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Französischer Minister kritisiert deutsche Löhne

Paris (afp) – Wenige Tage vor der Bundestagswahl hat Frankreichs sozialistischer Verbraucherminister Benoît Hamon die Lohnpolitik in Deutschland scharf kritisiert. Das deutsche Wirtschaftsmodell sollte nicht auf einem „Wettbewerb“ beruhen, „wer Arbeitern am wenigsten zahlen kann“, sagte Hamon dem britischen Sender BBC News in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. „Ich will, dass Deutschland eine Sozialpolitik hat, bei der Wettbewerbsfähigkeit nicht darauf basiert, dass Arbeit mit 400 Euro im Monat entlohnt wird.“ Deutschland müsse „fair spielen“.

Manche Staaten in Europa würden sich um EU-Direktiven zur Beschäftigung drücken und „ihre Arbeiter unterbezahlen“, sagte Hamon zu BBC News. Insbesondere kritisierte er die Löhne in der deutschen Landwirtschaft. „Ich will, dass Deutschland seine Agrarpolitik nicht auf Löhne von sieben Euro die Stunde stützt. Das ist es, was ich von der nächsten deutschen Regierung erwarte“, sagte Hamon, der zum linken Flügel der französischen Sozialisten gehört.

Frankreichs Regierungschef Jean-Marc Ayrault hatte sich kürzlich für einen Mindestlohn in Deutschland sowie insgesamt auf europäischer Ebene ausgesprochen. Ayrault kritisierte „Wettbewerbsverzerrungen“; insbesondere in der Landwirtschaft seien die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland spürbar.

In Frankreich gibt es im Gegensatz zu Deutschland einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn, der derzeit bei rund 9,40 Euro pro Stunde liegt. Während in Deutschland SPD und Grüne für einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro plädieren, sind FDP und Union gegen eine einheitliche gesetzliche Regelung.

Französische Linkspolitiker werfen Deutschland immer wieder vor, die Wettbewerbsfähigkeit durch niedrige Löhne gestärkt zu haben – auf Kosten anderer europäischer Länder, die dadurch weniger exportieren könnten. Frankreich hat in den vergangenen Jahren stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt.