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Förderschüler: Praktika bieten Brücken in Ausbildung und Arbeit

Etwa 350.000 Kinder und Jugendliche besuchen in Deutschland eine Förderschule. Dort sollen sie einen auf ihre körperlichen, sozialen oder intellektuellen Defizite ausgerichteten Unterricht erhalten. Wie aber geht es nach der Schule weiter? Der Besuch von CSR NEWS in einer Förderschule zeigt, wie wichtig es ist, dass Betriebe diesen jungen Leuten mit dem Angebot von Praktikumsplätzen Brücken bauen.

Hückeswagen (csr-news) – Etwa 350.000 Kinder und Jugendliche besuchen in Deutschland eine Förderschule. Dort sollen sie einen auf ihre körperlichen, sozialen oder intellektuellen Defizite ausgerichteten Unterricht erhalten. Wie aber geht es nach der Schule weiter? Der Besuch von CSR NEWS in einer Förderschule zeigt, wie wichtig es ist, dass Betriebe diesen jungen Leuten mit dem Angebot von Praktikumsplätzen Brücken bauen.

Die Hückeswagener Erich Kästner Schule integriert die Förderschwerpunkt Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung. Zu den 134 Schülern gehören ebenso autistische Kinder wie solche mit unbewältigten traumatischen Erlebnissen oder aggressiven Störungen. Die Jungen und Mädchen können dort neben dem Förderschulabschluss auch die Hauptschulabschlüsse Typ 10A und 10B erreichen oder den Hauptschulabschluss nach Klasse 9. Möglichst gute Abschlüsse sind die besten Eintrittskarten in den Beruf, weiß Schulleiterin Renate Mohr.

Gerade in den oberen Klassen dreht sich vieles um die Berufsvorbereitung. Unterrichtsziel ist die Entwicklung von Schlüsselqualifikationen für die Arbeitswelt: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Höflichkeit, Teamfähigkeit und körperliche Belastbarkeit. So nehmen die Jungen und Mädchen nehmen dem Fachunterricht an Schülerfirmen teil. Hier erleben sie – innerhalb des Schonraums Schule – echte Arbeitsbedingungen. Das Schülercafé, das Bistro, die Fahrradwerkstatt oder der Bereich Garten sind solche Schülerfirmen. Der Lehrer Manuel Anastasi leitet neben seinem Unterricht das Schülerbistro. Zwei Erwachsene und drei Jugendliche bereiten hier täglich zwischen 20 und 50 Mittagsmahlzeiten für Schüler und Lehrer vor. Und die Schüler der 10. Klasse organisieren in den Pausen ein Schülercafé, wobei ihnen ein Lehrer beratend zur Seite steht.

Erste Begegnungen mit der Berufswelt ermöglichen die Praktika. Bereits in der 7. Klasse wechseln die Schüler für ein zweiwöchiges Sozialpraktikum in ein Altersheim, ein Krankenhaus oder eine Kindertagesstätte. In der 8. Klasse folgt ein einwöchiges Orientierungs-, in der 9. und 10. Klasse jeweils ein dreiwöchiges Betriebspraktikum. Nach dem Praktikum in Klasse 10 arbeiten die Schüler einen Tag pro Woche im Betrieb. So hat schon mancher „einen Fuß in die Türe bekommen für eine Ausbildung oder ein freiwilliges soziales Jahr“, berichtet Anastasi. Denn in Vorstellungsgesprächen können sich die jungen Leute häufig schlecht verkaufen.

Das hat Dirk erlebt: Der leicht autistische Jugendliche spricht wenig und dazu undeutlich, ist aber intelligent und bringt ausgezeichnete schulische Ergebnisse. Die Mathematikprüfung für den 10B-Abschluss absolvierte er fehlerfrei. Wegen seiner guten Ergebnisse wurde Dirk überall dort zu Gesprächen eingeladen, wo er sich beworben hatte – und fand trotzdem keine Lehrstelle. Jetzt bereitet er sich auf einer Fachoberschule auf das technische Fachabitur vor.

Anders lief es bei Marc: Er stammt aus einer wirtschaftlich armen Familie und auch er redet wenig. Während seines Praktikums in einer Tischlerei erwies sich Marc als überaus fleißig – und wurde in eine Ausbildung übernommen.

Deshalb sind die Praktika so wichtig. Aber es ist für Schulleiterin Renate Mohr und ihr Team nicht leicht, eine ausreichende Zahl an Beschäftigungsstellen zu finden. Einerseits gibt es Überschneidungen mit den Praktikumszeiten anderer Schulen. Andererseits gingen Stellen verloren, weil sich die jungen Leute dort unangemessen verhielten: sie fehlten unentschuldigt oder stahlen aus ihrem Betrieb. Bei Problemen stehen die Lehrer bereit: Sie sind an den Praxistagen in den Betrieben unterwegs und begleiten die Praktika intensiv. Und sie wollen das Netzwerk zu Betrieben ausbauen, die Praktika und Ausbildungsstellen anbieten.

Wohin wechseln die 13 Abgänger aus diesem Schuljahr? Anastasi zählt zusammen: Sechs beginnen Ausbildungen – zum Verkäufer, KFZ-Lackierer, Heizungsinstallateur, Zerspanungsmechaniker und Tischler -, eine startet in ein freiwilliges soziales Jahr, ein Schüler wechselt auf die Fachoberschule für Technik, eine Schülerin will staatlich geprüfte Sozialhelferin werden und vier besuchen ein Berufsgrundschuljahr. Letzteres versuchen die Lehrer zu vermeiden, ist es doch oft eine Warteschleife für junge Leute ohne Ausbildungsplatz oder ohne konkretes Berufsziel.

Welche Voraussetzungen braucht ein Betrieb, der Förderschüler als Praktikanten oder Auszubildende beschäftigt? Anastasi: „Die Ausbilder müssen keine Pädagogen sein, aber Verständnis für die Andersartigkeit mitbringen.“