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Freiwilliges CSR-Engagement von Unternehmen reicht nicht aus

Reicht das freiwillige CSR-Engagement europäischer Unternehmen aus, vor allem im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele der Europäischen Union? Es sieht nicht so aus. Das Öko-Institut hat in einem Forschungsprojekt diesen Aspekt untersucht und ruft nun die Politik auf, regulatorisch stärker einzugreifen.

Brüssel (csr-news) > Reicht das freiwillige CSR-Engagement europäischer Unternehmen aus, vor allem im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele der Europäischen Union? Es sieht nicht so aus. Das Öko-Institut hat in einem Forschungsprojekt diesen Aspekt untersucht und ruft nun die Politik auf, regulatorisch stärker einzugreifen.

IMPACT heißt das Studienprojekt und es soll die Wirksamkeit freiwilliger CSR-Maßnahmen von Unternehmen untersuchen. Welchen Beitrag leisten diese Maßnahmen für eine nachhaltigere Gesellschaft. Wobei Freiwilligkeit alle Maßnahmen meint, die nicht durch Gesetze oder Verordnungen bereits vorgeschrieben sind. Insgesamt 2000 große und 5000 kleine Unternehmen wurden für die Studie analysiert, darüber hinaus sind 19 Großunternehmen im Rahmen einer Fallstudie genauer untersucht worden. Zudem umfasst das Forschungsprojekt die Bewertung von fünf CSR-Netzwerken und die schriftliche Befragung von 500 CSR-Experten in einer eigenen Studie. Genug Material um eine klare Aussage treffen zu können? Das Fazit scheint klar: „Freiwillige CSR ist gut und wichtig, aber eben nicht ausreichend“, so Christoph Brunn, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Synthese der empirischen Ergebnisse am Öko-Institut. Insgesamt 48 Nachhaltigkeitsthemen wurden untersucht, wobei die Aspekte Umwelt du Arbeit den Schwerpunkt ausmachten. „Um feststellen zu können, ob in den genannten Bereichen tatsächlich Verbesserungen erreicht werden konnten, haben wir quantitative und qualitative Daten von Unternehmen der letzten Jahre verglichen, die als Indikatoren für Nachhaltigkeit relevant sind. Zu ihnen zählen beispielsweise deren CO2-Emissionen oder deren Rohstoffverbrauch“, erklärt Brunn.

Es zeigte sich, dass ein großer Teil der Unternehmen, egal welcher Größenordnung, CSR-Aktivitäten verfolgt und ein Bewusstsein für die verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen vorhanden ist. Allerdings ist die Lücke zwischen Bewusstsein und Handeln sehr groß. So zeigt die Datenauswertung, dass beispielsweise die Problematiken um die Verwendung von kritischen Rohstoffen in der Automobilindustrie oder das Thema Wasserverbrauch in der Bekleidungsindustrie zwar bereits in den Köpfen der Unternehmensverantwortlichen verankert ist, aber keine Maßnahmen zum Schutz des Wassers oder dem bewussteren Umgang mit kritischen Rohstoffen folgen. Das Thema Landnutzung wurde von den meisten Unternehmen überhaupt nicht als nachhaltigkeitsrelevant erachtet. Gerade beim Einzelhandelssektor, der mit seiner Vielzahl an Märkten maßgeblichen Einfluss auf die Landnutzung hat, steht das Thema nicht auf der Agenda.

Dennoch, die Forscher konnten insgesamt die Wirksamkeit von CSR nachweisen. CSR hat demnach einen gesellschaftlichen Nutzen, auch wenn die Forscher nur von einem „leicht positiven Effekt“ sprechen, unter Berücksichtigung aller Aspekte sogar nur von einem „geringen Effekt“. Eine eindeutige Antwort, ob CSR auch zu einem ökonomischen Gewinn führt, kann auch nach Abschluss der Studie nicht pauschal, sondern nur für jedes Nachhaltigkeitsthema einzeln gegeben werden. „Wir sehen, dass sich Unternehmen bemühen, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen“, fasst Brunn zusammen. „Es ist aber unerlässlich, dass sie sich dort starkmachen, wo sie die größte, tatsächliche Wirkung, gerade für ihren Industriezweig, erzielen können“. Und das reicht bei Weitem nicht aus, die Studienergebnisse weisen eindeutig darauf hin, dass ein „weiter so“ keine grundlegende Wende hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften bringen wird. Das bisherige Vertrauen in Selbstverpflichtungen oder freiwillige Einzelmaßnahmen der Industrie erweisen sich als nicht ausreichend. Auch die bislang nur „weichen“ politischen Anreize wie Awards und Informations- sowie Netzwerkplattformen für CSR-Engagement in Deutschland haben keinen maßgeblichen Einfluss.

Das Öko-Institut sieht deshalb die Politik in der Pflicht. Sie müsse ihr verfügbares Instrumentarium besser nutzen, regulatorisch stärker eingreifen und wenn nötig auch vor härteren Maßnahmen wie Mindeststandards oder Verboten nicht zurückzuschrecken. Dabei müssten sich freiwillige und gesetzliche Maßnahmen gar nicht gegenseitig ausschließen. Selbst in Themengebieten, die dicht reguliert sind, wie beispielsweise die Chemikaliennutzung oder die Arbeitssicherheit, konnten die Forscher freiwillige Maßnahmen identifizieren, die über das bereits hohe gesetzliche Mindestmaß hinausgehen.

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