef. Den jungen Mann kostete das den Job. Markus Hetzenegger: „Ich bin kein Samariter und lass‘ mich nicht beklauen.“

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