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„Positive Einzelfälle“: Arbeitgeberverantwortung im Gastgewerbe

Viel Arbeit und wenig Lohn: Dem Gastgewerbe geht der Nachwuchs aus. Wer seine Mitarbeiter wertschätzt, hat mit geringeren Rekrutierungsproblemen zu kämpfen, sagt Guido Zeitler. Mit dem Referatsleiter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sprach Elke Bieber für das CSR MAGAZIN.

Hamburg (csr-news) – Viel Arbeit und wenig Lohn: Dem Gastgewerbe geht der Nachwuchs aus. Wer seine Mitarbeiter wertschätzt, hat mit geringeren Rekrutierungsproblemen zu kämpfen, sagt Guido Zeitler. Mit dem Referatsleiter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sprach Elke Bieber für das CSR MAGAZIN.

CSR MAGAZIN: Die Zahl der Ausbildungen im Hotel- und Gastgewerbe sinkt seit Jahren massiv, zugleich werden immer mehr Ausbildungsverträge aufgelöst – warum?

Guido Zeitler: Im DGB-Ausbildungsreport, einer jährlichen Erhebung unter rund 12.000 Auszubildenden, rangieren Gastronomieberufe wie Hotel- und Restaurantfachfrau oder Koch ganz unten. Die jungen Leute begründen das mit den langen Arbeitszeiten, unbezahlter Mehrarbeit im großen Stil und dem willkürlichen Verfügen über ihre Privatzeit. Gesetze einzuhalten, etwa das Arbeitszeitgesetz und das Jugendarbeitsschutzgesetz, spielt in dieser Branche keine große Rolle. Bei mehr als 100.000 Betriebsstätten ist die Wahrscheinlichkeit gering, wegen der durchgängigen Verstöße zur Rechenschaft gezogen zu werden. Begründet wird dieser Umgang mit den Beschäftigten mit dem Argument „Der Gast ist König“. Meiner Meinung nach liegt es jedoch in der Verantwortung der Betriebe, diesen Anspruch im Rahmen der Gesetze einzulösen.

Inzwischen fehlt der Branche der Berufsnachwuchs…

Seit 2007 schrumpft die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse jedes Jahr zwischen sieben und zehn Prozent, und das wird so weitergehen. Inzwischen überbieten die Arbeitgeber in Tarifverhandlungen sogar unsere Forderungen nach höheren Ausbildungsvergütungen. Doch das allein wird die Schulabgänger nicht ins Hotel- und Gastgewerbe locken. Denn auch nach der Ausbildung kommen die jungen Fachkräfte nur gerade so über die Runden. Zum Beispiel in Hamburg – hier brauchen sie oftmals noch die Unterstützung ihrer Eltern oder einen Zweitjob, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können. Da schüttelt man den Kopf. Oder in Mecklenburg-Vorpommern – dort kommt eine ausgebildete Hotelfachfrau auf 7,20 Euro die Stunde. Das ist weniger als der Verdienst der Reinigungskraft eines externen Unternehmens, die im selben Haus arbeitet, aber mehr als acht Euro bekommt. 75 Prozent der Beschäftigten im Gastgewerbe sind im Niedriglohnsektor tätig. Das bietet wenig Perspektiven.


Guido Zeitler

Wie steht es um die Karrierechancen?

Natürlich kann man auch Hoteldirektor werden, doch hier ist die Zahl der Stellen begrenzt. Und als Abteilungsleiter trägt man für 2500 Euro brutto im Monat viel Verantwortung und eine hohe zeitliche Belastung. Wer seine Ausbildung trotz allem beendet hat, steigt dann oft kurz danach aus der Branche aus, oder wenn die Familiengründung ansteht. Denn trotz einiger positiver Beispiele zur Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf zeigen sich die Betriebe meist unflexibel, wenn es gilt, die Arbeitsschichten an die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder anzupassen.

Wie beurteilen Sie Personalkonzepte, die nicht in erster Linie auf Geld, sondern auf Wertschätzung setzen?

Begrüßenswert! Denn der Umgang mit Gästen erfordert hohe soziale Kompetenzen und frustriert auch mal. Darum ist Wertschätzung äußerst wichtig. Unternehmen, die sie praktizieren, haben weniger Rekrutierungsprobleme. Allerdings lösen diese Einzelfälle das Problem der Branche nicht. Verbindet man die Wertschätzung zudem mit einem sehr hohen, ausgefeilten Leistungsanspruch, so ist zu bedenken, dass nicht jede Belegschaft eine Olympiamannschaft ist. Auch Leistungsschwächere sollten einen fairen Lohn und die Chance bekommen sich zu entwickeln.

Vielen Dank!

Lesen Sie mehr über die Arbeitgeberverantwortung im Gastgewerbe im Beitrag „Wenn Menschlichkeit kein Zufall ist“ in der Septemberausgabe des CSR MAGAZIN: www.csr-magazin.net

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