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CCC fordert Kik zu mehr Engagement auf – Verhandlungen zu Unglücken in Bangladesch beginnen

Ein Jahr nach der Brandkatastrophe in der pakistanischen Textilfabrik Ali Enterprises mit 289 Toten hat die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) den Textildiscounter Kik aufgefordert, sich für die Auszahlung der zugesagten Langzeit-Entschädigungen einzusetzen. In Genf begannen zudem heute die Verhandlungen über die Entschädigung für die Opfer zweier Katastrophen in den Textilfabriken von Bangladesch.

Berlin (afp/csr-news) – Ein Jahr nach der Brandkatastrophe in der pakistanischen Textilfabrik Ali Enterprises mit 289 Toten hat die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) den Textildiscounter Kik aufgefordert, sich für die Auszahlung der zugesagten Langzeit-Entschädigungen einzusetzen. In Genf begannen zudem heute die Verhandlungen über die Entschädigung für die Opfer zweier Katastrophen in den Textilfabriken von Bangladesch.

Kik müsse dazu beitragen, dass alle Verantwortlichen an Verhandlungen über diese Entschädigungen teilnehmen, verlangte die CCC am Dienstag in Berlin. Hier habe sich das Unternehmen „bislang nicht besonders engagiert“, kritisierte die CCC-Koordinatorin Frauke Banse. Kik hatte den Opfern der Brandkatastrophe eine Million Dollar (heute rund 760.000 Euro) Soforthilfe gezahlt. Die Verteilung wurde in Kooperation mit der lokalen NGO Piler und unter Leitung einer Kommission des obersten Gerichts der Provinz Sindh bereits abgeschlossen.

Ferner sicherte Kik zu, sich auch an Langzeit-Entschädigungen zu beteiligen. Die Verhandlungen darüber haben aber noch nicht begonnen. Kik will die langfristige Hilfe für Opfer und Angehörige von einer breiten Allianz getragen wissen, was auch die Verantwortung staatlicher Behörden, der Eigentümer und Zertifizierungsunternehmen für die Katastrophe gerecht werden solle. Laut Banse sollen die Familien der Opfer ein Schmerzensgeld sowie Entschädigungen für den Einkommensverlust bekommen – den ausgefallenen Lohn inklusive Inflationsausgleich für ein Arbeitsleben. Die Summe – im Raum stehen rund 20 Millionen Euro – sollen sich die Eigentümer der Fabrik, der pakistanische Staat, zwei internationale Gutachterfirmen und der Abnehmer Kik teilen. Die Gutachter hatten das Gebäude in Karachi als sicher bezeichnet und seien daher mitschuldig am Tod der Menschen in der Fabrik, erklärte die CCC.

In Genf begannen derweil heute Verhandlungen über Entschädigungszahlungen für die Opfer der Katastrophen in zwei Textilfabriken in Bangladesch begonnen. Bei den Gesprächen hinter verschlossenen Türen ging es zunächst um den Brand in der Textilfabrik Tazreen im vergangenen November, bei dem 110 Menschen starben. Am Donnerstag sollte der Einsturz des Rana Plaza im Mittelpunkt stehen, bei dem im April mehr als 1100 Menschen ums Leben kamen, sowie die Einrichtung eines Entschädigungsfonds.

Moderiert werden die Gespräche zwischen den Markenkonzernen, Zulieferfirmen, Behördenvertretern und Arbeitnehmervertretern von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Diese werde aber eine neutrale Haltung in den Gesprächen einnehmen, betonte ein Sprecher der Organisation. Genauso wichtig wie Entschädigungen seien bessere Sicherheitskontrollen vor Ort. Aus Deutschland sind nach Angaben der CCC, die als Beobachterin an dem Treffen teilnimmt, die Unternehmen Kik, NKD, Adler, Güldenpfennig, Kids Fashion Group, Karl Rieker und C&A vertreten.

Bei einem Treffen im April am Sitz des Gewerkschaftsbundes Industriall hatten die europäischen Unternehmen C&A, Kik und El Corte Inglés zugestimmt, umgerechnet 4,3 Millionen Euro in einen Entschädigungsfonds für die Opfer von Tazreen einzuzahlen. Das Geld für die Opfer und die Hinterbliebenen komme von den Arbeitgebern in Bangladesch, den ausländischen Unternehmen, der Regierung und den Arbeitgeberverbänden in Bangladesch, erklärte Tom Grinter von Industriall. „Heute überprüfen wir, wie viel sie gezahlt haben.“ Bei der eingestürzten Fabrik Rana Plaza gehe es um langfristige Entschädigungen in Höhe von mehr als 54 Millionen Euro.