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Shell und Anwohner von Nigerdelta uneins über Entschädigung

Lagos (afp) – Bewohner des nigerianischen Niger-Deltas haben ein Angebot des Ölkonzerns Shell über Entschädigungszahlungen für Ölverschmutzungen zurückgewiesen. Es sei keine Einigung über Schadensersatzzahlungen erzielt worden, teilte Shell am Freitag mit. Die Gespräche hatten am Montag in der Stadt Port Harcourt begonnen. Etwa 15.000 Bewohner der Fischergemeinde Bodo im Bundesstaat Rivers fordern Entschädigung für zwei Ölkatastrophen, die das Gebiet im Jahr 2008 verschmutzt hatten.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen bot der britisch-niederländische Konzern den Anwohnern insgesamt 7,5 Milliarden Naira (rund 35 Millionen Euro) an. Beide Seiten nannten keine Gesamtzahl. Martyn Day von der Londoner Anwaltskanzlei Leigh Day, welche die Anwohner von Bodo vertritt, sagte lediglich, jeder Betroffene würde nach dem Angebot von Shell 275.000 Naira (rund 1300 Euro) erhalten, wenn die an die Gemeinschaft zu zahlende Summe abgezogen würde. Die Gemeinde habe das Angebot einstimmig abgelehnt. Das Angebot des Ölkonzerns sei “vollkommen lächerlich und beleidigend für die Dorfbewohner”, sagte Day.

Fortschritte gab es laut Shell bei den gleichzeitig geführten Verhandlungen über die Reinigung des Gebiets. Am 26. und 27. September solle weiter verhandelt werden, hieß es. Die Gespräche finden unter der Vermittlung des niederländischen Botschafters in Nigeria statt.

Nach Angaben der Anwälte der Betroffenen verschmutzte auslaufendes Öl zwei Mal im Jahr 2008 die Umwelt so sehr, dass Bauern und Fischer ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt wurden. Demnach liefen zwischen 500.000 und 600.000 Barrel Öl aus. Shell räumte im Jahr 2011 seine Verantwortung ein. Gibt es keine Einigung über Schadensersatz, könnte der Fall vor einem britischen Gericht landen. Nigeria ist der größte Ölproduzent Afrikas. Dennoch leben die meisten Bewohner des ölreichen Nigerdeltas in bitterer Armut.