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Universität Zürich: Studierende fordern kritischere Wirtschaftswissenschaften

In einem Schreiben an das Rektorat der Universität Zürich fordern Studierende der Wirtschaftswissenschaften die Berücksichtigung sozioökonomischer Problemstellungen in Forschung und Lehre. Das am 24. September von einem Studentenkomitee verfasste Schreiben verweist darauf, “dass die wirtschaftswissenschaftliche Lehre und Forschung eine gesellschaftliche Verantwortung trägt” und diese auch wahrnehmen sollte.

Zürich (csr-news) – In einem Schreiben an das Rektorat der Universität Zürich fordern Studierende der Wirtschaftswissenschaften die Berücksichtigung sozioökonomischer Problemstellungen in Forschung und Lehre. Das am 24. September von einem Studentenkomitee verfasste Schreiben verweist darauf, “dass die wirtschaftswissenschaftliche Lehre und Forschung eine gesellschaftliche Verantwortung trägt” und diese auch wahrnehmen sollte.

Mit zwei Schreiben wollen die angehenden Wirtschaftswissenschaftler auf einen “dringenden Reformbedarf” hinweisen. Sie fordern, dass alternative Modelle und Studien zur Wirtschaftslehre einen gleichberechtigten Platz im Lehrplan finden, die in der Lehre vorgestellten Modelle eine höhere praktische Relevanz besitzen und bei der Besetzung von Professorenstellen auf eine Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit sozioökonomischen Fragestellungen geachtet wird.

Mit “praktischer Relevanz” sei aber keine “akademische Behandlung der Ökonomie zur ‘maßgeschneiderten Berufsausbildung'” gemeint. Weiter heißt es in dem Schreiben der Studierenden: “Leider sind auch hier gegenläufige Tendenzen erkennbar. So wurde ein millionenschwerer und intransparenter Vertrag mit der Großbank UBS ausgehandelt, mit dem die Universitätsleitung das Interesse der akademischen Unabhängigkeit allen Versprechungen zum Trotz sträflich vernachlässigt.”

An europäischen Hochschulen genösse die Neoklassik nach dem Vorbild von Adam Smith‘s bis heute ein Lehrmonopol, in den USA sei es der Neoliberalismus nach Milton Friedman und Friedrich A. von Hayek. Solche Theoriengebilde könnten aber niemals objektiv und fehlerfrei sein, argumentieren die Studierenden. “Unsere Wissenschaft muss einen Weg finden, wirtschaftliche Fragen unter dem Gesichtspunkt unterschiedlicher Theorien zu betrachten und dabei auch zugänglich sein für ergänzendes Gedankengut.” So müssten etwa auch die Erkenntnis der effizienteren Allokation bei Allmende-Gütern aus der empirischen Forschung von Elinor Ostrom einen prominenten Platz im Lehr- und Prüfungsplan finden.

Zu den Hauptunterstützern dieser Forderungen zählt der Universitätsverein sneep Zürich.