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Oxfam: Konzerne sollen Landvertreibung für Zuckeranbau stoppen

Die Hilfsorganisation Oxfam hat Getränkehersteller wie Coca-Cola und PepsiCo aufgefordert sicherzustellen, dass es für den Zuckeranbau keine Landvertreibungen gibt. “Beim Anbau von Zuckerrohr kommt es vielfach zu Landkonflikten”, erklärte Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale am Mittwoch in Berlin anlässlich der Veröffentlichung der Studie “Sugar Rush”. Coca-Cola, PepsiCo sowie der Lebensmittelkonzern Associated British Foods müssten garantieren, dass für den Zucker, den ihre Lieferanten herstellten, Menschen in armen Ländern nicht um ihre Acker- oder Waldflächen gebracht würden.

Berlin (afp) – Die Hilfsorganisation Oxfam hat Getränkehersteller wie Coca-Cola und PepsiCo aufgefordert sicherzustellen, dass es für den Zuckeranbau keine Landvertreibungen gibt. “Beim Anbau von Zuckerrohr kommt es vielfach zu Landkonflikten”, erklärte Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale am Mittwoch in Berlin anlässlich der Veröffentlichung der Studie “Sugar Rush”. Coca-Cola, PepsiCo sowie der Lebensmittelkonzern Associated British Foods müssten garantieren, dass für den Zucker, den ihre Lieferanten herstellten, Menschen in armen Ländern nicht um ihre Acker- oder Waldflächen gebracht würden.

Der Studie zufolge sind Zulieferbetriebe der drei Konzerne in mehreren Fällen in sogenanntes Landgrabbing oder Landkonflikte verwickelt. Als Landgrabbing bezeichnen es Kritiker, wenn Investoren, die Land kaufen oder pachten, die Rechte und Bedürfnisse ländlicher Bevölkerungsgruppen ignorieren, die das Land bislang bearbeitet und davon gelebt haben.

Laut Oxfam kämpfen derzeit in Kambodscha 200 Familien für ihr Land, von dem sie 2006 vertrieben worden seien, um Platz für eine Zuckerplantage zu machen. Die Plantage beliefere ein Unternehmen, dessen Franchisefirmen Zucker für Coca-Cola und PepsiCo verarbeiteten.

Im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul wehrten sich Ureinwohner gegen die Landnahme durch Betreiber von Zuckerplantagen, die eine Zuckermühle des Unternehmens Bunge beliefern, erklärte Oxfam. Coca-Cola kaufe Zucker von Bunge, behaupte aber, dass der Zucker nicht von dieser Mühle stamme. Weitere Landkonflikte gibt es der Entwicklungsorganisation zufolge in Mali, Sambia und Malawi.

Eine Sprecherin von Coca-Cola Deutschland erklärte dazu, der Konzern fördere seit Jahren ausdrücklich eine nachhaltige Landwirtschaft entlang der gesamten Lieferkette und Zulieferer würden auf die Einhaltung umfangreicher Menschenrechts- und Umweltgrundsätze verpflichtet. Coca-Cola arbeite dabei arbeite sowohl mit Oxfam als auch mit anderen Nichtregierungsorganisationen wie dem WWF oder Bonsucro zusammen. Bonsucro ist ein Nachhaltigkeitsstandard und Zertifizierungssystem für Zuckerrohr. Der vor 18 Monaten verabschiedete Bonsucro-Produktionsstandard deckt aktuell 2% aller Zuckerrohrflächen ab. 65 Unternehmen und Organisationen haben sich Bonsucro angeschlossen.

Coca-Cola, PepsiCo sowie Associated British Foods als zweitgrößter Zuckerproduzent der Welt – in Deutschland bekannt durch seine Marke Ovomaltine – müssten sich zu einer “Null-Toleranz-Politik gegen Landgrabbing” verpflichten, fordert Oxfam. Die Unternehmen müssten offenlegen, über welche Lieferanten aus welchen Ländern sie ihre Rohstoffe beziehen. Die Konzerne müssten sich dafür einsetzen, “dass die Ernährungsindustrie und die Regierungen bestehende Landrechte der lokalen Bevölkerung respektieren und schützen”.

Nach Oxfam-Informationen wurden 2012 weltweit 176 Millionen Tonnen Zucker produziert, wovon mehr als die Hälfte für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bestimmt gewesen sei. Bis 2020 werde die Produktion voraussichtlich um 25 Prozent zunehmen.

Die Studie “Sugar rush” und weitere englischsprachige Informationen >> im Internet

Die Nachhaltigkeitsinformationen der Brazilian Sugarcane Industry Association: www.sugarcane.org

Foto: Ein Zuckerrohrfeld wird mit Feuer “gereinigt”.