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Welttierschutztag 2013: Tierärzte fordern bessere Tiertransporte

Berlin (csr-news) >  Anlässlich des heutigen Welttierschutztages appelliert die Bundestierärztekammer an die zukünftige Bundesregierung, die Transporte von Schlachttieren nicht aus den Augen zu verlieren und auf eine Überarbeitung der EU-Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport hinzuwirken. Der Bericht der Europäischen Kommission über die Auswirkungen dieser Verordnung stellt fest, dass es weiterhin schwerwiegende Tierschutzprobleme beim Transport gibt, ohne dafür wirkliche Lösungen vorzuschlagen. „Die derzeit geltende Verordnung ist lückenhaft und regelt nicht alle Probleme zufriedenstellend. So muss zum Beispiel endlich eine maximale Transportzeit für die Tiere festgeschrieben werden, wie es der Bundesrat bereits gefordert hat. Aus tierärztlicher Sicht sollte ein Tiertransport ausnahmslos auf acht Stunden begrenzt sein, zumindest darf es keine Transporte in Drittländer geben, die das europäische Übereinkommen zum Schutz von Tieren beim internationalen Transport nicht unterzeichnet und ratifiziert haben“, erklärt Prof. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. Und: „Als Fernziel sollte auf den Import und Export lebender Schlachttiere zugunsten von Fleischtransporten ganz verzichtet werden“. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Deckenhöhe der Transportfahrzeuge. Mantel: „In Deutschland haben einzelne Bundesländer wie Thüringen beim zweistöckigen Transport von Rindern mit der Forderung eines Freiraums von 30 Zentimetern über dem Widerrist des Tieres eine klare Regel aufgestellt. Das sollte auch in die EU-Verordnung aufgenommen werden“. Das größte Manko sieht die Bundestierärztekammer jedoch in den unzureichenden Kontrollen der Tiertransporte. Das stellt auch der Bericht der Kommission fest. „Uns nützen die besten Verordnungen und schärfsten Vorgaben nichts, wenn die Umsetzung nicht kontrolliert wird. Dafür bedarf es aber dringend qualifizierten tierärztlichen Überwachungspersonals in den Veterinärämtern, doch das wird überall eingespart. Da darf man sich nicht wundern, dass die meisten Transportskandale von privaten Tierschutzorganisationen aufgedeckt werden“, gibt Mantel zu bedenken.

Auch der deutsche Tierschutzbund appelliert an die zukünftige Bundesregierung, dem Tierschutz mehr Beachtung zu schenken. Der Verband betont, dass von den beginnenden Sondierungsgesprächen und gegebenenfalls späteren Koalitionsverhandlungen neue Impulse für bessere Tierhaltungsbedingungen in der Landwirtschaft, den Vorrang für tierversuchsfreie Forschung, einen besseren Heimtierschutz und die Stärkung des praktischen Tierschutzes vor Ort ausgehen müssen. Die zentrale Forderung der Tierschützer ist das Verbandsklagerecht für seriöse, als gemeinnützig anerkannte Tierschutzverbände. „Tiere haben keinen Preis, Tiere haben einen Wert. Das muss die Leitlinie sein, nach der zukünftig eine neue Bundesregierung den Tierschutz in Deutschland aktiv gestaltet. Die immer gepriesene Vorreiterrolle in Europa kann Deutschland derzeit nicht mehr beanspruchen, da müssen wir aber wieder hin. In vielen Tierschutzbelangen haben wir dringend Handlungsbedarf. Wir brauchen ein Verbandsklagerecht, wir brauchen ein neues Tierschutzgesetz und wir brauchen mehr Unterstützung für den praktischen Tierschutz“, appelliert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, an die Teilnehmer der Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Bundesregierung. Kernforderung ist die Einführung der Verbandsklage für anerkannte Tierschutzorganisationen. In acht Bundesländern ist diese bereits auf den Weg gebracht bzw. eingeführt: Ein klares Signal, dass sich auch auf Bundesebene etwas bewegen muss. Die Verbandsklage ist in anderen Bereichen eine Selbstverständlichkeit, im Naturschutz hat sie sich bewährt. Bisher wurde den Tierschutzverbänden dieses Klagerecht verweigert. Auch vor dem Hintergrund des Tierschutzes im Grundgesetz ist das inakzeptabel. Weiteres Beispiel: Alle Parteien im Bundestag wollen Tierversuche mindestens reduzieren, doch die steigende Zahl an jährlich „verbrauchten“ Tieren, knapp drei Millionen bundesweit, spiegeln dies nicht wider. Hier erwarten die Tierschützer unter anderem mehr politisches Engagement für Alternativmethoden. Auch die Tierheime erhoffen sich einen Impuls von der neuen Bundesregierung, Ziel sollte eine bundeseinheitliche und kostendeckende Erstattung der Tierheimarbeit sein. „Die Politik kauft sich bisher aus ihren Pflichtaufgaben, wie etwa der Fundtierbetreuung, günstig, wenn nicht sogar billig heraus. Die Tierheime bleiben auf den Kosten sitzen, bekommen immer neue Aufgabe aufgedrückt. Hier muss eine neue Bundesregierung mit einem Sofortprogramm helfen“, fordert Schröder.

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