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kunststoffland NRW: nachhaltige Produktionsketten schaffen

Kunststoff ist eines der Materialien, an das sich in Sachen Umweltschutz hohe Anforderungen richten. Der Arbeitskreis Nachhaltigkeit im Verein kunststoffland NRW will Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Sachen nachhaltige Kunststoffproduktion zusammenbringen und den politischen Dialog suchen. CSR NEWS sprach mit Verantwortlichen des Vereins.

Leverkusen (csr-news) – Kunststoff ist eines der Materialien, an das sich in Sachen Umweltschutz hohe Anforderungen richten. Der Arbeitskreis Nachhaltigkeit im Verein kunststoffland NRW will Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Sachen nachhaltige Kunststoffproduktion zusammenbringen und den politischen Dialog suchen. CSR NEWS sprach mit Verantwortlichen des Vereins.

Nordrhein-Westfalen ist „weltweit ein Zentrum der Kunststoffindustrie“, sagt Manfred Rink, Senior Vice President bei Bayer MaterialScience und Leiter des Arbeitskreises Nachhaltigkeit bei kunststoffland NRW. Der 2006 gegründete Verein vernetzt nordrhein-westfälische Unternehmen der Branche – von der Erforschung über den Maschinen- und Anlagenbau bis zur Erzeugung und dem Recycling.

Dass die Kunststoff-Wahrnehmung häufig von der „Plastiktüte am Straßenrand“ bestimmt wird, bedauert Rink. Dabei bleibe außen vor, welche Bedeutung der Werkstoff für Alltagsprodukte wie Handys, Autos, Möbel oder Fußbälle und ebenso für innovative Energieanlagen wie Windräder oder auf dem Bau besitze. „Man muss da sicher mehr Aufklärung machen“, sagt der Arbeitskreisleiter. Dabei sei es die Aufgabe der Verbände, offensiv an Themen wie das „marine littering“ heranzugehen.

„Nachhaltigkeit kann nicht ein einzelnes Unternehmen alleine“, so Rink. Damit Materialqualität, der Produktionsprozess und die Nutzungsdauer aufeinander abgestimmt seien, brauche es eine nachhaltige Produktionskette. Ebenso seien geeignete politische Rahmensetzungen und entsprechende Wettbewerbsbedingungen wichtig.

Dass in einer Wertschöpfungskette große und kleinere Firmen beteiligt sind, spielt dabei auch eine Rolle: „Die Unternehmen gehen unterschiedlich an das Thema heran“, sagt Rink. Den Großen stünden mehr Kapazitäten für eine nachhaltige Ausrichtung von Produkten und Produktionsprozessen zur Verfügung. Auf der anderen Seite fänden sich bei kleinen und mittleren Unternehmen hoch engagierte Einzelpersonen. Daneben gebe es auch solche Unternehmen, bei denen das Thema Nachhaltigkeit noch nicht angekommen sei. Rink: „Aber das verändert sich langsam.“ Denn hinter den Merkmalen Preis und Leistung würden Umwelt- und Sozialaspekte immer wichtiger. Rink weiter: „Nur die Unternehmen, die sich langfristig mit diesen Themen beschäftigen, werden wettbewerbsfähig bleiben.“

Der Verein kunststoffland NRW zählt etwas über 100 Mitglieder, darunter zu zwei Dritteln Mittelständler und zudem Konzerne wie Bayer, Evonik und Lanxess. Die Geschäftsstelle ist mit vier Mitarbeitern besetzt. kunststoffland NRW will weiter wachsen und neuen Mitglieder gewinnen. Allerdings seien Mittelständler eher kritisch eingestellt gegenüber Verbänden aller Art, berichtet Vereins-Geschäftsführerin Bärbel Naderer. kunststoffland NRW ist eine Industrieinitiative, die sich aus den Beiträgen ihrer Mitglieder finanziert und auf deren aktive Mitarbeit angewiesen ist.

Mit der Politik sei der Verein hervorragend vernetzt und es finde ein „kontinuierlicher praktischer Austausch“ statt, so die Geschäftsführerin. Zum mittleren Management in den Ministerien bestehen gute Beziehungen. Für eine Mitgliedschaft in dem Verein sprechen außerdem die Impulse, die seine Mitglieder aus den gemeinsamen Veranstaltungen mitnehmen können. Wenn etwa ein Mitarbeiter des Hausgeräteherstellers Miele über Produktneuheiten und Nachhaltigkeitsanforderungen der Zukunft berichtet, vermittelt das den Teilnehmern ein Gefühl für den Bedarf an Nachhaltigkeitslösungen und für Handlungsoptionen. Zudem hat sich kunststoffland NRW zum Ziel gesetzt, bei wissenschaftlichen Schriften auf hohem Niveau „den Übersetzer zu spielen und das greifbarer zu machen für Mittelständler“, sagt Rink.

Etwa 35 Vereinsmitglieder haben sich zum Arbeitskreis Nachhaltigkeit zusammengeschlossen. Daran beteiligt sind neben Unternehmensvertretern auch Mitarbeiter aus Akademien und Ministerien. Bei den drei bis vier Arbeitskreistreffen pro Jahr werden mindestens zwei Impulsvorträge und „viel Räum für den Dialog“ geboten. Rink weiter: „Eine gewisse Vertrauenskultur in der Diskussion gehört dazu.“ Weil auch der Arbeitskreis Nachhaltigkeit aus dem ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder lebt, wird von diesen Engagement erwartet. Und der Arbeitskreis funktioniert als Netzwerk, in dem sich die Mitglieder beispielsweise gegenseitig Experten weitervermitteln.

Im Mittelpunkt der Arbeitskreistätigkeit stehen Fragen wie: Welche Rahmenbedingungen kommen auf uns zu? Was ist State of the art, was muss ich können? „Das Thema life cycle assessment spielt dabei eine große Rolle“, so Rink. Zudem geht es um Themen wie Energie-, Ressourcen- und Materialeffizienz, Recycling oder die Förderprogramme von Bund und Ländern.

Auch visionäre Themen kommen dabei zur Sprache – wie Perspektiven für einen vollständig kreislauffähigen Werkstoff oder die Herstellung von Kunststoff aus CO2. Die Verantwortlichen des Vereins kunststoffland NRW müssen sich daneben aber auch mit den engen rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit von Unternehmen beschäftigen: Denn der Verein darf keinesfalls kartellrechtliche Bestimmungen verletzen.

kunststoffland NRW im Internet:
www.kunststoffland-nrw.de