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Gewaltsame Proteste in Bangladesch gegen niedrigen Mindestlohn

Dhaka (afp) – Die Demonstrationen der Textilarbeiter in Bangladesch gegen Niedrigstlöhne und schlechte Arbeitsbedingungen sind erneut in Gewalt umgeschlagen: Bis zu 200.000 Menschen gingen am Montag auf die Straßen, zündeten Fabriken an und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Arbeiter fordern eine Erhöhung des Mindestlohns von derzeit knapp 30 Euro im Monat auf umgerechnet 75 Euro.

Der Montag war der dritte Tag in Folge, an dem mehrere zehntausend Textilarbeiter protestierend auf die Straßen gingen. Abdul Baten, Polizeichef des Bezirks Gazipur am Rande der Hauptstadt Dhaka, schätzte die Zahl am Montag auf insgesamt 200.000. Sein Stellvertreter Mustafizur Rahman sagte, 300 Fabriken seien bereits geschlossen worden, um Angriffen der wütenden Demonstranten zu entgehen. Die Polizei habe Gummigeschosse und Tränengas abgefeuert. Mehrere Dutzend Protestierer und einige Polizisten seien bei den Auseinandersetzungen verletzt worden.

In Savar, wo im April das Fabrikgebäude Rana Plaza einstürzte und mehr als 1100 Menschen ums Leben kamen, setzten Arbeiter mindestens zwei Fabriken in Brand, wie der Verband der Textilhersteller und -exporteure mitteilte. Vor dem Sitz des Textilherstellerverbands in der Hauptstadt lieferten sich Demonstranten und die Polizei gewaltsame Auseinandersetzungen. Rund 40 Kilometer nördlich von Dhaka griffen tausende Arbeiter ein Zentrum für Reservepolizisten an und verletzten drei Polizisten, wie die Polizei mitteilte. Demonstranten blockierten die Verbindungsstraßen zwischen der Hauptstadt und Regionen im Westen und Norden stundenlang.

Die Textilarbeiter in Bangladesch gehören zu den am niedrigsten bezahlten der Welt. Die meisten bekommen nur den Mindestlohn, der 2010 nach wochenlangen Protesten auf 3000 Taka (knapp 30 Euro) monatlich heraufgesetzt worden war. Eine Regierungskommission prüft die Forderung der Gewerkschaften nach einer Erhöhung auf rund 8200 Taka (75 Euro).

„8200 Taka sind das Mindeste. Ein Arbeiter braucht sehr viel mehr, um in Würde leben zu können“, sagte Gewerkschafter Shahidul Islam Sabuj der Nachrichtenagentur AFP. Die Preise aller wichtigen Nahrungsmittel seien gestiegen, die Löhne aber nicht, klagte ein Demonstrant.

Proteste gegen Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilbranche sind häufig in Bangladesch; seit der Katastrophe von Rana Plaza im April sind sie aber heftiger geworden. Die Proteste am Montag seien die gewaltsamsten seit 2010, sagte ein Vertreter der Fabrikbesitzer.

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Produzent von Textilien weltweit. Die rund 4500 Fabriken im Lande produzieren rund 80 Prozent aller Exporte des Landes. Deren Wert beläuft sich auf rund 20 Milliarden Euro jährlich. Der Verband der Fabrikbesitzer will den Mindestlohn höchstens um 20 Prozent auf 3600 Taka anheben und argumentiert mit der schlechten Lage der Weltwirtschaft.

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