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Handel mit Zertifikaten soll Flächenverbrauch reduzieren

Wir verbrauchen fast dreimal so viel Fläche, wie wir sollten, mehr als 80 Hektar Land werden jedem Tag erstmals zur Bebauung freigegeben. Nach wie vor eines der ungelösten Umweltprobleme unseres Landes. Liegt die Lösung etwa im Handel mit Flächenzertifikaten? Das Umweltbundesamt hat dazu heute einen Modellversuch gestartet, an dem sich 16 Kommunen beteiligen.

Dessau-Roßlau (csr-news) > Wir verbrauchen fast dreimal so viel Fläche, wie wir sollten, mehr als 80 Hektar Land werden jedem Tag erstmals zur Bebauung freigegeben. Nach wie vor eines der ungelösten Umweltprobleme unseres Landes. Liegt die Lösung etwa im Handel mit Flächenzertifikaten? Das Umweltbundesamt hat dazu heute einen Modellversuch gestartet, an dem sich 16 Kommunen beteiligen.

Laut nationaler Nachhaltigkeitsstrategie sollen täglich nicht mehr als 30 Hektar neues Land zur Bebauung freigegeben werden. Tatsächlich sind es fast dreimal so viel, insgesamt mehr als 120.000 Hektar in den vergangenen Jahren – eine Fläche, die ungefähr so groß ist wie Berlin und München zusammen. Fachleute sehen im Zertifikate-Handel eine wirksame Alternative, um das 30-Hektar-Ziel bis 2020 zu erreichen. Der Modellversuch „Planspiel Flächenhandel“ soll die notwendigen Erkenntnisse bringen. „Das Ziel ist klar: Wir wollen den Flächenverbrauch reduzieren“, so Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). „Auch elf Jahre nach der Verabschiedung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sind wir noch weit davon entfernt, unser Ziel zur Verminderung des Flächenverbrauchs zu erreichen“. Das Problem des Flächenverbrauchs ist, dass er kaum als Problem wahrgenommen wird. Flächenverbrauch ist ein schleichendes Phänomen, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium, dabei ist auch unser Boden eine endliche Ressource die einen sparsamen Umgang erfordert. Eines der Probleme ist die Freigabe von Ackerfläche zur Bebauung für Straßen, Einkaufszentren, Siedlungen oder Gewerbegebiete. Damit geht nicht nur Fläche für die heutige Nahrungsmittelproduktion verloren. Auf den von 2008 bis 2011 umgewidmeten rund 120.000 Hektar Land, könnte man beispielsweise den Jahresbedarf an Brot für mehr als 13 Millionen Menschen produzieren. Die Zerstörung wertvollen Bodens hat auch Folgen für künftige Generationen. „Um gewachsenen Boden mit seinen natürlichen Bodenfunktionen wieder herzustellen, bedarf es Jahrtausende“, so UBA-Präsident Flasbarth.

Abhilfe könnte ein Handel mit Flächenzertifikaten schaffen. Allerdings gibt es auch noch viele Fragen, wie ein solcher Handelsmechanismus genau gestaltet sein sollte. Deshalb haben die Koalitionsparteien der Bundesregierung vor vier Jahren im Koalitionsvertrag beschlossen, den Handel mit Flächenzertifikaten zunächst bundesweit gemeinsam mit den Kommunen im Modellversuch im Rahmen eines Planspiels „Flächenhandel“ zu erproben. Den Kommunen werden dabei Flächenausweisungsrechte in Form von Zertifikaten kostenlos zugeteilt. Diese Flächenzertifikate benötigen sie, wenn sie außerhalb der Städte neue Fläche für die Bebauung ausweisen wollen. Wer nicht genug Zertifikate hat, muss sie von anderen Kommunen, die nicht im Außenbereich bauen wollen und Zertifikate übrig haben, kaufen. Insgesamt werden nur so viel Zertifikate auf die Kommunen verteilt, wie Flächen verbraucht werden. Für die Kommunen kann sich bei sparsamen Wirtschaften der Handel mit den Zertifikaten lohnen, weil sie dann Geld einnehmen können, um zum Beispiel Flächenrecycling oder Energiesparmaßnahmen zu finanzieren. Der Modellversuch wurde vom UBA gründlich vorbereitet und ist nun in der ersten Phase mit 15 Kommunen gestartet. Das sind: Dessau-Roßlau,  Mönchengladbach, Bad Säckingen, Ostfildern, Esslingen am Neckar, Ludwigsburg, Rendsburg, Büdelsdorf, Schacht-Audorf, Osterrönfeld, Hoya, Warpe, Hassel, Meerane und die Stadt Spremberg. Nach der Startphase können noch weitere 50 bis 100 Kommunen an dem „Planspiel Flächenhandel“ teilnehmen.

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