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Win-Win-Situation für Fische und Fischer: WWF beobachtet Fangboote weltweit per Satellit

Bewegungsprofile von Gesetzesbrechern per Handy-Daten zu erstellen, gehört längst zur Ermittlungsroutine der Kriminalpolizei. Aber auf hoher See weltweit Fischfangboote zu beobachten und Hinweise zu erhalten auf illegalen Fang in verbotenen Zonen? „Kein Problem, wir nutzen Satelliten-Daten, die dafür zwar nicht gedacht sind, aber helfen, dass Spielregeln eingehalten werden“, sagt Alfred Schumm von der Umweltschutzorganisation WWF.

Von Jürgen Oeder

Karlsruhe (afp) – Bewegungsprofile von Gesetzesbrechern per Handy-Daten zu erstellen, gehört längst zur Ermittlungsroutine der Kriminalpolizei. Aber auf hoher See weltweit Fischfangboote zu beobachten und Hinweise zu erhalten auf illegalen Fang in verbotenen Zonen? „Kein Problem, wir nutzen Satelliten-Daten, die dafür zwar nicht gedacht sind, aber helfen, dass Spielregeln eingehalten werden“, sagt Alfred Schumm von der Umweltschutzorganisation WWF.

Dass Schumm in Hamburg auf einem Bildschirm die Bewegungen von bis zu 77.000 Fischerei-Schiffen weltweit nachvollziehen und prüfen kann, ob sie sich beim Milliardengeschäft mit Fisch an international vereinbarte Spielregeln halten, verdankt er sogenannten AIS-Funksignalen. Mit diesem Automatischen Identifikationssystem tauschen Schiffe ab 20 Metern Länge permanent Navigations- und anderen Schiffsdaten aus, etwa um Zusammenstöße zu verhindern.

„Es war zwar bei der Einführung des AIS nicht vorgesehen, aber diese Daten können auch von Satelliten empfangen und erworben werden“, sagt Schumm. 300.000 Euro investiert der WWF für dieses Projekt: Anhand der AIS-Daten kann Schumm nun schwarze und weiße Schafe beim Fischen unterscheiden. Er sieht, ob sie sich an Fangverbote in Schutzzonen halten, oder ob sie dort plötzlich langsamer fahren, wie das beim Schleppen von Netzen üblich ist.

Dass diese Bewegungsprofile allein keine gerichtsfesten Beweise für illegales Fischen sind, ist für Schumm kein Problem: „Wir wollen keine schwarzen Schafe öffentlich anprangern, sondern den Run auf die letzten Ressourcen dadurch beenden, dass sich immer mehr Fischer an Regeln halten“, sagt der Direktor der WWF „Smart Fishing Initiative“.

Schwarze Schafe werden zwar auf Verstöße angesprochen, die Fischer aber insgesamt mit dem Hinweis gelockt, dass sie mit dem vom WWF beobachteten Einhalten der Regeln mehr Profit machen können. Mit rund 90 Millionen Tonnen Wildfisch, der weltweit im Jahr aus den Meeren gezogen wird, ist zwar gutes Geld zu machen. Aber mehr noch, wenn die Tiere aus einer von unabhängigen Organisationen geprüften nachhaltigen Fischerei stammen.

Immer mehr Verbraucher sind weltweit bereit, für solche Ware mehr zu bezahlen. Davon profitiert die gesamte Wertschöpfungskette, von Supermärkten, die wie hierzulande Edeka und Kaufland mit MSC-Siegeln zu nachhaltigem Fischfang werben, bis hin zu Bootseignern auf den fernen Fidschi-Inseln im Pazifik: Sie kooperieren nun mit dem WWF. Via AIS prüft der WWF die Einhaltung von Regeln auf See, und die Fischer können so ihren Thunfisch als nachhaltig gefangenen besser auf dem Weltmarkt absetzen.

Dass mit nachhaltigem Fang mehr verdient wird, bestätigt auch der Deutsche Hochseefischereiverband und fordert seinem Sprecher Claus Ubl zufolge selbst „eine weitere Ausbreitung des Nachhaltigkeitssiegels MSC für möglichst viele Fischarten“. Mit dem Ansatz, Fischereien über den Profit zur Einhaltung von Regeln auf hoher See zu bringen, hat der Hochseefischereiverband kein Problem. „Es kann nur gut sein, wenn weniger illegaler Fisch auf dem Markt ist, denn der macht auch die Preise kaputt“, sagt Ubl.

Zu der Win-Win-Situation für Fischer und Fische können auch die Verbraucher in Deutschland beitragen: 15 Kilogramm Fisch isst jeder Bundesbürger pro Jahr. „Zehn Prozent davon stammen aber noch immer aus illegalen Fängen“, sagt Schumm.

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CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

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