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111 Arbeiter in Brasilien aus Sklaverei-ähnlichen Zuständen befreit

São Paulo (afp) – Die brasilianischen Behörden haben mehr als hundert Arbeiter aus den Händen einer Firma befreit, die sie unter Sklaverei-ähnlichen Bedingungen beschäftigt hatte. Die Firma habe im armen Nordosten des Landes Arbeiter für Renovierungsarbeiten am Flughafen von São Paulo rekrutiert, teilte das brasilianische Arbeitsministerium am Freitag mit. Das Unternehmen habe ihnen einen Monatslohn von umgerechnet rund 462 Euro versprochen, was mehr als das Doppelte des brasilianischen Durchschnittsverdienstes ist.

Als sie in der Millionenmetropole ankamen, seien die Arbeiter aber nicht sofort eingesetzt worden. Als Reservekräfte hätten sie in heruntergekommenen Unterkünften nahe der Baustelle auf ihren Einsatz gewartet, sagte Renato Bignami vom Programm zur Abschaffung von Zwangsarbeit beim Arbeitsministerium. Unter den Arbeitern seien sechs Ureinwohner der Volksgruppe Pankaru gewesen.

Die Leitung des betroffenen Unternehmens OAS sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie sei nicht über den Fall informiert. Die Firma entließ aber die Mitarbeiter, die verantwortlich sein sollen. OAS zählt zu den größten Baufirmen in Brasilien. Die Firma kommt jetzt auf die schwarze Liste der Firmen, die Zwangsarbeit anwenden. Außerdem muss sie eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet rund 45.000 Euro zahlen. Der Flughafen Guarulhos soll mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr modernisiert werden.

Zwangsarbeit ist auch ein Thema im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Laut einem Bericht des britischen „Guardian“ vom Donnerstag starben 44 nepalesische Arbeiter in diesem Sommer auf Baustellen für die WM. Die Temperaturen in dem Emirat steigen im Sommer auf rund 50 Grad. In Katar leben wie in vielen anderen reichen Golfstaaten Millionen Arbeitsmigranten aus Asien. Nach offiziellen Angaben arbeiten in Katar insgesamt rund 300.000 Nepalesen. Die internationale Gewerkschaftsvereinigung warnte angesichts der jüngsten Todesfälle, dass bis zur WM 4000 Arbeiter auf den Baustellen sterben könnten.