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Über 100.000 Arbeitsplätze hängen am blauen Dunst: Verbände sehen Jobs durch neue Tabakregeln gefährdet

Die deutsche Tabaklobby läuft Sturm gegen die am Dienstag von Europäischen Parlament beschlossene Verschärfung der EU-Tabakrichtlinie. Eines ihrer Hauptargumente: Die neuen Regeln gefährden massiv Arbeitsplätze. Aber wie viele Jobs hängen in Deutschland eigentlich an Anbau und Verarbeitung von Tabak? Und wo sind diese genau beheimatet?

Von Sebastian Bronst

Hamburg (afp) – Die deutsche Tabaklobby läuft Sturm gegen die am Dienstag von Europäischen Parlament beschlossene Verschärfung der EU-Tabakrichtlinie. Eines ihrer Hauptargumente: Die neuen Regeln gefährden massiv Arbeitsplätze. Aber wie viele Jobs hängen in Deutschland eigentlich an Anbau und Verarbeitung von Tabak? Und wo sind diese genau beheimatet?

Der Deutsche Zigarettenverband (DZV) taxiert die Zahl der Beschäftigten in der hiesigen Tabakwirtschaft auf insgesamt etwa 107.000. Davon sind einer vom DZV in Auftrag gegebenen Studie von 2012 52.000 direkt in der Branche beschäftigt, weitere 55.000 Jobs entstehen durch die sogenannten indirekten Beschäftigungseffekte in anderen Wirtschaftssektoren.

Allein der Bundesverband des Tabakwaren-Einzelhandels (BTWE) beziffert die Beschäftigtenzahl in seinem Sektor auf 25.000. Der Verkauf von Zigaretten, Tabak und Zubehör ist ihm zufolge nicht nur die Geschäftsgrundlage für Fachhändler, sondern auch ein wichtiges Standbein für Kioske und Zeitungs- oder Lottoläden.

In der Tabakverarbeitung selbst sind nach Informationen des Statistischen Bundesamts in Deutschland 9700 Menschen beschäftigt. Internationale Tabakkonzerne wie British American Tobacco (BAT) und Reemtsma betreiben hierzulande teilweise große Fabriken. Das Bayreuther Werk von BAT ist nach Unternehmensangaben sein größtes weltweit und liefert Zigaretten, Filter und Halbfabrikate an europäische Schwesterfirmen.

Konkurrent Reemtsma produziert in einem Werk in Hannover mit 800 Mitarbeitern jährlich nach eigenen Angaben annähernd 35 Milliarden Zigaretten und 4000 Tonnen andere Tabakprodukte. In Trossingen (Baden-Württemberg) stellen weitere 200 Angestellte Zigarettenhülsen her. Hunderte Mitarbeiter sind bei BAT und Reemtsma in Hauptverwaltungen tätig, die in Hamburg liegen.

Hinzu kommen noch 17 klein- und mittelständische Betriebe, die Tabak verarbeiten, einführen oder veredeln. Sie haben sich nach Informationen ihrer eigenen Organisation, dem Verband der Deutschen Rauchtabakindustrie (VdR), auf Nischen konzentriert – etwa den Vertrieb von Pfeifen- und Kautabak oder von Zigarren.

Selbst Tabakanbau gibt es in Deutschland. Etwa 150 bis 160 Anbaubetriebe sind hierzulande im Geschäft, sie beschäftigen 400 bis 500 feste Mitarbeiter sowie bis zu 2500 Saisonkräfte, wie der Bundesverband deutscher Tabakpflanzer schätzt. Weitere rund 2500 Jobs entstünden in Nachbarsektoren wie dem Agrar- und Landhandel. Anbaugebiete für Tabak finden sich vor allem am Rhein in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg. Aber auch in Ostdeutschland, Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein wird die Pflanze kultiviert.

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