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Gemeinschaftsprojekt tausender Wissenschaftler: Weltklimarat IPCC veröffentlicht neuen Sachstandsbericht

Der Weltklimarat IPCC stellt am kommenden Freitag in Stockholm den ersten Teil seines fünften Sachstandsberichts zur weltweiten Klimaerwärmung und deren Folgen vor. Gegründet wurde das wissenschaftliche Gremium 1988, um Entscheidungsträger weltweit möglichst objektiv über den aktuellen Stand der Klimaforschung zu informieren.

Von Yvonne Brandenberg

Berlin (afp) – Der Weltklimarat IPCC stellt am kommenden Freitag in Stockholm den ersten Teil seines fünften Sachstandsberichts zur weltweiten Klimaerwärmung und deren Folgen vor. Gegründet wurde das wissenschaftliche Gremium 1988, um Entscheidungsträger weltweit möglichst objektiv über den aktuellen Stand der Klimaforschung zu informieren.

Der sogenannte Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) forscht nicht selbst, sondern trägt die Ergebnisse tausender Wissenschaftler aus aller Welt zusammen. Dazu veröffentlichte er seit 1990 alle fünf bis sieben Jahre Sachstandsberichte. Da der IPCC aus drei Arbeitsgruppen besteht, sind auch die Sachstandsberichte in mehrere Teile gegliedert.

Der erste Berichtsteil, der am Freitag vorgestellt wird, beschäftigt sich mit den klimatischen Veränderungen und deren Ursachen. Der zweite Berichtsteil, der Ende März veröffentlicht wird, befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels und Anpassungsstrategien. Im April folgt der Berichtsteil zu den Möglichkeiten einer Abmilderung des Klimawandels. Die Zusammenfassung aller Ergebnisse erscheint schließlich Ende Oktober 2014.

Dem Weltklimarat gehören 195 Mitgliedstaaten an. An dem neuen Sachstandsbericht haben 830 Autoren ehrenamtlich mitgearbeitet, darunter 40 Experten aus Deutschland. Sie trugen seit 2010 wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen. Der mehrere tausend Seiten umfassende Berichtsentwurf wurde zuerst von zahlreichen weiteren Wissenschaftlern begutachtet, an der zweiten Begutachtung waren auch Regierungsexperten der Mitgliedstaaten beteiligt.

Die Regierungen der Mitgliedstaaten verabschieden von Montag an bei einer fünftägigen Plenarsitzung in Stockholm die etwa 30-seitige Zusammenfassung des ersten Berichtsteils Satz für Satz und stellen sich damit hinter die wissenschaftlichen Aussagen des Berichts.

Der IPCC erlebte in den vergangenen 25 Jahren Höhen und Tiefen. 2007 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Später geriet er aber in die Kritik, weil sein Sachstandsbericht von 2007 fälschlicherweise gewarnt hatte, die Gletscher im Himalaya-Gebirge könnten bis zum Jahr 2035 verschwunden sein. Eine Untersuchung ergab, dass dies keineswegs wissenschaftlich fundiert war. Auch andere Detailangaben erwiesen sich als nicht erwiesen oder falsch.

Ende 2009 wurden zudem tausende E-Mails von Forschern der britischen Universität East Anglia öffentlich, die Kritikern zufolge den Verdacht nahelegten, die IPCC-Fachleute selektierten Daten, um die These vom menschenverursachten Klimawandel zu stützen.

Den Vorwurf der gezielten Manipulation wies ein von der UNO eingesetzter Untersuchungsausschuss zurück. Allerdings empfahl er ausdrücklich, künftig in den IPCC-Berichten auch abweichende wissenschaftliche Ansichten darzustellen. Dieser Forderung soll der fünfte Sachstandsbericht nun entsprechen.

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