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IAA-Rückblick: "Die Industrie hat geliefert"

Gestern Abend, die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl liefen über die Bildschirme, da hat auch die 65. Internationale Automobilausstellung in Frankfurt ihre Tore geschlossen. Innovationsfeuerwerk, Besucher- und Ausstelleransturm, Weltpremieren ohne Ende und ein gewaltiger Aufmarsch der Medien, die Branche hat sich präsentiert und gefeiert. Aber hat sie auch Antworten für die Zukunft?

Frankfurt am Main (csr-news) > Gestern Abend, die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl liefen über die Bildschirme, da hat auch die 65. Internationale Automobilausstellung in Frankfurt ihre Tore geschlossen. Innovationsfeuerwerk, Besucher- und Ausstelleransturm, Weltpremieren ohne Ende und ein gewaltiger Aufmarsch der Medien, die Branche hat sich präsentiert und gefeiert. Aber hat sie auch Antworten für die Zukunft?

Wenn man dem Präsidenten des Automobilverbands (VDA) Matthias Wissmann folgt, dann hat die „Industrie geliefert“, und zwar genau die Lösungen, die nach den Vorstellungen des VDA die automobile Zukunft bestimmen. Das hört sich dann so an: „Elektromobilität ist keine Vision mehr, sondern Realität“ oder die „E-Autos kommen jetzt auf die Straße – und zwar in allen Segmenten, vom Kleinwagen bis zum Sportwagen“. Tatsächlich war Elektromobilität eines der zentralen Themen der diesjährigen IAA und das Angebot an Fahrzeugen hat deutlich zugenommen. Nahezu alle nennenswerten Hersteller haben inzwischen mindestens ein Elektrofahrzeug im Programm. Mit der Realität auf Deutschlands Straßen hat, das allerdings nichts zu tun, weder momentan noch in der nahen Zukunft. Mit mehreren zehntausend Zulassungen pro Jahr rechnet Wissmann. In diesem Jahr werden in Europa nach Berechnungen von PwC rund 12 Millionen Neufahrzeuge zugelassen, da sind die Elektrofahrzeuge nicht viel mehr als ein Achtungserfolg. Die Probleme wurden in den vergangenen zwei Jahren nicht wirklich gelöst. Die Reichweite ist zu gering und die Autos zu teuer, Änderung nicht in Sicht. Selbst mit Elektromotor betriebene Kleinwagen sind nicht unter 20.000 Euro zu bekommen und auch in der Mittel- bzw. Oberklasse muss für den Elektromotor tief in die Tasche gegriffen werden. Jetzt ist es in der Automobilindustrie nicht unüblich, neue Technologien in der Oberklasse einzuführen und langsam im Breitengeschäft zur Verfügung zu stellen. Fraglich, ob sich auch Elektrofahrzeuge so ihren Weg auf Deutschlands Straßen bahnen. Denn bei allem Interesse an der Technologie und der Begeisterung für Ansätze, wie sie etwa Tesla bietet, in den meisten Fällen wird ein röhrender Achtzylinder die Qual der Wahl für sich entscheiden – zumal meist auch billiger. Hinzu kommt die nur geringe Bereitschaft der Energiewirtschaft, die notwendige Infrastruktur bereitzustellen, und zwar weit mehr als nur einige Prestigeprojekte. Barbara Samardzich von Ford fasste die zentralen Herausforderungen so zusammen: „Kundenakzeptanz, Lade-Infrastruktur, System-Kosten und Standardisierung“. So wird die Elektromobilität am Henne-Ei-Problem noch eine Weile zu knabbern haben und hauptsächlich Enthusiasten für sich begeistern können.

Aber bedeutet Mobilität zwangsläufig ein eigenes Auto, egal wie es angetrieben wird? In nahezu allen Ballungszentren haben sich inzwischen Car-Sharing-Angebote etabliert und für deren rasante Verbreitung ist vor allem die Automobilindustrie verantwortlich. Alle Hersteller haben eigene Angebote oder sind an entsprechenden Projekten beteiligt. Aber auch Car-Sharing ist eine Nische, ausschließlich in Ballungszentren vertreten, und auch dass wird erstmal so bleiben. Die Branche selber setzt auf das vernetzte Automobil, für den VDA wird das „Auto zur mobilen Kommunikationsplattform“. Ist das die Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft? Immer mehr Spielereien machen die Fahrzeuge letztlich auch immer anfälliger. Schon heute können einfache Störungen in der Bordelektronik die Weiterfahrt unmöglich machen und leider lassen sich die Probleme auch nicht mit einfachen Handgriffen lösen. Vielmehr müssen immer öfter ganze Bauteile ausgetauscht werden. Das ist wohl eher nicht ressourcenschonend und nachhaltig. So ist auch diese IAA zu Ende gegangen, ohne echte Impulse für die Mobilität der Zukunft zu setzen. Die Relevanz der Elektromobilität wird kommunikativ vollkommen überhöht und die Fahrzeuge im eigenen Programm helfen wohl eher den Flottenverbrauch zu senken. Das ist auch nötig, denn ein Ende der Spritfresser ist nicht in Sicht. Es wird viel Ingenieurkunst in die Entwicklung von Assistenzsystemen gesteckt, Know-how, dass vielleicht an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt wäre. So wird die automobile Zukunft vermutlich weiterhin im Stau stattfinden, nur fahren müssen wir nicht mehr. Aber vielleicht liegt die Zukunft auch nicht in nachhaltiger Mobilität, sondern auf anderen Märkten, echtes Wachstum erwarten die Hersteller eher in China.

 

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